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Italien Bergung mit Hindernissen

An den Untergang der Titanic erinnert so manches bei der Katastrophe der Costa Concordia. Immer mehr Versäumnisse kommmen ans Licht: Um Kosten zu drücken, soll die Sicherheit der Passagiere vernachlässigt worden sein.

Autor: Eva Frisch und Nina Rüger Stand: 29.01.2012
Die gekenterte Costa Concordia | Bild: BR

Die Lage ist eigentlich perfekt um Wein anzubauen. Aber an seinen Wein kann Settimo zur Zeit nicht denken. Denn die havarierte Costa Concordia liegt seit über zwei Wochen direkt unter seinem kleinen Fleckchen Land. Das Schiffsunglück beobachtete der Rentner von hier aus. Irgendwann konnte er nicht mehr nur zusehen.

"Als ich die ersten Rettungsboot im Wasser sah, konnte ich nicht hier oben bleiben und nichts tun. Wir gingen hinunter, um zu helfen. Wir gaben den Menschen unsere Schals, Mützen und alles was wir hatten."

Settimo Saverio, Rentner

Für die Menschen auf Giglio ist die Costa Concordia allgegenwärtig. Auf der kleine Insel wimmelt es mittlerweile nur so von Feuerwehrleute und Polizisten. Einer davon ist Salvatore Antonaci. Er nimmt uns mit hinaus zum Wrack. Der Polizist war einer der ersten am Unglücksort. Zunächst schien die Situation nicht so gefährlich, dann aber kippte das Boot, erzählt er uns, immer mehr Menschen sprangen ins elf Grad kalte Wasser und schwammen um ihr Leben. Andere waren im Schiff gefangen.

"Wie Sie hier auf dieser Seite sehen können, ist das Glas kaputt. Dort waren Menschen eingeschlossen. Mit der Hilfe von Tauchern konnten wir das Glas aufbrechen und die eingeschlossenen zwei Asiaten befreien."

Salvatore Antonaci, Kommandant Staatspolizei

Ein Taucher in den Trümmern der Schiffseinrichtung

Die Retter suchen immer noch in den Tiefen der Costa Concordia nach Vermissten. In einem Labyrinth aus endlosen, dunklen Korridoren, zwischen schwimmendem Gepäck und Unrat. Jeden Ecke des Schiffs wollten sie eigentlich durchkämmen. Seit dieser Woche aber ist sicher, auf einigen Decks ist die Gefahr für die Taucher zu groß.

"Einige Bereiche des Schiffes sind unzugänglich, wegen den verschiedensten Stoffen und Substanzen im Schiff. Wir kommen einfach nicht überall hinein."

Salvatore Antonaci, Kommandant der Staatspolizei

Ein Taucher am Rumpf der Costa Concordia

In anderen Bereichen aber suchen die Taucher unermüdlich. Sie leuchten von draußen in die Kabinen, durchsuchen eine gespenstische Unterwasserwelt. Einige Vermisste aber, so sagen die Retter, werden sie wohl erst finden, wenn das Wrack selbst geborgen wird.
Wann und wie das passiert - dafür gibt es noch keine Pläne. Nur ein Plan steht - nämlich das gefährliche Schweröl aus dem Schiffsinneren endlich abzupumpen. Auch dafür wird unter Wasser gearbeitet. Taucher einer niederländischen Spezialfirma bohren Ventile in den Schiffsrumpf. So wollen sie die große Umweltkatastrophe verhindern. Die kleine aber ist schon da. Denn rund um das Wrack hat das Wasser des einstigen Tauchparadieses nur noch die Qualität eines Industriehafens. Lösungsmittel finden sich hier genauso wie zahllose Schiffsgegenstände, die früher oder später an der Küste landen, dort wo normalerweise Touristen baden.

Die Menschen auf der Insel haben Angst vor dem was kommt. Alvino Bartoli zum Beispiel, der gerade den Fang dieses Morgens sortiert.

"Wenn das Meer verschmutzt ist, werden die Touristen nicht mehr kommen. Aber wir leben doch vom Fischen und von den Touristen."

Antonio Bartoli, Fischer

Immer mehr Urlauber stornieren ihre Buchungen für Giglio. Die, die noch kommen, sind Tagesausflügler auf Fotojagd. Ein surreales Bild. Mindestens 17 Menschen starben hier, weil sich ein Kapitän möglicherweise überschätzte. Weil Francesco Schettino mit seinem riskanten Manöver vielleicht tatsächlich die Insel Giglio grüßen und für Nervenkitzel sorgen wollte. Aber der Nervenkitzel geriet zum Alptraum.

Ein Fährschiff passiert die Costa Concordia vor dem Hafen von Giglio

Gegen Schettino wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt und die Reederei sieht sich Schadensersatzklagen in Millionenhöhe gegenüber. Immer noch ist unklar, ob sie die nahen Vorbeifahrten an Küstenorten anordnete. Klar ist aber, so erzählen es uns die Menschen hier: das Grüßen der Insel hatte Tradition, auch wenn die Schiffe Giglio stets weiter draußen passierten. Nach dieser Tragödie und den vielen Toten aber, wird es diese Praxis wohl nicht mehr geben.

"Das Grüßen war Teil einer Tradition. Und jetzt wird es das nicht mehr geben. Unglücklicherweise sind wir wegen dieser Katastrophe nun in der ganzen Welt bekannt."

Settimo Saverio, Rentner

Giglio, der Ort vor dem der Kreuzfahrt-Riese strandete: Settimo kann den Blick vom Wrack kaum abwenden. Die Schiffskatastrophe der Costa Concordia wird nicht nur die Angehörigen der Opfer sondern auch die Bewohner der Insel noch lange beschäftigen.