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Italien Ein guter Schlossgeist - die Trostburg-Tresl

Längst bevor über der Trostburg die Sonne aufgeht, hat für Terese Gröber der Arbeitstag begonnen. Sie ist die letzte Bewohnerin der Jahrhunderte alten Burg hoch über dem Südtiroler Eisacktal.

Autor: Arndt Wittenberg Stand: 24.10.2011
Ein guter Schlossgeist | Bild: BR

So wie ihre Vorfahren, die seit mehreren Generationen als Pachtbauern bei den Grafen von Wolkenstein arbeiteten.

Als erstes muss Terese frühmorgens ein Feuer in der Küche machen. Selbst im Sommer ist es in der Burg kühl und feucht. Die 65-Jährige kennt es nicht anders, und will auch nichts anderes. Wohl deshalb hat sie auch einige Spitznamen.

"Die Leute vom Ort, für die bin ich die Schloss-Tresl. Für die Gäste bin ich eben die Trostburg-Tresl, weil ich seit meinem ersten Lebensjahr auf der Burg bin. Das ist von dem, weil meine Vorfahren bis zu meinem Urgroßvater vorher auf der Burg gelebt haben."

Tresl

Burggeschichte seit 600 Jahren

Über sechshundert Jahre residierten hier die Herren von Wolkenstein, ein altes Tiroler Adelsgeschlecht, das auf der Trostburg Gericht hielt. Im 16. Jahrhundert erweiterten die Burgherren die Feste zu einem Schloss, mit einem großen, spätgotischen Anbau.

Terese Gröber beim Buttermachen

Die Trostburg-Tresl hat die letzten Grafen gehen sehen, vor über 40 Jahren. Tresl ist geblieben. Sie hat weiter als Pachtbäuerin die Kühe versorgt und Butter gemacht. Noch immer treibt sie den Butterkübel dreimal die Woche – eine Arbeit, die sie liebt - trotz aller Anstrengung.

"Das Buttermachen hat mir halt auch die Mutter beigebracht - schon als Kind. Wir durften nicht die Butter machen, aber den Kübel treiben. Manchmal ist es so schwer gegangen, dass manchmal die Schwester den Kübel halten musste, dass er nicht von der Bank fällt."

Tresl

Tresl lebt von drei Kühen

Die Butter von den drei Kühen ist Tresls einzige Einnahmequelle. Doch was braucht ein Mensch, der mit wenig zufrieden ist? Tresl verkauft die Butter unten im Dorf an ausgewählte Kunden, die für die handgemachte Rahmbutter gerne zwei Euro zahlen.

Tresl ist ständig unterwegs, um ihre Tiere zu versorgen, so wie die Pferde, die nach der Geburt eines Fohlens extra Kraftfutter bekommen. Es sind die Tiere, die Tresls Leben Halt und Struktur geben.

"Man ist nie allein, wenn man Tiere hat. Die Tiere sind einem so dankbar für das, was man tut. Wenn man Tiere hat, hat man auch eine große Verantwortung. Die ist am Ostermontag geboren."

Tresl

Oft erinnert sich Tresl an ihre Kindheit: Da waren solche Pferde noch unerlässlich bei der Feldarbeit.

"Früher musste das Pferd viel arbeiten. Heute sind es die Traktoren, die den Pferden die Arbeit abgenommen haben."

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Von der Landarbeit zum Tourismus

Terese Gröber führt durch das Schloss

Auch Tresls Arbeitstag hat sich längst verändert. Dreimal am Tag muss sie vom Feld zurück auf die Burg. Eilig herrichten für die Wanderer, die den steilen 20-minütigen Fußweg auf sich genommen haben, um die Trostburg zu besichtigen.

Für Geschichtsinteressierte ist die Trostburg bemerkenswert: hier lebte einst Oswald von Wolkenstein, der bedeutendste deutschsprachige Dichter und Minnesänger des ausgehenden Mittelalters.
Die Geschichte der letzten Grafen von Wolkenstein-Trostburg endete traurig. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts verschlang die Instandhaltung des Schlosses immer größere Summen. Graf Dietrich von Wolkenstein verarmte mehr und mehr. Zusammen mit seiner Frau Gräfin Maria musste er 1967 den Stammsitz verkaufen und für immer verlassen.

"Für mich war das auch traurig, weil man gesehen hat, wie die Familie immer ärmer wurde. Wir haben auch Pachtzins bezahlt, bis zuletzt mein Vater. Wir haben es auch nicht leicht gehabt, aber es immer noch besser gehabt."

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Rettung durch das Burgeninstitut

Um die Burg vor dem Verfall zu retten, kaufte damals eine private Gesellschaft die Trostburg, das Südtiroler Burgeninstitut.

Besuch von Baron Philipp von Hohenbühel, dem Präsidenten des Burgeninstituts. Mit Spenden, Führungen und Ausstellungen versucht er, die Gelder für die Instandhaltung der Burg aufzutreiben. Immer tatkräftig unterstützt von der Tresl, die als Verwalterin alles in Schuss hält.

"Die Tresl ist das ganze Jahr über auf der Trostburg und ist eigentlich der gute Stern in diesem Burghaushalt. Sie brauchen sich die Burg nur anzusehen. Sie ist imstande, sogar die Geranien über den Winter zu bringen. Sie ist mit Leib und Seele dabei, und ist ein regelrechter Glücksfall für uns."

Baron Philipp von Hohenbühel, Präsident Südtiroler Burgeninstitut

Doch wie lange noch? Jetzt ist Tresl 65 Jahre, im Rentenalter. Irgendwann, so ihre Befürchtung, wird sie zu alt sein für die harte Arbeit oben auf dem Schloss. Und dann wird sie sich wohl eine Wohnung im Dorf suchen müssen. Daran mag Tresl nie lange denken. Jeder hat seinen Platz auf der Welt, sagt sie. Und ihrer ist hier.