Bayerisches Fernsehen - Faszination Wissen


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Homöopathie Medizin oder Mogelpackung?

Die einen glauben dran, die anderen nicht. Keiner weiß so genau, wie die Homöopathie wirkt. Was also ist das Geheimnis dieser vor mehr als 200 Jahren entwickelten Heilkunst? Wie funktioniert sie - oder vielleicht auch nicht? Und was macht sie so umstritten?

Stand: 16.04.2013

Ein Film von Herbert Hackl

Warum wird die Homöopathie kritisiert?

Faszination Wissen | Bild: BR zum Artikel Faszination Wissen Stellungnahme zur Sendung "Homöopathie - Medizin oder Mogelpackung"

Die Sendung "Faszination Wissen Homöopathie - Medizin oder Mogelpackung" hat im Netz auf verschiedenen Blogs und in Sozialen Netzwerken erhebliche Kritik ausgelöst. Im Folgenden wollen wir zusammenfassend zu dieser Kritik Stellung nehmen. [mehr]

Homöopathische Arzneimittel werden auf eine spezielle Art hergestellt. Bei der sogenannten Potenzierung werden Wirkstoffe nach strengen Regeln immer wieder mit dem Hundertfachen an Milchzucker verdünnt und zum Schluss mit Wasser und Alkohol gemischt. Lehrmeinung ist, dass je höher die Potenzierung, desto stärker die Wirkung. Rechnerisch gesehen, dürfte aber schon nach zwölfmaliger Verdünnung im Verhältnis 1 zu 100 im Arzneimittel kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten sein. Homöopathie-Kritiker sagen daher: "Wo kein Wirkstoff, da auch keine Wirkung!"

Gibt es Gegenbeweise?

Am Universitätsspital im schweizerischen Bern zum Beispiel wurde eine belastbare Homöopathie-Studie gemacht: Mehr als 80 Jugendliche mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) wurden dort behandelt. Zum Einsatz kamen 17 homöopathische Substanzen und ein Placebo. Beide Mittel wurden im Wechsel je vier Wochen verabreicht. Weder die Ärzte noch die zwei Patientengruppen wussten, wann welches Mittel gegeben wurde.

Ergebnis: Fünf Jahre nach der Studie nehmen fast 90 Prozent der ADHS-Patienten weiterhin rein homöopathische Arzneimittel oder können ganz auf eine Behandlung verzichten. Die anderen Testpersonen stiegen wieder auf konventionelle Medikamente um, weil sich bei ihnen die Symptome verschlechterten.

Müssen auch die Kritiker Kritik einstecken?

2005 feierte die renommierte Fachzeitschrift "The Lancet" den Abgesang der Homöopathie: Ein Team von Wissenschaftlern hatte 110 verschiedene Studien zur Homöopathie analysiert und kam zu dem Ergebnis, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass die Homöopathie besser wirkt als Placebos. Doch die Studie hatte erhebliche Schwächen: Von 110 Untersuchungen zur Homöopathie wurden nur die acht größten statistisch ausgewertet. Viel zu wenig, um haltbar zu sein! Die Gründe für diese Auswahl sind bis heute undurchsichtig.

Wirkt Homöopathie auch bei Tieren und Pflanzen?

Homöopathie-Gegner kritisieren an der Homöopathie, dass sie nur durch den Placebo-Effekt wirkt. Deshalb untersuchen Forscher auch Tiere und Pflanzen. Sie wollten sehen, wie die Kügelchen hier wirken - oder eben nicht wirken. Ergebnis: Den Placebo-Effekt gibt es zwar auch bei Tieren, er kann aber nicht der Grund dafür sein, dass Tiere nach einmaligen Homöopathie-Gaben gesunden. Ähnliches zeigte sich im Pflanzenreich: Wasserlinsen wurden mit Arsen vergiftet und dann mit dem homöopathischen Mittel arsenicum album und - zum Vergleich - reinem Wasser behandelt. Es zeigte sich, dass das homöopathische Mittel gegen die Vergiftung wirkte, sogar in den stark verdünnten Hochpotenzen.

Wirkt Homöopathie nun oder nicht?

Es gibt Fälle, in denen Homöopathie nachweislich wirkt. Wie, ist bislang noch unklar. Vielleicht stößt die Naturwissenschaft hier an ihre Grenzen. Noch gibt es jedenfalls keine wissenschaftlichen Forschungen, die der homöopathischen Praxis wirklich gerecht werden.


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