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Energiepreise Wie Verbraucher abgezockt werden

Auch in diesem Jahr werden die Verbraucher wieder tiefer in die Tasche greifen müssen, da viele Energiekonzerne die Preise für Strom und Gas zu Jahresbeginn angehoben haben. Wie sich das für einen Durchschnittshaushalt auswirkt, haben wir errechnet.

Autor: Matthias Eggert Stand: 19.01.2012

Die Familie Mustermann – ein ganz normaler deutscher Durchschnittshaushalt mit rund 100 Quadratmeter Wohnfläche und vier Zimmern. Diese Familie muss in Zukunft vor allem damit rechnen: Für Energie werden sie in Zukunft deutlich mehr bezahlen müssen. Kostenfaktor Nummer 1: Die Stromkosten.

Die Mustermanns haben Post bekommen: Ihr Anbieter hat die Strompreise Anfang des Jahres um knapp vier Prozent erhöht. Dabei haben sie schon in der Vergangenheit jedes Jahr mehr zahlen müssen. Im Jahr 2006 hat nach Angaben des Bundewirtschaftsministeriums ein 4-Personen-Musterhaushalt gut 700 Euro bezahlt. 2011 waren es schon fast 1000 Euro.

Die Energiewirtschaft sagt: die Umlage für den Ökostrom mache es so teuer. Und ein neues Gesetz zur Befreiung der Netzentgelte für besonders stromfressende Unternehmen. Verbraucherschützer halten dagegen: Die Preise an der Strombörse seien gesunken. Den Unternehmen ginge es nur um eines: um mehr Gewinne.

"Es wird einfach jeder Grund gesucht, um die Preissteigerung zu rechtfertigen. Die Preise werden auch weiter steigen. Aber einen Grund sehen wir darin gar nicht."

Petra von Rhein, Verbraucherzentrale Bayern

Die EU schätzt in einem internen Strategiepapier: Die Ausgaben für Energie könnten sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Allein Strom könnte um 50 Prozent teurer werden. Für die Mustermanns hieße das: Sie müssten im Jahr rund 500 Euro mehr für ihre Stromrechnung beiseite legen.

Trübsal müssen sie trotzdem nicht blasen. Es gibt einfache Möglichkeiten, die Stromkosten im Griff zu behalten:

Der erste Tipp:

Die Mustermanns wechseln den Stromanbieter. Bei Vergleichsportalen wie toptarif, check24 oder verivox suchen sie sich den günstigsten Anbieter heraus. Sie sollten dabei bei mindestens zwei Portale nutzen, um den besten Preis zu finden. Und immer nur die ohne Vorauskasse und Kaution berücksichtigen. Postleitzahl eingegeben, auf kurze Kündigungszeiten achten, dem neuen Anbieter die notwendigen Daten geben – fertig. Damit können die Mustermanns bis zu 200 Euro im Jahr einsparen.

Eine Kündigung müssen sie übrigens nicht schreiben. Das übernimmt der neue Stromlieferant.

"Der Wechsel des Stromanbieters ist ganz ganz einfach. Das sind wirklich nur ein paar Klicks, das kann in fünf Minuten erledigt sein. In jedem Falle bekomm ich Strom, ich stehe nie ohne da. Der Wechsel ist wirklich einfach und wird von viel zu wenig Leuten genutzt."

Petra von Rhein, Verbraucherzentrale Bayern

Der zweite Tipp:

Der 15 Jahre alte Kühlschrank der Mustermanns ist ein wahrer Stromfresser. Neue Geräte sind um ein Vielfaches effizienter. Unter der Internetadresse www.verbraucherzentrale-Energieberatung.de haben sie rausgesucht, was das derzeit sparsamste Gerät ist. Allein mit einem neuen Kühlschrank hätten sie 50 Euro im Jahr übrig, die sie nicht für Strom ausgeben müssten..

Der zweite große Kostenfaktor bei den Mustermanns: der Gaspreis

2012 kommt es Dicke. Jeder siebte Gaslieferant hat laut dem Verbraucherportal Verivox dieses Jahr schon seine Preise erhöht. Und zwar um satte 6 bis 10 Prozent.

Für die Mustermanns bedeutet das: sie müssen über 80 Euro im Jahr mehr für Gas hinblättern. Einer der wesentlichen Gründe für die Kostenexplosion ist der hohe Ölpreis. Der Gaspreis ist daran gekoppelt. Die blaue Preiskurve für Heizöl zeigt seit zwei Jahren steil nach oben. Der Anstieg der braunen Kurve für Gas war dagegen bisher recht moderat.

Aber auch beim Gas können die Mustermanns noch Geld sparen.

Der erste Tipp:

Wie beim Strom ist es auch bei Gas inzwischen möglich, den Anbieter zu wechseln. Auch hier helfen Vergleichsportale. Und auch hier lassen sich in einem Durchschnittshaushalt bis zu 200 Euro pro Jahr einsparen. Und sollte es doch mal Ärger beim Lieferantenwechsel geben: Seit November 2011 gibt es die Schlichtungsstelle Energie. Die hilft, wenn sich der Anbieter zum Beispiel gegen die Kündigung wehrt.

Der zweite Tipp:

Wenn die Mustermanns die Wohnung verlassen braucht die Heizung nicht bollern.  Allein eine Raumtemperatur um ein Grad weniger spart Heizungskosten um sechs Prozent. Und weil Kraftstoff in den vergangen fünf Jahren auch um ein Drittel teurer geworden ist, lassen sie ihr Auto für Stadtfahrten stehen. Und tun was für ihre Gesundheit.