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Hightech am Hang Wie Skifahren sicherer wird

Helm, Rückenprotektoren und in ein paar Jahren vielleicht Airbags: Die Schutz-Ausrüstung für Skifahrer wird immer umfangreicher. Wissenschaftler und Ski-Experten arbeiten daran, den immer schneller werdenden Skisport sicherer zu gestalten.

Stand: 18.01.2012

Ein Film von Katrin Focke und Max Ringsgwandl

Der Ansturm auf die Pisten ist enorm: In Ferienzeiten und an Feiertagen strömen bis zu 12.000 Skifahrer nach Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern. Die Skiwacht versucht, schon im Vorfeld gefährliche Stellen zu beseitigen und geht täglich auf Streife. Der Skisport hat sich stark verändert, sagt Andreas Lipf von der Skiwacht Garmisch.

"Es ist schneller geworden. Es wird beschneit, es ist immer flach, es gibt keine Buckel mehr wie früher. Früher hat es geschneit, dann waren mittags die Buckel da und jeder ist langsam gefahren. Heute ist alles den ganzen Tag brettleben - und man kann Gas geben."

Andreas Lipf, Skiwacht Garmisch

Unfallzahlen gehen zurück, …

Ein Ski-Helm schützt vor Kopfverletzungen.

Neben den wendigen Carving-Skiern hat sich inzwischen zwar auch der Ski-Helm durchgesetzt. Aber ist Skifahren dadurch sicherer geworden? Statistisch gesehen ja, sagt Gerhard Ruedl von der Universität Innsbruck. Der Sportwissenschaftler hat die Unfallzahlen der vergangenen Jahrzehnten untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass Skifahren in den vergangenen drei Jahrzehnten sicherer geworden ist: Während vor 30 Jahren noch sieben bis acht Verletzte pro Tausend Skitage verunglückten, gebe es heutzutage zwei Verletzte pro Tausend Skitage. 63 Prozent der Wintersportler auf österreichischen Pisten tragen inzwischen einen Helm, so Ruedl.

… aber täglicher Einsatz bleibt

Doch trotz technischem Fortschritt und gesunkenem Risiko muss die Skiwacht Garmisch fast täglich Verletzte versorgen. In der vergangenen Saison rückten die Retter rund 600 Mal aus. Beim Skifahren kommt es meist zu Verletzungen an den Knien, den Schultern und dem Kopf. Letzterer ist zwar "nur" bei jedem zehnten Skiunfall betroffen, eine Verletzung kann aber besonders schwere Folgen haben.

Profis testen Prototypen

Ski-Prototypen im Test

Sportwissenschaftler der Universität Salzburg versuchen die Sicherheit im Profisport zu erhöhen. Drei Jahre lang untersuchen die Forscher im Auftrag des internationalen Skiverbandes FIS, wie das laut Sportwissenschaftler Erich Müller inzwischen "riesengroße Risiko" im Rennsport reduziert und der Profisport sicherer gemacht werden kann.

Wissenschaftler testen, welche Kräfte auf Skifahrer wirken.

Dazu werden unter anderem vier Ski-Prototypen und deren Eigenschaften beim Fahren getestet. Diese unterscheiden sich in Länge, Breite und Taillierung, was beispielsweise die Fahrlinie und die Schnelligkeit beeinflusst. Zwei Profi-Rennfahrer testen die Skier. Während der Fahrt messen Druckmesssohlen und ein GPS-System, welche Kräfte auf den Skifahrer wirken. Ergebnis: Die Läufe unterscheiden sich optisch nicht, aber die etwas längeren Skier mit einem größeren Radius erhöhen die Sicherheit beim Fahren. Die FIS will die Rennskier in der nächsten Saison entsprechend anpassen.

Ein Airbag für Skifahrer

Neben sichereren Skiern könnten zudem künftig Airbags Rennfahrer besser schützen. Der FIS entwickelt sie in Zusammenarbeit mit der italienischen Sportbekleidungsfirma Dainese. Grundlage für diese Neuentwicklung ist ein intelligentes Airbagsystem für Motorradfahrer, das seit drei Jahren bei Motorradrennen eingesetzt wird.

Der Airbag soll den Kopf, die Schultern und die Brust von Rennfahrern schützen. Noch tüfteln die Entwickler aber am schwierigen Auslösemechanismus des Airbags: In 45 Millisekunden muss gesteuert werden, ob und wann die Sicherung auslöst. Langfristig sollen sich auch Hobby-Skifahrer mit einem Airbag ausstatten können.

Die Risiko-Kompensations-Theorie

Kühtai-Panorama

Vertreter der Risiko-Kompensations-Theorie behaupten, dass bessere Ausrüstung das Verletzungsrisiko nicht verringert. Der Grund dafür ist, dass sich gut gerüstete Skifahrer so sicher fühlen, dass sie riskanter fahren. Der Schutzeffekt der Ausrüstung wird damit zunichte gemacht. Sportwissenschaftler Ruedl hat untersucht, ob Helmträger beim Skifahren wirklich ein größeres Risiko eingehen und kommt zu dem Schluss, dass "das Helmtragen nicht per se zu einer erhöhten Risikobereitschaft führt".

Sicher auf der Piste

Wird es dunkel auf der Piste, sind viele Skifahrer verunsichert.

Eine gute, gepflegte Ausrüstung ist ein guter Schutz vor Unfällen. Nicht zu unterschätzen ist aber auch vernünftiges Fahren, betonen Experten einhellig. Sie empfehlen Wintersportlern, vor dem Skifahren zu trainieren, auf der Piste langsam zu starten, die eigenen Kräfte nicht zu überschätzen und rechtzeitig den Heimweg anzutreten - bevor es Dunkel wird!