Bayerisches Fernsehen - Capriccio

Sergiu Celibidache Zum 100. Geburtstag des Philosophen am Dirigentenpult

Von 1979 bis zu seinem Tod im Jahr 1996 war er Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker: Sergiu Celibidache, eine Ausnahmeerscheinung unter den Dirigenten seiner Zeit.

Stand: 11.07.2012
Sergiu Celibidache im Jahr 1996 | Bild: picture-alliance/dpa

Celibidache, 1912 in der rumänischen Stadt Roman geboren, studierte in Bukarest erst Mathematik und Philosophie, bevor er nach Berlin an die Staatliche Hochschule für Musik ging. Von 1945 bis 1952 vertrat er Wilhelm Furtwängler bei den Berliner Philharmonikern, bis dieser entnazifiziert wurde. Dann 1954 die große Enttäuschung - das Orchester kürte Herbert von Karajan zum offiziellen Chefdirigenten.

Sergiu Celibidache

Von da an war Celibidache viel unterwegs, gab rund um die Welt Gastauftritte. Ab 1979 leitete er die Münchner Philharmoniker und machte sie zu einem Orchester von Weltruf. Sergiu Celibidache, von den Münchner oft nur "Celi" genannt, war als Dirigent umjubelt und umstritten. Er war ein Charismatiker, dem es um die Wahrheit der Musik ging, und nicht darum, sich als Dirigent oder Interpret in den Vordergrund zu stellen. Besonders Bruckner lag ihm am Herzen, seine späten Symphonien studierte er immer wieder ein, brachte ihren Zauber dadurch zum Vorschein, dass er sie bewusst langsamer als bislang üblich spielen ließ. Schallplattenaufnahmen interessierten ihn nicht. Musik war für ihn nichts, das man konservieren kann, sondern etwas, was sich im Augenblick der Entstehung ereignet. Und zwar nicht als "Interpretation" einer Partitur, sondern als erlebte Tatsache. Konzertmitschnitte wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht und zeugen von der außergewöhnlichen Intensität seiner Arbeit.

Autorin Fernsehbeitrag: Angelika Kellhammer


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