Bayerisches Fernsehen - Geld & Leben

Ärzte im Netz Immer mehr Jugendliche suchen online nach Rat

Kinder- und Jugendärzte sind wichtige Ansprechpartner für Eltern und Kinder, doch je älter Jugendliche werden, desto schwerer tun sich Ärzte, diese zu erreichen. Um die medizinische Prävention zu verbessern, gehen sie jetzt neue Wege und stoßen dabei auch auf das Interesse von Jugendlichen.

Autor: Cornelia Benne Stand: 02.02.2012
Online Portal | Bild: picture-alliance/dpa

Über 90% der Kinder in Deutschland kommen in den ersten Lebensjahren regelmäßig zur Vorsorge in die Kinder- und Jugendarztpraxen: bis zur U9 für Kinder mit 5 Jahren. Danach sind Vorsorgeuntersuchungen für viele Kinder und Jugendliche kein Thema mehr.  

"Also man sieht schon nach der Einschulung mit 6 oder 7 wird es weniger, inzwischen haben wir aber zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen die U10-11 und Untersuchung für die Jugendlichen, die J1 und die J2, weil wir eben wissen, es ist nicht so, dass Jugendliche nicht mehr krank sind, das stimmt eben nicht."

Dr. Bernd Simon, Kinder- und Jugendarzt, München

Nur jeder 5. Jugendliche in Bayern kommt zur Vorsorgeuntersuchung J1, dabei nehmen die gesundheitlichen Probleme zu! Akne, Essstörungen wie Magersucht, oder das andere Extrem: Übergewicht. Erste Haltungsschäden in der Wachstums-Phase, und das Thema Alkohol, Rauchen und Sucht. Viel Zeit wird vor dem Computer verbracht. Jeder 4. Jugendliche in Bayern hat oder hatte psychische Probleme!

"All die sind dann in der Summe zusammen so, dass man schon sagen kann gut 20% der Jugendlichen haben auch richtig, echte behandlungsbedürftige Befunde und Krankheiten."

Dr. Bernd Simon, Kinder- und Jugendarzt, München

Mittwoch nachmittags ist in dieser Praxis Jugendsprechstunde, für die „älteren“ Patienten, die schon zur Schule gehen. Bei dem 14-jährigen Daniel steht heute die Jugendvorsorgeuntersuchung J 1 an, die von allen Kassen bezahlt wird. Vom Praxispersonal wurde er gezielt dazu eigeladen.

Daniel wird heute von Kopf bis Fuß durchgecheckt: Sehtest, Hörtest, Größe, Gewicht, der Arzt schaut nach, ob Haltungsschäden vorliegen und kontrolliert die Blutwerte. Außerdem ist bei der J 1 viel Zeit, um sich eingehend über Schule, Freundschaften und das allgemeine Befinden zu unterhalten. 

"Außer dem persönlichen Gespräch, wie geht’s dir und hast du Probleme und so weiter, wo ehrlich gesagt nie so viel dabei rauskommt. Gibt es noch wunderbare Fragebögen, die sehr ins Detail gehen und man staunt, wie offen die Jugendlichen oder älteren Kinder wie offen die über sich berichten. Also wirklich, da wird alles erzählt, wirklich alles."

Dr. Bernd Simon, Kinder- und Jugendarzt, München

Die Jugendlichen, die tatsächlich zur Vorsorge kommen, werden also gut und intensiv betreut. Aber den Großteil der 10 bis 18-jährigen erreicht das Angebot gar nicht! Darum versucht der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, über das Internet auf der Seite „Facebook“ an diese Zielgruppe heranzukommen – mit Erfolg! 30 bis 40 anonyme Fragen stellen die Jugendlichen pro Tag – oft nach dem Gewicht oder dem Körperbau, aber auch sehr viel intimere Dinge. Dr. Bernd Simon und seine Kollegen ermutigen die Jugendlichen häufig, mit ihrem Problem zu einem Kinder- und Jugendarzt zu gehen. Das wäre vielen nie in den Sinn gekommen!

"Das sind schon die, die nie zum Arzt gehen, und die sich das überhaupt nicht vorstellen können, dass ein Arzt da Hilfestellung geben kann. Und ich glaube, wir sind dafür da, dass wir gewisse Bildungslücken aufzustöbern und schließen."

Dr. Bernd Simon, Kinder- und Jugendarzt, München

Impfungen, gesunde Ernährung, die Gefahren vom Rauchen und von Drogen sowie alles rund ums Thema Sexualität - weil die Ratschläge von den Jugendlichen gut angenommen werden wollen Dr. Bernd Simon und seine Kollegen auch weiterhin auf Facebook zur Verfügung stehen.