Fachkräftemangel Wie attraktiv ist Bayern?
Längere Arbeitszeiten werden gerade auch mit dem Fachkräftemangel begründet, dem sich viele Unternehmen ausgesetzt sehen. Ein Grund dafür ist der demographische Wandel und das Fehlen jüngerer Arbeitskräfte auf dem Stellenmarkt. Weil die Arbeitslosigkeit im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern in der Bundesrepublik Deutschland vergleichsweise gering ist, zieht es jetzt immer mehr Menschen aus den Mittelmeerländern Richtung Norden, um hier einen Job zu finden.
Ich habe die Messung hier genommen und ich habe gefunden, dass es viel besser als hier so...
Wie fließt der Strom möglichst gleichmäßig von der Batterie in den Motor - eine Frage, mit der sich Jose Padilla früher an der Universität Sevilla beschäftigt hat - nun entwickelt er bei Infineon in München sogenannte Batterie-Management-Systeme - und kämpft dabei nicht nur mit physikalischen Widerständen:
"Die Sprache ist eine große Grenze für uns. Deutsch ist ein bisschen kompliziert für spanische Leute. Aber zum Glück, hier Infineon, ich habe Kollegen gefunden das geduldig mit mir sind."
Jose Padilla, Ingenieur
Seit 2 Monaten ist Jose Padilla Ingenieur bei Infineon - wie etliche seiner Landsleute hat er sich entschieden, seiner Heimat den Rücken zu kehren -
im ersten Halbjahr 2011 kamen 50 Prozent mehr Spanier als sonst nach Deutschland, aus Griechenland kamen sogar über 80 Prozent mehr Einwanderer als sonst - Grund: die Eurokrise:
"Letzten Jahr, mit der Krise, Angela Merkel in Spanien hat gesagt, Deutschland braucht Ingenieure. So, viele Leute, die normalerweise nicht an Deutschland interessiert waren, mochten herkommen, um diese guten Arbeitsbedingungen zu finden."
Jose Padilla, Ingenieur
Menschen aus 80 Nationen arbeiten bei Infineon – das Unternehmen ist froh über gut ausgebildete Fachkräfte, unterschiedliche Kulturen werden schnell integriert. Auch Jose Padilla ist dabei, zu lernen und sich anzupassen an das neue Umfeld:
"Alle Leute sind direkt und sie sagen, was sie möchten. Das ist sehr gut. In Spanien normalerweise, sie sind nicht so direkt. Das heißt, ich musste direkt sein lernen."
Jose Padilla, Ingenieur
Rafael Fernández Caparrós ist Architekt aus Madrid, hat in renommierten Büros gearbeitet - doch seit die Eurokrise sein Land überrollt hat, gibt es in seiner Branche einfach keine Jobs mehr - nun versucht auch er es in München:
"In Spanien, die Krise ist schlimm, v.a. in der Bauwelt. In Baufirmen gibt es keine Arbeit mehr. Und zum Glück, die spanischen Architekten sind ziemlich anerkannt in Europa usw., besonders die, die aus Madrid kommen."
Rafael Fernández Caparrós, Architekt
Kollegen von ihm sind sogar nach China und nach Indien gegangen, um dort Jobs zu ergattern - weil Rafael Fernández Caparrós vor 8 Jahren ein paar Monate in München studiert hat, hat er sich für Bayern entschieden. In die Fremde ziehen, weil zu Hause nichts vorangeht, Familie, Freunde, das gewohnte Umfeld verlassen - kein leichter Entschluss:
"Einfach ist es nicht, auf jeden Fall. Also, irgendwoanders zu landen ist immer schwierig, weil du kennst niemanden im Moment. Aber ich glaube, passt schon. Ich glaube, die Deutschen sind am Anfang nicht so einfach kennenzulernen. Aber ich würde sagen, wenn du einen kennst, es ist ein guter Freund. Ich habe ein paar gute deutsche Freunde."
Rafael Fernández Caparrós, Architekt
Gut ausgebildete Ingenieure kommen in Deutschland leicht unter – für Architekten ist das nicht so einfach, der Arbeitsmarkt ist angespannt. Rafael Fernández Caparrós hatte im November für einen Monat Arbeit, der nächste Job beginnt im Februar - projektbezogene Aufträge, immer wieder muss man schauen, wo man bleibt. Und dennoch: Rafael Fernández Caparrós bereut seinen Schritt, nach Deutschland gekommen zu sein, nicht:
"Gibt es nur eine Sache schlechter als arbeiten, nämlich nicht arbeiten. Das finde ich total blöd, wenn du zu Hause bleibst usw.. Ich kenne schon ein paar Leute, die sich nicht so gut fühlen und ein bisschen traurig sind. Und deswegen meine Empfehlung, man muss weiter gehen und woanders arbeiten."
Rafael Fernández Caparrós, Architekt
Aufbruch in ein neues Land, wo die Winter dunkel und kalt sind, 2000 Kilometer fern der Heimat. Nicht immer sind alle Umstellungen einfach, und manchmal ist die Sehnsucht nach mediterraner Lebensart groß:
"Ich vermisse Spanien und den andalusischen Sinn für Humor, und spanische Gewohnheiten, wie z.B. beim Essen die Tapas zu teilen."
Jose Padilla, Ingenieur
Dennoch, sie sind froh, dass Deutschland ihnen im Moment interessante Arbeit bietet - und vielleicht auch - zur Heimat wird.

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