Da bin i dahoam Wo lebt es sich in Bayern am besten?
Der eine mag die Stadt, der andere wohnt lieber auf dem Land. Wo man gerne lebt, ist einerseits Geschmackssache. Andererseits gibt es aber auch messbare Faktoren, die die Lebensqualität eines Ortes bestimmen. Faszination Wissen hat sie untersucht.
Ein Film von Christian Friedl
Wo man lebt, ist Geschmackssache und immer auch durch Kompromisse bestimmt. Auf irgendetwas muss man meist verzichten. Das geht gut, solange man sich an seinem Wohnort grundsätzlich wohlfühlt. Den Anker werfen wir meist da, wo die Lebensqualität hoch ist. Was macht sie aus und wo ist sie in Bayern zu finden?
Nicht nur schön, sondern gut
Fakten der Woche
Nur schön zu sein, reicht nicht, um einen Ort attraktiv für seine Bewohner zu machen. Entscheidend sind auch Arbeitsplätze, eine gute Infrastruktur, die die Bewohner mit Waren und Dienstleistungen versorgt, und eine durchdachte Stadtarchitektur, die zum Beispiel ausreichend Wohnraum und Naherholungsgebiete einplant. Vieles davon bieten Großstädte wie Erlangen. Je weiter weg ein Ort von großen Zentren liegt, desto unterschiedlicher fallen die Noten für die Lebensqualität aus: Schlechte Zensuren gibt es für die Infrastruktur, Bestnoten für den Freizeitwert.
Was Pendler und Touristen anzieht
Wie attraktiv eine Stadt ist, zeigt auch die Zahl der Pendler: Fahren mehr Menschen zum Arbeiten in die Stadt als solche, die pendeln, hat die Stadt eine große Bedeutung für das Umland. Ein weiterer Hinweis ist die Zahl der Touristen, die eine Stadt anzieht.
In manchen Städten wie zum Beispiel Bayreuth ist das Angebot an kulturellen Veranstaltungen zum harten Standortfaktor geworden. Andere Orte punkten durch überlegte Stadtentwicklung: In Pfaffenhofen beispielsweise achten die Stadtplaner darauf, dass neue Wohnungen mitten im Ort entstehen - das hält den Stadtkern lebendig, verhindert Zersiedelung und lange Wege für die Bürger.
Die beliebtesten bayerischen Städte
Übernachtungen pro Einwohner
Platz 1: Passau
Besucher bestaunen das Drei-Flüsse-Eck, den Dom mit der größten Orgel der Welt und die Veste Oberhaus. Als Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe erfreut sich Passau zunehmender Beliebtheit.
Platz 2: München
Hier punkten der Marienplatz, der Dom, der Viktualienmarkt, das Hofbräuhaus und - neuer und vor allem bei ausländischen Besuchern beliebt - die BMW-Welt.
Platz 3: Regensburg
Hauptattraktionen sind die Steinerne Brücke, der Dom, das alte Rathaus, Schloss St. Emmeran und die römische Porta Preatoria.
Pendlermagneten
Platz 1: Schweinfurt
Schweinfurt hat mehr Arbeitsplätze als Einwohner, 37.000 Pendler kommen auf 53.000 Einwohner. Sie werden angezogen von Autozulieferern, dem Maschinenbau sowie der Medizintechnik.
Platz 2: Regensburg
Die Stadt profitiert von den zahlreichen Arbeitsplätzen, die Firmen der Auto- und Autoreifenindustrie sowie die Universität mit ihrem Klinikum bieten.
Platz 3: Coburg
Jobmotoren sind eine große Versicherungsanstalt, Autozulieferer und der Maschinenbau.
Kaufkraft
Platz 1: Landkreis Starnberg
Der Landkreis Starnberg bei München besitzt nicht nur die höchste Kaufkraft, sondern auch die höchste Einkommensteuer-Kraft Bayerns.
Platz 2: Landkreis München
Im Landkreis München wohnen im Vergleich zur Stadt München im Schnitt reichere Leute.
Platz 3: Stadt München
Die Stadt München kommt beim Faktor Kaufkraft nur auf Platz Drei, weil weniger wohlhabende Viertel wie das Hasenbergl oder Neuperlach Süd den Schnitt drücken.
Wie sich ein Viertel in München verändert
Welche Schattenseiten eine hohe Lebensqualität haben kann, zeigt sich in manchen Innenstadt-Vierteln in München, zum Beispiel im Arbeiterviertel Untergiesing. In den vergangenen Jahren wurden viele Immobilien saniert - und die Investition der Eigentümer auf die Miete umgelegt. Dadurch haben sich die Mieten teils um bis zu 130 Prozent erhöht - und zwar schlagartig.
Aus diesem Grund hat sich die Aktionsgruppe Untergiesing formiert. Die Mitglieder kämpfen gegen den raschen Wandel ihres Viertels, bei dem die Einheimischen von Zuzüglern mit höherem Sozialstatus verdängt werden. Alteingesessene Viertelbewohner wie Ludo Vici, Kabarettist und Schauspieler, fragen sich, "für wen wird der Wohnraum eigentlich geschaffen?" Die Aktionsgruppe betont, dass sie nicht den Stillstand betonieren will, sondern sich nur gegen die aus ihrer Sicht feindliche Übernahme wehrt. Denn ein langsamer, kontrollierter Wandel kann ein Stadtviertel auch neu beleben.
"Bei uns werden die Leute über den Geldbeutel quasi aus dem Viertel geschmissen, in dem sie vielleicht sogar aufgewachsen sind oder zumindest viele Jahre leben. Und es passiert quasi von heute auf morgen. Durch Modernisierungen, durch Neukauf, durch Neubau - das sind Preise, die sich hier keiner mehr leisten kann - und ja, das Viertel stirbt so ein bisschen aus von der Substanz."
Maximilian Heisler, Aktionsgruppe Untergiesing

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