Bayerisches Fernsehen - freizeit

freizeit geheimnisvoll Schmidt Max in der Unterwelt

Kirchen, Krankenhäuser, Kanzlersitz – Ausflugsziele gibt es jede Menge, und manche sogar im Untergrund. Ahrweiler in der Eifel, 100 Meter unter der Erde war vor 50 Jahren der geheimste Ort der Republik – der ehemalige Kanzlerbunker.

Stand: 16.11.2011

Dienststelle a.D.

1960 – in zwei ausrangierte Eisenbahntunnels im Ahrtal baut Bonn eine unterirdische Stadt. Im Fall eines atomaren Angriffs sollen hier die Regierung und ein Stab der "3000 oberen Verfassungsorgane" 30 Tage überleben und weiterregieren.
1972 – 17,3 Kilometer lang sind die Wege im Bunker, sie verbinden 897 Büros, 936 Schlafräume, 5 Kantinen, eine Zahnarztpraxis, eine Krankenstation – und einen Friseursalon. Alle zwei Jahre wird der Ernstfall geprobt, Kanzler und Präsident lassen sich durch Beamte vertreten.

„Ab hier Museum, bitte nichts verändern“

2008 – der einstige Regierungsbunker öffnet seine atomwaffensicheren Pforten für die Öffentlichkeit. Auf 203 Metern kann jeder sehen, wie sich die deutsche Regierung auf einen Atomkrieg vorbereitet hatte. Eine knallpinke Sprühschrift an der Wand markiert den Museumsbereich.

Seine Reise durch die Unterwelt führt den Schmidt Max von Rheinland-Pfalz nach Bayern. Wieder geht es um Relikte des Kalten Krieges. Gunzenhausen 2009 – oben eine ganz normale Schule, unten ein bombensicheres Hilfskrankenhaus. 220 Hilfskrankenhäuser für den atomaren Notfall werden Anfang der 60er Jahre in der ganzen Republik gebaut, der Prototyp entsteht in Gunzenhausen: vollständig unter der Erde, von der Außenluft unabhängig. 430 Patienten sollten hier 14 Tage überleben können. 40 Jahre später sind die Hilfskrankenhäuser geräumt, das Material verschenkt. Nur in den Regalen in Gunzenhausen lagern noch immer Babyschnuller und OP-Besteck, Kittel und Arztschuhe, Bettwäsche und Handtücher. Alles original verpackt...

Rätsel im Untergrund

Am Ende  seiner "unterirdischen" Reise verfolgt der Schmidt Max die Spuren eines mystischen Phänomens. Zusammen mit Dieter Ahlborn kriecht er durch geheimnisvolle Stollen und labyrinthische Gänge – so genannte Erdställe. Wer sie gebaut hat und wozu, weiß niemand. Erdställe sind eines der letzten großen Rätsel. Und Erdstallforscher wie Dieter Ahlborn suchen nach Antworten. Über 700 unterirdische Tunnelanlagen durchziehen ganz Bayern, oft unter Kirchen oder alten Siedlungen. Ausgehoben wurden sie wahrscheinlich im Mittelalter, über ihre Bedeutung streiten Forscher noch heute. Die einen halten sie für Zufluchts-, die anderen für Kultstätten. Die Suche nach Erdställen und Antworten geht wohl weiter...

Nürnberg unterirdisch

Unter dem Burgberg verbirgt sich das größte Geheimnis der Stadt: in sechs Metern Tiefe sickert Wasser durch den Sandstein – Im Mittelalter der größte Schatz. Sollte der Feind die Brunnen vergiften, floss hier die Rettung. Wann die Lochwasserleitung tief unter Nürnberg in den Fels gehauen wurde, weiß niemand. Das erste Mal erwähnt wird sie im 14. Jahrhundert. Heute kann jeder durch die Wasserleitung spazieren – der Förderverein Nürnberger Felsengänge bietet regelmäßig Führungen an.

weiterführende Informationen

Regierungsbunker Ahrweiler
02641 – 911 70 53
Von November bis März Führungen nur auf Anfrage
Hilfskrankenhaus Gunzenhausen
info@fraenkischeseen.de
Erdställe
www.erdstall.de
Jeden letzten Donnerstag im Monat ist Stammtisch. Der Arbeitskreis Erdstallforschung trifft sich ab 20 Uhr in München-Ramersdorf im Gasthof "Alter Wirt".
Ausstellung
"Erdställe - rätselhafte unterirdische Anlagen"
Ab April 2012 in Kehlheim
Lochwasserleitung Nürnberg
www.felsengaenge-nuernberg.de
In den Wintermonaten nur angemeldete Führungen. Ab 1. April wieder tägliche Führungen um 15.30 Uhr