Frankenschau Aktuell

Rechtsextremismus Braune Hochburg Franken?

In Franken sind Neonazis traditionell besonders stark vertreten. Wie militant und unverbesserlich sie agieren, zeigen etliche Beispiele führender fränkischer Neonazis.

Stand: 02.12.2011
Neonazis von hinten (Archivfoto) | Bild: picture-alliance/dpa

Seit Jahren ist die fränkische Neonazi-Szene äußerst aktiv. Ihre Schlüsselfiguren sind allesamt einschlägig vorbestraft.

Matthias Fischer: der radikale Netzwerker

20 Monate saß der Fürther Neonazi Matthias Fischer zuletzt im Gefängnis, verurteilt wegen Volksverhetzung. Im September wurde er entlassen, doch die Haft hat an seiner Gesinnung nichts geändert, wie auf einschlägigen Internetseiten nachzulesen ist. Immer wieder trat der gelernte Maler und Lackierer in der Vergangenheit als treibende Kraft der fränkischen Neonazi-Szene in Erscheinung. Er gilt als Führungsfigur des "Freien Netzes Süd", einem Zusammenschluss von Rechtsextremisten aus dem süddeutschen Raum. Der Mitbegründer der seit 2004 verbotenen "Fränkischen Aktionsfront" wurde bereits mehrfach wegen einschlägiger politischer Straftaten verurteilt.

Karl-Heinz Hoffmann: der militante Altnazi

Karl-Heinz Hoffmann war in den 1970er-Jahren einer der aktivsten deutschen Rechtsextremisten. 1980 wurden in Erlangen der jüdische Verleger Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin Frieda Poeschke von einem Mitglied der "Wehrsportgruppe Hoffmann" erschossen. Hoffmann selbst geriet unter Verdacht, der Auftraggeber gewesen zu sein, das konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Im selben Jahr wurde die "Wehrsportgruppe Hoffmann" verboten. Seitdem ist ihr Gründer weitgehend auf sich allein gestellt, hält aber Kontakt zur NPD. Er hat Wohnsitze im oberfränkischen Ermreuth und in Thüringen. In unregelmäßigen Abständen tritt er als Gastredner bei Rechtsextremen auf.

Gerhard Ittner: der flüchtige Holocaust-Leugner

In Zirndorf (Lkr. Fürth) sorgte Gerhard Ittner mit seiner rechtsextremen Einstellung mehrfach für Schlagzeilen. 2005 stand er zum wiederholten Mal vor Gericht, unter anderem weil er den Holocaust geleugnet hatte. Im Prozess drohte er der Staatsanwältin mit der Todesstrafe wegen "Hochverrats", wie er es nannte. Anschließend tauchte er unter und wird seitdem mit Haftbefehl gesucht. Von Ittner fehle weiterhin jede Spur, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Anfang Dezember auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion. Der Haftbefehl gegen den Neonazi sei noch bis 2014 gültig.