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Ausbildung Mit Crashkursen gegen den Pflegenotstand

Nach langem Tauziehen hatte sich die Koalition Ende letzten Jahres auf die bessere Versorgung von Demenzkranken geeinigt, doch wann die Reform Gesetz wird, ist ungewiss. Sicher ist jedoch, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren steigen wird und mit ihr auch der Bedarf an Pflegekräften. Um den drohenden Pflegenotstand abzuwenden, behelfen sich viele Arbeitgeber mit Quereinsteigern. Doch die Ausbildungswege sind unübersichtlich.

Autor: Isabella Kroth Stand: 19.01.2012

Es ist eine tickende Zeitbombe: Die Gesellschaft altert, doch in der Pflege fehlen Fachkräfte. Das Image in der Altenpflege ist schlecht, deshalb fehlt der Nachwuchs - rund 200.000 Altenpfleger in den nächsten Jahren – nach vorsichtigen Schätzungen. Wer soll die Lücke schließen?

"Wir sehen seit Jahren, dass ein steigender Pflegebedarf auf uns zukommt und wir sehen seit Jahren dass wir die Fachkräfte, die wir bekommen nicht im Beruf halten können. Wir haben auch seit Jahren die Antwort der Politik, dass man versucht, diese Lücke zu schließen durch Menschen die am Arbeitsmarkt verfügbar sind Da muss man sich fragen: Warum sind sie verfügbar? Weil sie bislang anderweitig nicht vermittelt werden können."

Constanze Giese, Katholische Stiftungsfachhochschule München

Für solche Quereinsteiger existiert in Deutschland ein riesiges Kurzausbildungsangebot im Bereich Altenpflege – teils staatlich gefördert durch die Agentur für Arbeit.

So eine Ausbildung gemacht hat Angelika Jofer. In nur zwei Wochen hat sie sich bei den Maltesern zur Schwesternhelferin ausbilden lassen.                    

"Ich hab selbst ein behindertes Kind daheim und bin in der Pflege tätig. Ich hab einen sehr guten Zugang zu den Menschen hier. Ich kann mich in deren Vergangenheit zurückversetzen. Mir macht das Freude und deshalb bin ich mit dem Herzen dabei."

Angelika Jofer, Schwesternhelferin

Es klingt zunächst einfach: 120 Stunden Theorie und 80 Stunden Praxis  - aber nach ihrer Ausbildung ist Angelika Jofer noch lange keine Fachkraft:

"Der Beruf Altenpfleger ist geschützt. Und wirklich nur, wer eine Ausbildung gemacht hat in diesem Bereich, darf sich auch Altenpfleger oder Altenpflegerin nennen. Das ist teilweise aber gar nicht bekannt. Viele gehen mit Titeln auf den Markt, die nicht geschützt sind und die mehr versprechen als sie halten können."

Marliese Biederbeck, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)

Als Schwesternhelferin hat Angelika Jofer die Grundpflege gelernt: waschen etwa, kämmen, anziehen. Verbände wechseln, Spritzen oder Tabletten geben darf sie nicht; das ist Aufgabe der examinierten Altenpfleger.

Die Unterschiede in der Ausbildung sind groß: Eine voll ausgebildete Altenpflegerin hat 3 Jahre lang gelernt. Sie verdient bis zu 2600 Euro monatlich.

Voraussetzung ist der erweiterte Hauptschulabschluss – In vielen EU-Ländern sogar das Abitur.

Ebenfalls zu einem staatlich anerkannten Berufsabschluss führt die Ausbildung zum Pflegeassistenten. Sie dauert 2 Jahre, in Bayern – ein Sonderfall – nur ein Jahr.

Ganz anders die Kurzausbildung: sie dauert nur wenige Wochen oder Monate. Der Verdienst ist gering – zwischen 1300 und 1700 Euro monatlich. Der Hauptschulabschluss ist gar nicht einmal immer nötig.

Die Schwesternhelferin ist längst nicht die einzige Möglichkeit um in die Altenpflege einzusteigen. Am Markt existiert eine Vielzahl an Kurzausbildungen. Der Markt boomt.

Die vielen unterschiedlichen Begriffe bei den Ausbildungen ohne Berufsabschluss verwirren. Letztendlich blicken nicht einmal mehr Experten durch, wer letztendlich für was ausgebildet wurde.

Dass in den Heimen nicht immer so genau hingeschaut wird, wer eigentlich was und wie viel gelernt hat, erzählen uns diese Berufsschüler. Quereinsteiger laufen Gefahr ausgenutzt zu werden. Schon vor ihrer Berufsausbildung musste diese junge Frau für wenig Geld zu viel leisten.

"Ich hab vorher schon 5 Jahre in der Pflege gearbeitet als ungelernte Kraft und jetzt mach‘ ich die Ausbildung, damit ich irgendwann einmal mehr Geld bekomme, aber muss das Gleiche leisten wie ich zuvor gemacht habe."

Sofia Parharidou, Bildungszentrum für Pflegeberufe Nürnberg

Auf komplexe Pflegesituationen sind Kurzausgebildete nicht gut genug vorbereitet. Angelika Jofer wird deshalb von den examinierten Altenpflegern unterstützt. Wer jedoch bei der Arbeit allein gelassen wird, bei dem besteht die Gefahr, dass er sich zu viel zumutet:

"Das Problem ist, dass wenn jemand eine Ausbildung hat, dann auch meint, dass er mit dieser Ausbildung auch viele Aufgaben übernehmen kann, für die er aber eigentlich nicht qualifiziert ist. Wir haben diese dreijährige ausgebildeten Fachkräfte in der Pflege und hier ist ganz klar festgelegt, welche Aufgaben diese Fachkräfte übernehmen dürfen."

Marliese Biederbeck, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)

Wer sich für eine staatlich anerkannte Berufsausbildung entscheidet, lernt den komplexen Aufgabenbereich in der Altenpflege kennen – genau wie die eigenen Kräfte und Fähigkeiten richtig einzuschätzen.

Angelika Jofer hat Gefallen an der Arbeit mit Senioren gefunden. Sie will langfristig in der Pflege bleiben und die staatlich anerkannte Berufsausbildung berufsbegleitend nachholen – weil sie in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen und auch einmal mehr Geld verdienen will.