Massentierhaltung Ist sie wirklich so schlimm?
Hochgezüchtete, kranke Tiere und vollgestopfte Ställe haben die Massentierhaltung in Verruf gebracht. Sind die Zustände bei der konventionellen Tierzucht wirklich so schlimm und haben sie Einfluss auf den Menschen?
Ein Film von Andreas Kegel
Kann Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung für den Menschen gefährlich sein?
Ja. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht kann die Entstehung und Verbreitung von sogenannten multiresistenten Keimen fördern. Verbreitet werden die Keime beispielsweise über die Stallabluft. Oder sie kommen über den Hühnermist aufs Feld. Eine Studie des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalen kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als neunzig Prozent der Masthühnchen Antibiotika verabreicht bekommen. Das Robert Koch-Institut gibt an, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 15.000 Menschen an den gefährlichen Keimen sterben.
Kann Massentierhaltung tiergerechter werden?
Link-Tipps
Mehr zum neuen Tierschutzlabel und zum Tierschutz in Deutschland:
Ja. Zum Beispiel durch gute Luft im Stall, Tageslicht, Auslauf-, Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten (Sitzstangen, Picksteine, Strohballen) sowie getrennte Bereiche, um sich auszuruhen und zu koten. Das sind Kriterien des neuen Tierschutzlabels, das Anfang des Jahres eingeführt wurde. Haltung und Fütterung der Zuchttiere entspricht zwar nicht Bio-Standards, ist aber artgerechter als die konventionelle Tierzucht.
Schlachten ist gleich schlachten, oder?
Nein. Auch beim Schlachten kann man auf tiergerechte Zustände achten. Jedes hundertste Schwein lebt beispielsweise noch, wenn es im Schlachthof verbrüht wird, viele Rinder sind nicht vollständig betäubt. Tiergerechtes Schlachten heißt, dass Tiere vor dem Schlachten richtig betäubt werden und vollständig entblutet sind, bevor sie weiterverarbeitet werden.
Fazit
Fakten der Woche
Massentierhaltung ist eine perfektionierte Industrie: Im Zeitraffer hochgezüchtete Masthühner, die sich nicht auf ihren eigenen Beinen halten können. Im Schlachthof lebendig verbrühte Schweine, die noch nicht richtig tot waren. Ferkel, die ohne Betäubung kastriert werden, damit ihr Fleisch nicht zu streng riecht. Zuchtstiere, die keine Weibchen mehr zu sehen bekommen, sondern in Besamungsstationen im Akkord Attrappen bespringen. Die Verhältnisse in der Massentierhaltung sind alles andere als natürlich. Meist werden die Tiere an die Zucht-Systeme angepasst und nicht anderes herum.
Das hat auch Folgen für den Menschen: Durch den starken Antibiotika-Einsatz in der Tierzucht nehmen gefährliche multiresistente Keime zu. Allerdings: Nur Dank Massentierhaltung und ihrer optimierten Effizienz ist es heute allen Menschen möglich, häufig Fleisch zu essen. Es ist kein reines Luxusprodukt mehr. Die Effizienz sorgt auch dafür, dass das Kilo Fleisch aus konventioneller Haltung weniger Emissionen verursacht als das Kilo Fleisch aus der Biohaltung.

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