Manroland Wie geht es weiter in Augsburg?
Zwei Monate nach der Pleite scheint der Augsburger Druckmaschinenhersteller manroland gerettet. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: 2200 Arbeitsplätze fallen weg, 900 davon am Standort Augsburg. Ein Sozialplan und die Gründung einer Transfergesellschaft sollen die ersten Nachteile abmildern helfen. Welche Perspektiven haben die Beschäftigten?
Vielleicht ist dies das letzte Mal, dass Heidemarie Lang den Firmenstempel auf einen Manrolandbrief drückt. Die 48 Jährige ist eine von 2200 Mitarbeitern die bangen. Bangen um ihren Job, bangen um ihre Existenz. 31 Jahre – fast ihr ganzes Berufsleben ist sie jetzt dabei und nun soll möglicherweise Schluss sein. Über 700 Mitarbeiter müssen gehen. Das steht schon fest. Wen es aber trifft ist noch offen. Bis Montag. In der Kantine gibt es kein anderes Gespräch: Die meisten fühlen sich ausgeliefert:
Hier in der Werkhalle wird am Montag gleich in der Früh die alles entscheidende Betriebsversammlung stattfinden. Dann bekommt jeder Mitarbeiter per Brief sein zukünftiges Schicksal ausgehändigt. Wer wird unter dem neuen Investor Possehl weiterarbeiten? Wer muss in die Transfergesellschaft?
Bei Böwe Systec erging es den Mitarbeitern vor 3 Jahren ähnlich. Der Kuvertiermaschinenhersteller musste 2009 Insolvenz anmelden. Auch hier stieg Possehl als Investor ein. Über 100 Mitarbeiter wurden gekündigt. Betriebsrat Claus Bunk hat seine ehemaligen Kollegen bei den Qualifizierungsmaßnahmen der Transfergesellschaft begleitet.
"Die Schulungsmaßnahmen waren toll…Einer hat Immobilienmarkler gelernt, eine Heilpraktikerin, eine ist Gruppenleiterin geworden. Es gab viel Potential nach vorne. Einige sind anderweitig untergekommen ..Einige haben sich aber auch verschlechtert."
Claus Bunk, Betriebsrat Böwe Systec
Auch die Übernahme durch die Lübecker Possehl-Gruppe klappte gut. Heute schreibt Böwe Systec wieder schwarze Zahlen. Natürlich so erklärt Bunk, ist eine Insolvenz immer ein Einschnitt, aber sie hätten einfach Glück gehabt mit dem neuen Investor.
Die 48 Jährige Verwaltungsangestellte startet in ein ungewisses Wochenende. Ist ihre Zeit bei Manroland für sie vorbei?
Zuhause lässt sie ihr Berufsleben noch mal Revue passieren. Bei MAN Diesel hat sie mit 17 ihre Lehre gemacht, direkt danach ging sie zu Manroland. Die Firma ist quasi ihre zweite Familie. Schon ihr Vater hatte 20 Jahre bei MAN Diesel gearbeitet.
"Er hat immer gesagt, die Arbeit bei MAN ist eine Lebensversicherung. Da gehst Du rein als Azubi und gehst raus in Rente. Da hab i immer gedacht das passt zu mir. Das ist mein Lebenskonzept. Was ich in der Transfergesellschaft fürchten würde ?! Das ich innerhalb eines Jahres nichts finden würde. Ist dass dann Hartz IV? Ist dass dann der komplette Abstieg?"
Heidemarie Lang
In Augsburg ist die Arbeitsmarktsituation derzeit sehr gut. Mit 3,8% liegt die Arbeitslosenquote so tief wie seit 20 Jahren nicht mehr. Doch wie sieht es mit den langjährigen, älteren Mitarbeitern Manrolands aus?
"Das muss man differenziert sehen. Dort wo es um Fachkräfte geht, …. Verwaltung schwieriger."
Reinhard Demel, Arbeitsagentur
In einer halben Stunde ist es soweit, dann werdendie Manroländer darüber unterrichtet, wie es zukünftig weitergeht. Unter ihnen Heidemarie Lang trotz drohender Lohnkürzungen hofft sie im Betrieb zu bleiben.
"Ich fühl mich eigentlich gar nicht. Ich habe einen Knoten im Magen. Es wird jetzt unerträglich spannend"
Heidemarie Lang
Plötzlich wird es ganz ruhig im und ums Gebäude. Alle befinden sich jetzt dort, wo Firmengeschichte geschrieben wird. Während die Mitarbeiter ihre Briefe bekommen nimmt Jürgen Bänsch Stellung zu den Maßnahmen. Die rund 200 Azubis dürfen zumindest ihre Ausbildung fertig machen. Doch zufrieden ist der Betriebsrat nicht.
"Einen Sozialplan dahingehend dass Mitarbeiter mit Abfindungen gehen können gibt es nicht. Sondern das einzige Angebot ist die Transfermaßnahme, in die die Mitarbeiter jetzt 6 Monate reingehen können um ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern."
Jürgen Bänsch, Betriebsrat Manroland
Wortlos treten die Gekündigte unverzüglichden den Heimweg an. Zuvor müssen sie allerdings noch ihre Sachen packen. Auch die Verbleibenden sind gedrückt Heidemarie Lang darf bleiben. Aber:
"Eigentlich komisch….Das wird es so nicht mehr geben."
Heidemarie Lang
Freuen kann sie sich nicht, viele ihrer Kollegen wird sie hier nie wieder sehen.

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