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Bürgerschaftliches Engagement Ehrenamtliche Helfer gesucht!

Sie helfen Schülern bei ihren Hausaufgaben, betreuen Jugendliche in Sportvereinen oder versorgen ältere Menschen – und das alles ehrenamtlich. Allein in Bayern sind 3,8 Millionen Bürger freiwillig engagiert. Doch Nachwuchs zu finden ist nicht einfach. Eine Bilanz zum Ende des europäischen Freiwilligenjahres.

Autor: Melanie Roth Stand: 13.12.2011
Ehrenamt-Banner | Bild: picture-alliance/dpa

Michael Wagensonner und Michael Schmidbauer waren im September die ersten, die bei den Maltesern in Gräfelfing angefangen haben:

Nicht als Zivis, sondern als Bundesfreiwillige im Fahrdienst. Heute helfen sie Wolfgang Krosta die Treppen hinunter. Ohne Hilfe kann er die Wohnung nicht mehr verlassen.

Berührungsängste hat Michael Schmidbauer keine, sondern sieht den Bundesfreiwilligendienst als sinnvolle Überbrückung - bis zu seiner Berufswahl.

"Man merkt jeden Tag wie gut es einem selber geht…Wie gut es einem selber geht. Wie schwer die es haben."

Michael Schmidbauer, Bundesfreiwilliger

Als im Juni die letzten Zivis aufhörten, hatte sich noch kein einziger Bundesfreiwilliger gemeldet. Und so mussten die Malteser den Sommer mit 400-Euro Kräften überbrücken.

Mittlerweile haben sich genügend Bundesfreiwillige gefunden. Die können aber auch kündigen.

"Das schwierige an der Planung für den Bufdi ist, dass man nicht weiß wie es nächstes Jahr aussehen wird… Dieses Jahr doppelten Abi Jahrgang…Wir wissen einfach nicht, wann kommen Bewerber auf uns zukommen."

Martin Feda, Fahrdienst MALTESER Hilfsdienst

Es war ein holpriger Start im Sommer. Doch seit dem Herbst wird der Bundesfreiwilligendienst gut angenommen. Manche Organisation hat sogar schon einen Aufnahmestopp verhängt, weil sie keine Seminare mehr anbieten kann - wie zum Beispiel der Caritasverband München-Freising.

In deren Hort in Unterschleißheim ist Claudia Spieler die erste Bundesfreiwillige. Sie hilft bei der Betreuung von 150 Kindern. Obwohl sich auch Ältere für den Dienst verpflichten können, sind zwei Drittel der Freiwilligen nach wie vor zwischen 18 und 20 Jahre alt, ein Drittel sind mittlerweile Frauen. 

"Hab früher schon Praktikum gemacht…und wollte nochmal was mit Kindern machen."

Claudia Spieler, Bundesfreiwillige

Nicht nur Bundesfreiwillige sind eine wichtige Stütze für die Gesellschaft. Vor allem Ehrenamtliche sorgen dafür, dass vieles am Laufen bleibt. In Bayern engagieren sich derzeit rund 3,8 Millionen Frauen und Männer ehrenamtlich.

Wie Neda Ghotbi.

Eine Stunde in der Woche wird die 21- jährige zur Theaterdramaturgin. Und zwar Im Clubhaus Schwalbennest. Die Einrichtung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hilft seit 25 Jahren Psychisch Kranken bei der Rückkehr in ein normales Leben.

Nicht nur für die Mitglieder eine willkommene Abwechslung.

"Man kann seinen Alltag  damit planen, das geht. Wenn man sich vorstellt es gäbe mehr ehrenamtliche, dann gäbe es mehr schöne Angebote…oder sogar drauf angewiesen sind."

Neda Ghotbi, Ehrenamtliche

Nebenan gibt Werner Grimm einen Computerkurs. Auch das ehrenamtlich – seit zwei Jahren. Nur durch einen Zufall wurde er auf das Clubhaus aufmerksam.

"Musste Inneren Schweinehund überwinden…Wie genau wusste ich aber nicht."

Werner Grimm, Ehrenamtlicher

Doch Zufälle wie diese ergeben sich nicht jeden Tag. In vielen Bereichen werden händeringend Freiwillige gesucht.

„Doogood“  heißt eine neue Internetplattform, die verspricht Helfernotstände in sozialen Organisationen zu beenden. Auch wenn die dafür Mitgliedsbeiträge zahlen müssen.

Doogood will ehrenamtliche Helfer übers Internet vermitteln - ähnlich einer klassischen Partnerbörse füllen beide Seiten ein Suchprofil aus. Der Ehrenamtliche wird dann automatisch mit der passenden Tätigkeit zusammengebracht. Wie zum Beispiel einer Hausaufgabenbetreuung.

Das Start up aus München-Oberhaching ist erst seit wenigen Tagen online. Und die Gründer haben noch Großes vor.

"Wir sehen Ehrenamt als ein seriöses Konstrukt. Aber wir brauchen mehr Hilfe. Wir denken, dass die Milliardensummen die durch Ehrenamt geleistet werden, da muss es endlich einer Anerkennung Bedarf"

Jeanine von Stehlik, Gründerin doogood.org

Die Idee ist zwar nicht neu, aber es kommt noch etwas dazu: Ihre ehrenamtlichen Stunden können Freiwillige - ähnlich wie bei miles & more - in attraktive Sachprämien eintauschen

für 100 Punkte - also Stunden -  gibt es einen Fernseher

für 148 Punkte ein IPHONE.

Die "Prämien" werden von der Wirtschaft gestiftet.

Doch sind Prämien wirklich die richtige Anerkennung für Ehrenamtliche? Manche befürchten eine Kommerzialisierung des Engagements.

"Anerkennungskultur hat nicht mit Geld zu tun. Sondern mit vielen Dingen, die Bereitschaft unterstützen. Wir schenken Zeit und bekommen dafür eine Anerkennung."

Thomas Röbke, Landesnetzwerk bürgerschaftliches Engagement

Die ist umso wichtiger, weil in Zukunft noch viel mehr Ehrenamtliche gebraucht werden. Doch auch die Organisationen sollten umdenken und Aufgaben schaffen, die jeder in seinem Tagesablauf unterbringen kann.