Von Vergoldern und Blechmachern Schmidt Max auf königlichen Spuren
Für seine Weihnachtseinkäufe hat sich der Schmidt Max dieses Jahr etwas Besonderes überlegt - er begibt sich auf die Spuren königlicher Handwerker. Doch wie wurde man eigentlich Hoflieferant bei König Ludwig?
Erste Anregungen holt er sich im Schloss Herrenchiemsee, wo all die glitzernden, spiegelnden, vergoldeten Kunstwerke stehen, die der bayerische Regent bei heimischen Handwerkern in Auftrag gab. Mit auf seinen Einkaufsbummel nimmt der Max Marita Krauss, Professorin für Bayerische Landesgeschichte an der Universität Augsburg. Eine echte Expertin in Sachen Hoflieferanten.
Des Königs Handwerker
Den ersten Hoflieferantentitel verlieh bereits Ludwig I.. Bei ihm Hoflieferant zu werden, weiß Professorin Krauss, war keine so einfache Sache. Nur wer hervorragend auf seinem Gebiet war, konnte sich überhaupt bewerben. Außerdem erwartete der König von ihm einen tadellosen Charakter, Königstreue und "Gewandgeschicklichkeit", was soviel hieß wie: einen guten Auftritt im richtigen Gewand. Und dann kostete der Titel auch eine Kleinigkeit. Aber er brachte dem Handwerker auch wieder viele neue Kunden. Außer den Bierbrauern konnte jeder Hoflieferant werden: Blumenmacher, Buchbinder, Konditoren, Glaser, Angelbauer, Messerschmiede, Uhrmacher, Vergolder, Handschuhmacher, Schreiner, Seidenfabrikanten, Sticker, Tapetenfabrikanten, Juweliere...Eine Handvoll dieser Betriebe hat zwei Kriege überstanden und es bis in unsere Zeit geschafft.
Ein königliches Viertel
Sein Einkaufsbummel auf den Spuren Ludwig II. führt den Max in das Viertel zwischen Residenz und Marienplatz in München, das so genannte Hoflieferanten-Viertel. Hier haben einstmals königlich bayerische Hoflieferanten Delikatessen, Schuhe oder Möbel vertrieben, und tun es heute noch. Im Schuhgeschäft von Eduard Meier hat der Max schon einmal das richtige Schuheputzen gelernt. Im Radspielerhaus in der Hackenstraße wird zwar nicht mehr vergoldet, sondern edle Stoffe und Mode verkauft. Die Schreinerei wird aber immer noch betrieben – etwas außerhalb von München. Der ehemalige Hofschlosser Moradelli produziert heute in Kirchheim Lochbleche. Bei Beck, dem früheren Hofposamentierer, haben Mode und Musik Schnüre und Lizen ersetzt. Zigarren gibt es immer noch bei Zechbauer und die betuchte Dame ging zu Roeckl, um viermal am Tag die Handschuhe wechseln zu können. Heute sind vor allem Langlauf-Handschuhe das Markenzeichen. Bei Dallmayr kauft man auch heute noch gerne ein – wenn auch Schnepfen und Schildkröten wie bei Ludwig II. nicht mehr auf dem Speisezettel stehen.
Alte Schätze
Das Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösserverwaltung in Schloss Nymphenburg ist so etwas wie ein Refugium für fast ausgestorbene Berufe, Gürtler etwa oder Vergolder. Hier gibt’s zwar nichts zu kaufen, dafür umso mehr zu sehen. Denn in den Werkstätten rund um das Schloss werden die alten Schätze der bayerischen Könige wieder aufgemöbelt - von 25 Restauratoren und 20 Handwerkern.
Am Ende seines Bummels hat der Max noch kein Geschenk, aber er weiß jetzt, wer der erste königlich bayerische Hoflieferant war - kein Bayer, sondern ein Mann aus Köln. König Ludwig I. verlieh diesen Titel 1839 Joseph Anton Farina, dem Destillateur des Kölnisch Wasser.
weitere Informationen
Alles zu den Königsschlössern sowie der Restaurierungswerkstatt erfahren Sie unter www.schloesser.bayern.de
Alles zu den Hoflieferanten lesen Sie bei
Marita Krauss
Die königlich bayerischen Hoflieferanten
erschienen im Volk Verlag
39,90 Euro

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