Bayerisches Fernsehen - Geld & Leben

Krankenhaus Ärzte und Pfleger im Dauerstress

Der Streik scheint in letzter Minute abgewendet, die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber haben sich auf 2,9 % mehr Gehalt geeinigt. Doch die Situation in den Kliniken bleibt angespannt. Die Klinikbetreiber warnen vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau, dabei ist der Personalmangel schon jetzt groß, sind Ärzte und Pfleger im Dauerstress. Eine Reportage aus dem Augsburger Klinikum.

Autor: Antonia Böhm Stand: 19.01.2012

Sieben Uhr morgens vor dem  Klinikum Augsburg. Ein Großkrankenhaus mit 230.000 Patienten pro Jahr.

Als erstes gehen wir in die Notaufnahme. Thomas Händl, leitender Oberarzt erwartet uns hier. Um 7.30 Uhr beginnt seine Schicht mit der Übergabe der Patienten, die in der Nacht gekommen sind. Er muss entscheiden, welcher Patient stationär aufgenommen, und welcher wieder entlassen wird. „Die Verantwortung ist groß.“

"Die Notaufnahme ist natürlich immer ein Brennpunkt, aber die Arbeitsbelastung hat sich insgesamt erhöht im Krankenhaus für alle dort Beschäftigten. Wir behandeln einfach in weniger Betten mehr Patienten in kürzerer Zeit. Das führt natürlich zu einer erheblichen Verdichtung der Arbeit für alle Beschäftigten."

Thomas Händl, leitender Oberarzt Klinikum Augsburg

"Wie macht sich das bemerkbar? Ich kann mir vorstellen, alles ist sehr gehetzt?“

"Es ist zum Glück nicht immer alles sehr gehetzt, aber ist so, dass es sehr stressige Momente gibt. Und gerade dann, wenn es so ist, dass viele Patienten gleichzeitig in der Notaufnahme sind – wir haben manchmal 70/80 Patienten zeitgleich in der Notaufnahme und dort ist es ganz wesentlich den Überblick zu behalten."

Thomas Händl, leitender Oberarzt Klinikum Augsburg

Jeden Tag kommen etwa 200 Patienten in die Notaufnahme, die alle versorgt werden wollen. Und jedes Jahr werden es mehr. Doch längst nicht alle sind in akuter Not. Ein Großteil der Patienten, die hier landen, könnte eigentlich auch beim Hausarzt behandelt werden, erfahren wir. Nur ein Drittel wird stationär aufgenommen.

Es ist voll geworden in der Notaufnahme. Unser Oberarzt, Thomas Händl guckt sich einen Patienten nach dem anderen an. Eine Pause gabs noch nicht. Ein Mann wir gleich eingeliefert, er muss wiederbelebt werden. Nach neun Jahren Berufserfahrung bleibt Händl ruhig, alle Abläufe sind automatisiert. Trotz Stress.

 Schichtdienste, Bereitschaftsdienste, immer dann arbeiten, wenn andere in den Feierabend gehen. Händl sagt uns, wenn sich nichts ändert, findet er bald niemanden mehr, der diesen Job machen will.

"Wir haben 75 Prozent außerhalb der regulären Arbeitszeit, das heißt  ein Großteil der Arbeitszeit befindet sich nachts und am Wochenende und das ist so, dass viele junge Kollegen natürlich nach einer gewissen Zeit abspringen, weil sie das nicht aushalten, weil das nicht vereinbar ist mit der Familie."

Thomas Händl, leitender Oberarzt Klinikum Augsburg

Eine Frage ist da noch offen. Es geht um die 2,9 Prozent mehr Gehalt für die Klinikärzte. Bringt das jetzt die Entlastung?

"Also 2,9 Prozent mehr Geld bringen nicht weniger Arbeitsentlastung, das muss man vorne sagen. Uns geht’s nicht so wesentlich ums Geld, wir wollen für die Arbeit, die wir leisten faire Arbeitsbedingungen haben."

Thomas Händl, leitender Oberarzt Klinikum Augsburg

"Was muss sich denn wirklich ändern, wenn Sie es in der Hand hätten, damit sich was an der Situation verbessert?"