Vorurteile Wie sie aus dem Hintergrund unser Leben bestimmen
Jeder hat Vorurteile: Wir saugen sie schon von Kindesbeinen an unbewusst aus unserer Umwelt auf. Doch was uns bei der Orientierung im Alltag hilft, kann uns auch schaden.
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Fakten der Woche
Keiner lässt sich gerne sagen, er habe Vorurteile. Dabei sind sie nützlich, weil man sich damit in einer komplexen Umwelt schneller orientieren kann, sagt Wirtschafts- und Sozialpsychologe Christian Fichter. Das beeinflusst aber nicht nur unseren Eindruck von fremden Menschen, sondern zum Beispiel auch unser Kaufverhalten im Supermarkt: Wir greifen schneller zum Markenprodukt als zum Nicht-Markenprodukt, das uns noch unbekannt ist.
In Stimmung
Je nachdem, ob wir positive oder negative Vorurteile hegen, sind wir Neuem gegenüber positiv oder negativ gestimmt. Während wir eine Person sympathisch finden, können wir eine andere nicht leiden - oder haben extremere Gefühle:
"Negative Vorurteile heißt: Ich werte eine andere Gruppe oder eine andere Person ab, weil sie Mitglied der Gruppe ist. Vorurteile können einfach oder emotional sein, zum Beispiel Antipathien. Sie können verallgemeinern zu Ideologien. Vorurteile neigen dazu, sich mit anderen Vorurteilen zu verbinden. Im schlimmsten Fall sind Vorurteile die Grundlage für Gewalt. Das heißt, ich schädige eine andere Person, weil ich ein Vorurteil gegenüber der Gruppe habe"
Andreas Zick, Institut für Konflikt- und Gewaltforschung, Universität Bielefeld
Auf- und abwerten
Während Kindergarten-Kinder noch spielerisch und unbewusst kategorisieren, können sich Vorurteile im Erwachsenenalter zu Stereotypen und Klischees verfestigen. Dann zeigt sich die Schattenseite des Vorurteils. Sie heißt Macht. Wer andere abwertet, wertet sich damit auf und will sich damit Einfluss und Macht verschaffen - vor allem unter Gleichgesinnten. Deshalb sagen Vorurteile mehr über die Person aus, die sie schürt, als über diejenige, gegen die sie sich richten.
"Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit"
Übt man Macht mit Vorurteilen aus, stehen diese für mehr als nur Meinungen - und hinterlassen tiefe Gräben in einer Gesellschaft: Sie bilden die Basis für die Abwertung ganzer Bevölkerungsgruppen, beispielsweise von Homosexuellen, Muslimen oder Frauen. "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" nennt das Andreas Zick vom Institut für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld.
Seit mehr als zehn Jahren untersucht der Wissenschaftler, welche Vorurteile es in Deutschland gibt und wie weit die "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" verbreitet ist. Vor drei Jahren hat er seine Studie auf acht europäische Länder ausgeweitet, darunter Deutschland, Polen, Italien und Frankreich. Zick kommt zu erschreckenden Ergebnissen: Die Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass Frauen weniger Rechte haben sollten als Männer. Etwa die Hälfte ist feindlich eingestellt gegenüber vermeintlichen "Fremden". Mehr als 50 Prozent der Teilnehmer halten den Islam für eine Quelle der Intoleranz und Gefahr.
Wer denkt da?
Doch können wir vielleicht gar nichts für unsere Vorurteile? Schließlich entstehen sie im Unterbewusstsein. Doch, können wir, denn unser Gehirn arbeitet mit zwei unterschiedlichen Systemen: einem schnellen, automatischen und unkontrollierbaren sowie einem langsameren, dem Bewusstsein zugänglichen, sagt Christian Fichter. Und da Menschen keine Tiere sind, können wir mehr als nur automatisch reagieren:
"Aufgrund unseres Bewusstseins, unserer Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Korrektur dessen, was wir automatisch hervorbringen, sind wir in der Lage, Vorurteile erfolgreich zu bekämpfen."
Christian Fichter, Wirtschafts- und Sozialpsychologe

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