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Wir Menschen machen die Erde kaputt Kann ich die Welt davor retten?

Vor genau 20 Jahren wurde die "Agenda 21" ins Leben gerufen. Das entwicklungs- und umweltpolitische Aktionsbündnis mahnt seither zum nachhaltigen Leben. Genau das versucht Familie Mohr aus München - und lebt klimabewusst. Reicht das, um die Welt zu retten?

Stand: 26.06.2012

Ein Film von Christian Friedl

Nein, sagt die Journalistin Kathrin Hartmann. Als Einzelner könne man im Alltag kaum etwas ausrichten. Selbst in Bio-Supermärkten kann man häufig daneben greifen. Die Journalistin Kathrin Hartmann kritisiert beispielsweise, dass auch dort der Plastik-Verpackungswahn, Palmfett und Tiefkühlpizza zu finden sind. Also Dinge, bei deren Herstellung viel CO2 verbraucht wird.

Der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker hingegen ist überzeugt davon, dass Familie Moor ihren CO2-Bedarf halbieren kann - und so ein kleines Stück zur Rettung der Welt beiträgt. Allerdings: Die Politik und Forschung könne noch viel mehr. Wenn sie sich ehrlich bemüht, nachhaltig zu planen, so könnten die CO2-Emissionen hier sogar auf ein Fünftel reduziert werden, so Weizsäcker. Generell sind sich auch Experten nicht einig, ob Einzelpersonen durch ihr Verhalten überhaupt Einfluss auf das Weltklima nehmen können.

Vier Meinungen, wie wir die Welt retten können:

Mohr

Familie Mohr aus München will nach eigenen Angaben "ökologisch leben mit einem möglichst geringen CO2-Fußabdruck" und setzt auf dieses Konzept:

"Wir haben drei Dinge, die wir da in den Vordergrund stellen: Das ist einmal unser Haus, dass wir möglichst wenig Energie verbrauchen, gesunde Ernährung, und dass wir nicht so häufig mit dem Auto fahren. Das heißt aber nicht, dass wir fanatisch sind: Wenn wir zum Einkaufen fahren mit allen Kindern, dann nehmen wir doch das Auto. Das heißt, wir leben ökologisch und verzichten auch gerne, aber wir vergessen den Genuss nicht."

Hartmann

Die Journalistin und Buchautorin Kathrin Hartmann kritisiert den Trend Einzelner zu einem vermeintlich nachhaltigen Lebensstil:

"Ich glaube nicht, dass man als Einzelner durch seinen geänderten Lebensstil die Welt verändern können wird. Aber ich glaube, wir können das alle gemeinsam tun: Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft, wir können die Politik dazu zwingen, Gesetze und Regulierungen auf den Weg zu bringen, die ein tatsächliches nachhaltiges Leben ermöglichen - ohne dass wir im Einzelnen permanent darüber nachdenken müssen, ob wir gerade das Richtige oder das Falsche tun."

Weizsäcker

Der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker ist der Meinung, dass sich die Gesellschaft immer wieder in technologischen Schüben erneuern muss - auch jetzt, aufgrund des Klimawandels. Entwicklungen wie die Eisenbahn sind kein Werk Einzelner, sondern immer wieder eine gesellschaftliche Anstrengung:

"Ich wäre begeistert gewesen über diese Stahlindustrie, was die alles geschafft hat, zum Beispiel die Eisenbahn, die war plötzlich da, man konnte große Stahlgerüste machen, Brücken, wunderbare Brücken, und die Postkutsche hatte ein bisschen ausgedient. Und so hat sich in verschiedenen Wellen die Technologie immer weiter entwickelt. Wenn man diese Sorte von technologischen Wellen einfach fortsetzt, aber mit immer mehr Naturverbrauch, dann ist die Erde plötzlich kaputt. Vor allem mit sieben Milliarden und eines Tages neun Milliarden Menschen. Damals im 19. Jahrhundert waren es eine Milliarde Menschen. Da hatten wir Platz für alle diese Dinosauriertechnologien. Heute haben wir den Platz nicht mehr, der nächste Zyklus, die nächste Welle, muss ökologisch sein, muss grün sein, muss sehr viel eleganter sein - aber nicht weniger begeisternd."

Schweisfurth

Unternehmer und Biobauer Karl Ludwig Schweisfurth plädiert beim Fleischverzehr auf Klasse statt Masse. Immerhin erzeugen Milchprodukte und Fleisch zusammengenommen zwei Drittel des Klimagases im Ernährungssektor:

"Fleisch ist nicht von sich aus schlecht, nur wie wir heute damit umgehen, und wie wir heute Fleisch in Massen produzieren. Fleisch ist etwas so Kostbares und so Wertvolles, dass es nicht jeden Tag auf der Mitte des Tellers liegen soll, sondern ab und zu und in kleinen Portionen. Lieber halb so viel, aber dafür doppelt so gut."

Jeder kann die Welt retten - aber nicht alleine

Solarsiedlung in Freiburg

Zwar kann man schon im eigenen Leben anfangen, klimafreundlich zu leben zum Beispiel, indem man Strom spart oder das Auto öfter stehen lässt. Immerhin fahren Autofahrer bei jeder zweiten Autofahrt in Deutschland nur fünf Kilometer - und sitzen meist alleine im Auto. Das reicht jedoch nicht, um den CO2-Austoss auf der Welt nachhaltig zu reduzieren.

Einen Schritt weiter ist man in Freiburg: Ganze Stadtteile bestehen inzwischen aus Niedrigenergie- und Passivhäusern. Derzeit wird zudem das zweite Hochhaus in der Stadt saniert und zum Passivhochhaus umgerüstet. Eine Entwicklung, die Freiburger Bürger angestoßen haben. Sie haben sich zu Baugruppen zusammengeschlosse und wurden von der Stadt ernst genommen:

"Die Stadt war so weise, uns als Partner zu akzeptieren - fast auf Augenhöhe. Es ist uns ein Stück weit gelungen, die Spaltung zu überwinden, die wir sonst wahrnehmen zwischen dem Einzelnen, der ja doch nichts tun kann und dem Staat, der letzten Endes alles dirigiert."

Andreas Delleske, Energieberater

Neben energiesparendem Wohnen ist auch das Thema Verkehr für die Entwicklung des Weltklimas entscheidend. Diesem Thema hat sich die Technische Universität in München angenommen. Hier arbeiten 20 Lehrstühle unter der Federführung von Markus Lienkamp an einem Elektro-Auto. Die Forscher wollen aber nicht nur ein neues Auto entwickeln, sondern den Umstieg in eine neue Mobilität, bei der verschiedene Fahrzeuge und Verkehrsträger genutzt werden - und Autos bei Bedarf vielleicht einmal wie Taxis per Funk geordert werden können.

Zusammenarbeit weltweit

Sonnen-Kraftwerk in Spanien

Das sind jedoch nur die ersten Schritte: In Zukunft könnte die Stromversorgung ganz Europas von Norwegen mit seinem riesigen Potential an Pumpspeicherkraftwerken bis nach Afrika reichen, in die Wüste, wo schon jetzt in Ägypten und Marokko Sonnen-Kraftwerke gebaut werden. Die nötigen Technologien gibt es schon, nun ist die Politik gefragt. Einzelpersonen können hier nichts ausrichten, wohl aber die Gesellschaft. Und zwar weltweit! Staaten und sogar Kontinente müssten zusammenarbeiten, damit wir die Welt retten können.

Beispiel: Obst-Anbau

Der Kohlenstoffdioxid-Verbrauch beim Anbau von Obst ist für Verbraucher wenig offensichtlich: Zwar gelten kurze Transportwege als besonders klimafreundlich, doch bei Obst ist der Kauf von saisonalen Produkten eigentlich wichtiger. So entstehen durch den Transport von deutschen Äpfeln zwar deutlich weniger Klimagase als durch den von Äpfeln aus Neuseeland. Trotzdem haben die ausländischen Äpfel eine günstigere Klimabilanz als deutsches Obst aus beheizten Treibhäusern. Dabei werden nämlich fünfmal so viele Klimagase erzeugt wie beim Transport von Neuseelandäpfeln.


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