Kälte aus der Sonne Grüne Klimaanlagen
Städte sind Energiefresser. Fabriken haben daran nur einen Anteil von sieben Prozent. Weitaus mehr Energie verbrauchen Privathäuser, Mietwohnungen und große Bürokomplexe. Wie lässt sich in Bürogebäuden Energie einsparen?
Ein Film von Christiane Streckfuß
Fakten der Woche
Bürogebäude sind besonders hungrige Zeitgenossen: Sie beherbergen technische Geräte, die viel Strom verbrauchen, sie wollen beheizt, belüftet und gekühlt werden. Die Herausforderung für Architekten und Ingenieure besteht nun darin, Systeme zu entwickeln, mit denen sie beim Heizen und Kühlen Energie einsparen und gleichzeitig regenerative Energien nutzen können. Und zwar so, dass sich die Menschen, die in den Gebäuden arbeiten, auch noch wohlfühlen.
Menschen wollen Fenster öffnen
Dafür ist ein konstantes Raumklima wichtig. Das mit erneuerbaren Energien zu schaffen, ist besonders schwierig. Und noch ein Problem gibt es bei modernen Heiz- und Kühlsystemen: den Menschen. Dürfen Mitarbeiter aus technischen Gründen keine Fenster öffnen und den Sonnenschutz den ganzen Tag nicht hochfahren, bewerten sie das Raumklima negativer: Dürfen Mitarbeiter aus technischen Gründen keine Fenster öffnen und den Sonnenschutz den ganzen Tag nicht hochfahren, bewerten sie das Raumklima negativer:
"Wir wissen, dass sich nahezu jeder Mensch im Sommer bei einer Raumlufttemperatur von 24 Grad wohl fühlt. Trotzdem beobachten wir, dass Büromitarbeiter ein Klima sehr schlecht beurteilen, wenn sie nicht die Möglichkeit haben, auf dieses Klima Einfluss zu nehmen. Andersrum ausgedrückt: Wenn wir die Möglichkeit haben, auf das Raumklima Einfluss zu nehmen, akzeptieren wir auch höhere Raumtemperaturen und eine schlechtere Raumluftqualität. Es ist also für uns als Nutzer ein ganz wichtiger Aspekt, wirksam auf mein Raumklima Einfluss nehmen zu können."
Professor Jens Pfafferott, Hochschule Offenburg
Unbewusst eingeschränkt
Haben Menschen das Gefühl, sich nach der Technik richten zu müssen, fühlen sie sich nicht wohl. Die Kunst ist, Büro-Systeme zu entwickeln, die Energie sparen, ohne dass sich Mitarbeiter eingeschränkt fühlen:
"Wir berücksichtigen heute bereits in der Planung das Nutzerverhalten und wir wissen, dass der Nutzer sich entsprechend einer statistischen Verteilung vernünftig verhält. […] Es geht jetzt darum, die Anlagen so zu dimensionieren, dass er damit reagieren kann. Natürlich treffen wir gerade bei effizienten Systemen an unsere Grenzen und dann geht es darum, das Nutzerverhalten einzuschränken, ohne dass der Nutzer es merkt."
Professor Jens Pfafferott, Hochschule Offenburg
Wie man in Bürogebäuden Energie spart
Geothermie
Geothermie hat sich als Energiequelle inzwischen etabliert. Fast jeder achte Neubau und jedes dritte neu errichtete Bürogebäude werden heute mit Erdwärme versorgt. Muss diese allerdings technisch sehr aufwändig angezapft werden, wird Geothermie als Energielieferant unrentabel. Außerdem kann dem Boden nur eine bestimmte Menge Erdwärme entzogen werden. Und besteht die Gefahr, dass das Grundwasser verunreinigt wird, darf Geothermie nicht eingesetzt werden.
Solare Eisspeicher
Der solare Eisspeicher kann überall genutzt werden, wo Platz ist. Im Winter kann er zum Heizen, im Sommer zum Kühlen eingesetzt werden. Ein Vorteil ist, dass zum Heizen auch die sogenannte Kristallisationswärme angezapft werden kann. Sie entsteht, wenn Wasser zu Eis gefriert. Durch diesen Vorgang reduziert sich allerdings die Effizienz des Eisspeichers, weil die eingebaute Wärmepumpe mehr Strom braucht. Es gibt keine geologischen Beschränkungen, der Speicher kann sogar in Wasserschutzgebieten gebaut werden.
Solare Kühlung
Mit einer solaren Kühlung lässt sich ein Gebäude heizen und kühlen. Die solare Kühlung arbeitet mit zusätzlichen Systemen wie beispielsweise Sonnenkollektoren und Kühlsegeln. Im Sommer wird Luft mit Hilfe einer wässrigen Salzlösung entfeuchtet und gekühlt. Im Winter läuft das System umgekehrt und wärmt Luft vor.
Klimahülle
Energie sparen kann man in Gebäuden auch durch eine Fassade vor der Fassade. Indem Luft in den Zwischenraum geblasen wird entsteht ein leichter Überdruck - ähnlich wie bei einem Fahrradschlauch, der mit einer Luftpumpe aufgeblasen wird. Dank des Überdrucks können die Mitarbeiter die Fenster öffnen, ohne dass im Winter Wärme verloren geht. Allerdings lassen sich die Fenster nicht ganz öffnen. Würden zu viele Mitarbeiter auf einmal ihr Büro lüften, würde der Druck in der Fassade sonst schlagartig abfallen.
Intelligent, aber gewöhnungsbedürftig
Technisch sind viele Klimasysteme, die mit erneuerbaren Energien arbeiten, bereits ausgereift. Wichtig ist, bei der Planung zu "schauen, wo bereits vor Ort Energie vorhanden ist, die normalerweise verloren geht", sagt der Berliner Architekt Tom Geister. Das sei ein ganz wesentlicher Faktor, den man in Zukunft bei der Planung beachten müsse. Genauso, wie die Bedürfnisse der Menschen in den energieeffizienten Räumen: Denn die brauchen Zeit, sich an die neuen Systeme zu gewöhnen. Schließlich reagieren viele dieser Systeme träger als herkömmliche Heizungen und Klimaanlagen. Außerdem kann es rund zwei Jahre dauern, bis sie richtig eingestellt sind.

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