Slowakei Machtkampf statt Sachentscheidung?
Bratislava war für einen Tag und eine Nacht der "Nabel" des Eurolandes. Ob den Menschen hier das bewusst war?
Die slowakische Hauptstadt ist die "Boomtown" der jüngeren Beitrittsländer und hat es gerade zu einem gewissen Wohlstand gebracht, da soll sich das kleine Land am EU-Rettungsschirm beteiligen.
Die Slowakei hat seit ihrer Trennung von Tschechien 1993 so manche Krise allein gemeistert – mit geradezu preußischer Disziplin und Sparsamkeit. Die Mindestlöhne liegen hier bei knapp 310 Euro. Griechenland, das die Slowaken mit retten sollen, gönnt seinen Arbeitern und Angestellten 860 Euro.
Solidarität am falschen Ende?
Da reiben sicht nicht nur die Krankenhausärzte, Krankenschwestern und Pfleger die Augen. Auch die Rentner, die mit 360 Euro auskommen müssen, sagen: Die Griechen haben ja viel mehr als wir.
Petra Mihailova ist seit 25 Jahren Krankenschwester und bekommt rund 400 Euro im Monat, ihre griechische Kollegin das Doppelte und ist meist noch am "Fakelaki", dem "kleinen Geldumschlag" für ihren Chef beteiligt. Petra muss sich materiell einschränken, aber sie hat Vertrauen in eine bessere Zukunft. Das hat ihre griechische Kollegin eher nicht.
Große Unterschiede zwischen Stadt und Land
Auf dem Lande sieht die Lage nicht so rosig aus: In der Ostslowakei ist die Arbeitslosigkeit hoch, zirka 30 Prozent, und das Durchschnittseinkommen, zum Beispiel in Presov, ist nur halb so hoch wie in Bratislava.
Auch die Rentner erreichen hier oft nicht die Durchschnittsrente von 352 Euro. "Es ist alles nicht mehr so wie früher" - das hört man von alten Menschen überall. Aber hier geht es um die sehr bescheidenen Lebensumstände.
Arme Lehrer
Es ist wohl eher das Engagement der Lehrer, warum das Bildungsniveau in der Slowakei gut ist. Das Gehalt, das diese Lehrerin bekommt, kann es nicht sein: 660 Euro im Landesdurchschnitt verdienen die Pädagogen. Da würde es sich schon mehr lohnen, als Facharbeiter in der Automobilindustrie zu arbeiten. Bei VW und Co. liegen die Gehälter über 800 Euro im Monat. Eine kluge Ansiedelungspolitik hat viele Autobauer ins Land gelockt.
Was fleißige Hände im Lauf von 20 Jahren erarbeitet haben, steht mit dem EU-Rettungsschirm für viele hier auf dem Spiel. Warum soll man die viel reicheren Griechen, Spanier oder Italiener nun retten müssen? Die Slowaken haben ihre Hausaufgaben gemacht.
Innenpolitische Ränkespiele
Iveta Radicova, seit Mittwoch Übergangspremier, hatte für den EU-Rettungsschirm gekämpft. Im Gegensatz zu ihrem Koalitionspartner von der liberalen Partei, sah sie sehr wohl, dass der Euro auch für die Slowakei erhebliche Vorteile gebracht hatte.
Richard Sulik war nicht von der Rettung Griechenlands zu überzeugen und die Sozialdemokraten in der Opposition enthielten sich - aus taktischen Gründen. Robert Ficos Kalkül: Machtbeteiligung oder Neuwahlen, dann Zustimmung für den Rettungsschirm. Im März wird es Neuwahlen geben – Fico hat gewonnen.
Fico könnte das Verständnis vieler Europäer für die spezielle Lage der Slowaken verspielen.
Bisher hat dieser freundliche Herr mit seinem Hut gegrüßt und ihn nicht aufgehalten – wie so manch anderer Europäer.

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