Invasion der Ameisen Sind unsere Ameisen in Gefahr?
Die Ameisen Europas haben einen neuen, gefährlichen Konkurrenten: die Argentinischen Ameisen. Als blinder Passagier brachte die der Mensch auf Schiffen nach Spanien. Von dort haben sie sich in rasender Geschwindigkeit bis nach Italien ausgebreitet und verdrängen seit dem eine heimische Ameisenkolonie nach der anderen.
Ein Film von Stefan Geier
Sie sind viel kleiner als ihre Gegner und erst viel kürzer da. Aber sie kommen in Scharen, sie kommen schnell und sie sind in Begriff, einen ganzen Kontinent zu erobern: die Argentinischen Ameisen. Entlang der Mittelmeerküste von Westspanien bis an die italienische Riviera reicht bereits das Imperium der Eindringlinge. Immer öfter finden Wissenschaftler Gebiete, aus denen die heimischen Arten vollständig verdrängt wurden.
Was macht die Argentische Ameise so stark?
Kooperation
Bei den meisten Arten bekriegen sich Ameisen benachbarter Nester auch innerhalb der Art um Platz und Nahrung. Nicht so die nach Europa eingewanderte Argentinische Ameise: Ein Aufeinandertreffen benachbarter Kolonien verläuft hier in der Regel ohne die üblichen Aggressionen, meist teilen die Gruppen sogar ihre Nahrung miteinander. Verantwortlich für die große Kooperationsbereitschaft ist der hohe Grad genetischer Verwandtschaft der einzelnen Kolonien in Europa. Wissenschaftler sprechen deshalb auch von einer europäischen „Superkolonie“.
kaum Feinde
Mit der Auswanderung aus Lateinamerika hat die Argentinische Ameise auch ihre dort beheimateten Räuber und Parasiten hinter sich gelassen. Zusätzlich fehlt durch das kooperative Verhalten der Kolonien untereinander die innerartliche Konkurrenz.
Futtersuche
Die Futtersuche ist in Ameisenkolonien Gemeinschaftsaufgabe. Mithilfe einer Duftspur zeigen die Ameisen einander den Weg zur Nahrungsquelle. Durch ihre Zusammenarbeit können Kolonien der Argentinischen Ameise die Spuren aller benachbarten Kolonien mitnutzen. So können sie in der Regel lang vor den konkurrierenden Arten Futterquellen finden und besetzen.
Allesfresser
Die Argentinische Ameise ernährt sich nicht nur von Blütennektar, sondern auch von Pflanzen, Honigtau der Blattläuse bis hin zu Insekten und Tierkadavern. Andere Ameisenarten sind dagegen oft auf eine bestimmte Nahrungsquelle spezialisiert und haben deswegen mit einem eher knappen Nahrungsangebot zu kämpfen.
Viele Königinnen
Normalerweise lebt in einem Ameisennest eine Königin, die ganz allein für das Eierlegen – und somit den Fortbestand der Kolonie – verantwortlich ist. Kommt die Königin ums Leben ist die ganze Kolonie zum Aussterben verdammt. Die Nester der Argentinischen Ameise in Europa jedoch haben gleich 15 - 20 Königinnen. Das erhöht die Anzahl der Nachkommen beträchtlich und macht sie gegenüber Angriffen anderer Arten weniger verwundbar.
Kulturfolger des Menschen
Die Anforderungen der Argentinischen Ameise an Klima und Umweltbedingungen scheinen denen des Menschen zu ähneln. So lässt sich erklären, dass sich die Ameise sprunghaft an Orten verbreiten, die der Mensch schon besiedelt hat.
Gefahr für einheimische Arten
Fakten der Woche
So faszinierend die Forschung an den kleinen Kolonialisten auch ist, Biologen treibt die Sorge um die heimische Artenvielfalt der Ameisen um. Denn Ameisen spielen eine wichtige Rolle bei der Lockerung von Böden, der Verbreitung von Pflanzensamen, der Beseitigung von Aas und Abfall und nicht selten auch als Schädlingsvernichter. Die Forscher befürchten eine große Auswirkungen auf unsere Ökosysteme. Was passiert beispielsweise mit Tieren, die sich von unseren heimischen Ameisen ernähren? Oder Arten, die von den alten Ameisen gefressen wurden, aber von den argentinischen nicht? Theoretisch denkbar sind etwa Plagen, unter denen im weiteren Verlauf ganze Vegetationsgruppen leiden könnten. Die Wechselwirkungen der Ökosysteme sind bei weitem nicht gut genug bekannt, um verlässliche Vorhersagen zu treffen. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität in München experimentieren deshalb mit künstlich gelegten Duftspuren, die die Ameisen bei der Futtersuche verwirren und somit ihre weitere Ausbreitung eindämmen könnten.

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