Eurokrise Wie junge Familien ihre Zukunft sehen
Die Eurozone steckt in der wohl schwersten Krise ihrer noch jungen Geschichte. Ein EU–Gipfel folgt auf den anderen, doch bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Den erhofft man sich jetzt von der jüngsten Zusammenkunft. Wie sich die Beschlüsse auf uns auswirken könnten, dazu ein Hintergrundbericht.
Vergangenen Samstag in Landsberg am Lech. In der Stadt ist es voll. Von Kaufzurückhaltung – keine Spur.
"Ist ja keine Weihnachtskrise, ist ja nur eine Eurokrise.“ 'Ich gebe bewusst ein bisschen mehr aus, in Wertsachen, wenn ich ehrlich bin.' 'Wir haben unser Budget für Weihnachten und das schöpfen wir auch aus für unsere Geschenke.' Wir lassen uns die Weihnachtsstimmung nicht vermiesen."
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Doch wie geht es weiter? Was bedeuten die Beschlüsse des vergangenen Eurogipfels für Familien wie die von Heike und Henning Hoffmann?
Auf dem EU-Gipfel haben die Staats- und Regierungschefs eine Schuldenbremse vereinbart.
In Zukunft dürfen die Staaten daher so gut wie keine neuen Schulden mehr machen. Auch drohen Ländern, die zu hohe Defizite haben, automatische Strafen. Wird der deutsche Staat bei Familien wie den Hoffmanns deshalb sofort sparen? Nein! Denn Deutschland hat schon eine Schuldenbremse und nimmt bereits weniger neue Schulden auf. Außerdem wurden zahlreiche Sozialleistungen gekürzt. So dürfen Heike und Henning Hoffmann erst mit 67 Jahren in Rente gehen.
Ganz anderes die Situation in den südeuropäischen Problemländern: Hier wehren sich die Bürger – wie heute in Italien - gegen soziale Einschnitte und höhere Steuern. Durch die Schuldenbremsen muss künftig aber noch mehr gespart werden. Das trifft nicht nur die Menschen dort, sondern auch unsere Wirtschaft.
Der Chemieingenieur Henning Hoffmann ist wie viele deutsche Arbeitnehmer bei einer Firma beschäftigt, die viel in Euroländer exportiert. Was erwartet er, wenn dort die Wirtschaft nicht mehr zündet?
„Wenn es jetzt in den EU-Ländern negative wirtschaftliche Entwicklungen gibt und die Leute weniger einkaufen, wird man das auch bei uns in den Zahlen merken und letztendlich sind dann auch unsere Arbeitsplätze weniger sicher in der Zukunft."
Das zweite wichtige Ergebnis des EU-Gipfels: Die Rettungsmaßnahmen für überschuldete Staaten werden verstärkt. 2012 stehen gleichzeitig zwei Rettungsschirme bereit – ein befristeter und ein dauerhafter. Zudem sollen Banken und Versicherungen künftig kein Geld verlieren, wenn ein Staat gerettet werden muss.
Nicht die Banken, sondern allein die Steuerzahler müssen daher im Ernstfall die Last der Euro-Rettung tragen. Was würde das für unsere Familie bedeuten? Obwohl Heike Hoffmann halbtags in einer Apotheke arbeitet, ist der finanzielle Spielraum der Familie schon jetzt gering.
„Die Belastung ist für Familien auf jeden fall schon hoch. Gut, wenn das noch größer würde, dann müsste man, denke ich, einfach mehr verzichten. Viele dinge, die man sich jetzt noch leisten kann, wären dann im nächsten Jahr einfach nicht mehr drin.“
Das dritte wichtige Ergebnis von Brüssel betrifft die Europäische Zentralbank.
Sie bleibt von der Politik unangetastet. Auch betont der neue EZB-Chef Mario Draghi, er werde nicht Geld drucken, um Eurostaaten zu retten. Allerdings: 2012 steht die EZB vor einer Bewährungsprobe.
Dann brauchen allein die Problemländer der Eurozone insgesamt 705 Mrd. Euro frisches Geld. Doch was passiert, wenn sie dafür von den Banken keine Kredite bekommen?
Dann müssten die Rettungsschirme aufgehen. Was aber, wenn die nicht groß genug sind?
In diesem Fall könnte es nötig sein, dass die EZB doch Geld druckt, um Staatsanleihen von Problemländern zu kaufen. Das könnte die Inflation nach oben treiben, das Geld würde dadurch weniger wert.
Was hieße das für die Hoffmanns? Sie haben vor 3 Jahren ein Eigenheim erworben und sitzen jetzt auf hohen Schulden.
„Durch eine steigende Inflation werden die Schulden weniger. Insofern ist es für uns positiv. Aber man kann eben nicht abschätzen, wie sich die Löhne und Gehälter in der Zukunft mit der Inflation mitentwickeln werden.“
Hinzu kommt: Steigt die Inflation, verlieren auch Ersparnisse an Wert, etwa private Rentenversicherungen. Die Beschlüssen des Euro-Gipfels werden also über Generationen ganz real zu spüren sein: Sei es über höhere Belastungen, schlechtere Wirtschaftsaussichten oder Inflation. Denn in der Eurozone sitzen längst alle in einem Boot.
"Die Deutschen sitzen auf dem Erste-Klasse-Deck der Titanic, wenn also ganz Resteuropa versinkt, dann wird das auch katastrophale Auswirkungen haben für Deutschland, deshalb sollte gerade Deutschland starkes Interesse daran haben, hier durch stabilisierende Maßnahmen mitzuhelfen."
Prof. Gerhard Illing, LMU München
Auch wenn die Kosten der Eurorettung jetzt in der Weihnachtszeit kaum zu spüren sind - langfristig ist absehbar: Um den Euro und unseren Wohlstand zu retten, werden auch bayerische Familien einen Beitrag leisten müssen.

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