"Tschüss"-Verbot Grüß Gott und Auf Wiedersehen ...
Ciao, Servus, HabedieEhre - das alles geht in Bayern. Aber "Tschüss"? Wir sind den jüngsten Aufgeregtheiten um das sogenannte Tschüss-Verbot an einer bayerischen Schule mal auf den Grund gegangen.
Kein "Hallo" und kein "Tschüss" an einer bayerischen Schule? Stattdessen Schilder mit der Aufschrift: "Über ein 'Grüß Gott' und ein freundliches 'Auf Wiedersehen' freuen wir uns jedoch jederzeit." So war das an der Passauer St. Nikola Mittelschule. Bis sie in die Schlagzeilen kam. Ein Heer von Zeitungskommentatoren, Radio- und Fernsehessayisten machte sich plötzlich über das "Tschüss-Verbot" her. Doch was steckt dahinter? Lehrer, Eltern und Schüler hatten sich vor eineinhalb Jahren ein Schulprogramm überlegt und einvernehmlich beschlossen auf gute Umgangsformen Wert zu legen. Auch um die Schüler für künftige Bewerbungsgespräche zu rüsten. Es gab keine Sanktionen, wenn einem mal ein "Tschüss" herausrutschte. Und wie sich die Schüler untereinander grüßen, steht ihnen ohnehin frei.
Wir greifen den Fall auf, um der Kulturgeschichte des bairischen Grüßens auf den Grund zu gehen. Das "Grüß Gott" brachten wohl irische Mönche nach Bayern, als sie vor 1400 Jahren die Urbevölkerung christianisiert haben, erzählt uns Dialektforscher Anthony Rowley von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Und dabei handelt es sich vielleicht nur um einen Übersetzungsfehler, korrekter hätte der Gruß aus dem Irischen wohl mit "Es segne dich Gott" wiedergegeben werden müssen. "Gott" steckt auch im norddeutschen Abschiedsgruß "Tschüss" noch irgendwo! Denn dieser leitet sich aus dem spanischen "Adiós" ab, was so viel wie "zu Gott" heißt und auf seinem Weg aus Spanien über die Niederlande nach Norddeutschland zum "Tschüss" verwandelt worden ist.
Gruß- und Abschiedsformeln haben eine Jahrhunderte alte Geschichte und haben Sprachgrenzen überwunden - das Wort "Tschüss" allerdings lässt sich als Lehnwort kaum in den bairischen Dialekt integrieren, bleibt Fremdwort. Dem Bairischen fehlt einfach das "Ü", vermutet Rowley, weshalb "Tschüss" immer irgendwie "preußisch" klingt. Andere Fremdworte wie "Adé", "Servus" oder "Ciao" lassen sich hingegen leichter ins Bairische integrieren ... Na dann: Grüß Gott, Servus und Auf Wiedersehen in Capriccio!
Autor Fernsehbeitrag: Norbert Haberger

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