Risiko am Schreibtisch Das gefährliche Büro
Mehr als 17 Millionen Deutsche verdienen ihr Geld mit Büro-Arbeit. Im Sitzen arbeiten klingt gemütlich - ist es aber nicht, wenn Schadstoffe die Luft belasten und Lärm das Denken erschwert.
Ein Film von Doris Tromballa
Fakten der Woche
Eigentlich sollte ein Mitarbeiter "gar nicht mitkriegen, wo er sitzt", sagt Professor Klaus Sedlbauer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Holzkirchen. Doch der Alltag vieler Büro-Arbeiter in Deutschland sieht meist anders aus: Langes Sitzen führt zu Rückenleiden. Lärm und Enge in Großraumbüros erzeugen Stress. Schadstoffe aus Teppichen, Wänden und Druckern belasten die Gesundheit.
Messbar schlechtes Klima
Unwohlsein im Büro kann viele Ursachen haben - und durchaus messbar sein. Christian Scherer, Gruppenleiter Chemie, am Fraunhofer-Institut für Bauphysik sagt, dass "aus einer entsprechend aufgebauten Deckenverkleidung hunderte von Schadstoffen austreten können." Dazu können Teppiche giftige Fasern und Klebstoffe enthalten. Bau-Produkte werden in Deutschland nach einem Verfahren namens AgBB-Schema zertifiziert. Dafür gibt es seit 1997 gesetzliche Standards. Für viele Produkte sind sie jedoch nicht verpflichtend.
"Zum Beispiel die Wandfarbe, ganz klassisch, oder auch der Fensterrahmen, die Tür, und natürlich die Zwischenwände, also diese ganzen Leichtbau-Zwischenwände, Gipskartonplatten, Mineralwolle als Dämmung, die großflächig verbauten Materialien, sind derzeit nicht geprüft."
Christian Scherer, Gruppenleiter Chemie, Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Holzkirchen
Schadstoff-Schleuder Laserdrucker?
Auch Laserdrucker sind in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Noch streiten Wissenschaftler jedoch darüber, ob und wie schädlich Tonerpartikel sind. Was die Forschung mit Toner-Staub so kompliziert macht, ist, dass dieser verschiedenste Substanzen enthalten kann und seine Zusammensetzung variiert. Bei der bislang umfassendste Studie zu Tonerstaub in Deutschland im Jahr 2007 stellten Forscher fest, dass aus den Geräten während des Druckens Stäube, organische Verbindungen und Gase entweichen. Eine konkrete Warnung sprachen die Wissenschaftler nicht aus, forderten aber dringend mehr Forschung in diesem Bereich.
Schadstoff-Filter am Drucker sollen bis zu 94 Prozent der Emissionen absaugen - werben die Hersteller. Noch ist offen, welche Stoffe und wie viel davon die Filter wirklich filtern, wie viele Geräte überhaupt mit Filtern ausgestattet sind und wer sich um defekte Filter kümmert, die lose am Gerät baumeln. Fest steht dagegen, dass 82 Prozent aller Büroangestellten im Schnitt nur bis zu zwei Meter von einem Laserdrucker entfernt sitzen. Sie arbeiten damit im unmittelbaren Dunstkreis von allem, was auch immer aus einem Drucker kommt.
Heizung, Licht, Klimaanlage
Heizung, Licht und die Klimaanlage sind drei Dinge, die das Raumklima in Büros entscheidend beeinflussen - und häufig für Streit sorgen. Reagiert doch jeder Mensch unterschiedlich auf Beleuchtung, Temperatur und Luftzirkulation. Aus diesem Grund wird es in Büros wohl immer eine "Mecker-Rate von 5 bis 15 Prozent" geben, sagt Gunnar Grün, Abteilungsleiter Raumklima am Fraunhofer-Institut für Bauphysik.
Forscher arbeiten aber daran, die Probleme künftig einzudämmen - und damit die Zufriedenheit von Büroangestellten zu steigern: zum Beispiel mit wärmeregulierbaren Wänden, die nicht mehr kalt abstrahlen, individuellen Befeuchtungsanlagen oder Klimabrunnen: Dabei wird durch einen Wasserstrom entlang einer temperierten Wand nicht nur die Temperatur und die Luftfeuchte eingestellt, sondern durch den Wasserfilm auch Staub gebunden und damit die Luft gesäubert.
Beweglich und flexibel: Das Büro der Zukunft
Ein ganz anderes Projekt verfolgen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation: Seit mehr als zehn Jahren testen sie mit "Office 21" eine neuartige Büro-Form. Das sogenannte "Multi-Space" Großraumbüro soll eine große Fläche sein, die in kleine Einheiten aufgeteilt wird. Individuelle Schreibtische soll es dort nicht mehr geben, sondern mobile Container, die zum Arbeiten an verschiedene Orte geschoben werden können. Für spezielle Arbeiten gibt es zudem Einzelzimmer.
Ein solches neuartiges Großraumbüro hat IBM als erstes Unternehmen in Deutschland vor zehn Jahren in München eingeführt: den mobilen Arbeitsplatz "e-place". Zu finden sind dort höhenverstellbare Schreibtische, modernste Bürostühle, individuelle Lichtgestaltung an jedem Arbeitsplatz, eigene Schränke fürs Büromaterial, Schalldämmung an Schränken und Zwischenwänden sowie mehrere Kaffeeküchen auf jedem Stockwerk. Drucker und Kopierer stehen zudem nicht im Büro, sondern auf dem Gang.
"Das Konzept, das früher das gängigste in der Architekturpsychologie war, war das der Ortsidentität, das Heimatgefühl an einem Platz. Dass man sich einrichtet, in dem man ein Foto oder eine Pflanze, und das ist eben nicht möglich. Aber wir bewegen uns ja auch durch die Welt mit den Fotos in den Portemonnaies, und das ist eben auch positiv"
. Rotraut Walden, Architekturpsychologin, Universität Koblenz
Ein weiteres, grundlegendes Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik befasst sich mit "Menschen in Räumen" und soll für maximales Wohlbefinden und gute Leistungsfähigkeit sorgen. Kern des Projekts ist etwas, über das noch erstaunlich wenig bekannt ist: die Wechselwirkung zwischen Menschen und Räumen.
Rücken schützen!
Falsches Sitzen belastet die Bandscheibe um 80 Prozent mehr als Stehen. Büro-Arbeiter sollten sich daher besonders um ihre Rückengesundheit kümmern. Probleme bereitet neben den Bandscheiben und dem Ischias-Nerv meist die Schulter- und Nacken-Partie. Das dänische Institut für Arbeitsmedizin hat eine einfache Übung entwickelt, die die Muskulatur in diesem Bereich nachweislich stärkt. Sie brauchen nur ein Elastikband und zwei Minuten Zeit: Vorderes Bein in Schritt-Position auf das Elastikband stellen, Bauch anspannen und Schulterblätter nach hinten ziehen. Dann langsam die Arme im 90-Grad-Winkel hochheben und wieder absenken, Schultern dabei immer hinten lassen. Danach Bein wechseln.
Machen Sie diese Übung zwei Minuten lang, circa 2x15 Wiederholungen. Dazu sollten Sie während der Arbeit ab und zu aufstehen, ihren Arbeitsstuhl korrekt einstellen und richtig sitzen. Mit diesen Vorkehrungen schützen Sie Ihren Rücken.

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