Akkordeon Rettet die Quetschn!
In Bayern gibt es immer weniger Akkordeonspieler - an den bayerischen Musikschulen hat sich die Zahl der Akkordeonschüler in den letzten zehn Jahren halbiert. Gleichzeitig taucht das Instrument vermehrt bei angesagten Bands auf - Capriccio geht dem Phänomen auf den Grund.
Man muss sich die Liebe einer Quetschn erspielen wie die Liebe einer Frau, sagt Heinz Stoiber. Seit fünfzig Jahren spielt der 65-jährige das Instrument. Als "Stoiber Buam" waren schon sein Vater und Onkel unterwegs und mittlerweile ist er mit seinen Söhnen unter diesem Namen mit selbstkomponierten Landlern unterwegs. Das Akkordeon ist für Heinz Stoiber in der Volksmusik ein Begleitinstrument, das vor allem dafür da ist, den Rhythmus zu machen und sich in den Vordergrund zu spielen, wenn die Bläser sich ausruhen ... 1829 wurde das Akkordeon in Wien erfunden und war beim Volk schnell beliebt, weil man es sehr frei und ohne Musikunterricht spielen konnte - jahrzehntelang gab es nicht einmal Noten! In der gehobenen Gesellschaft wurde das lautstarke Instrument dafür als "Schweineorgel" beschimpft - was seinen Siegeszug um die Welt nicht aufhalten konnte. Händler, Auswanderer, Missionare brachten es nach Nord- und Südamerika, Asien und Afrika ...
Die Quetschn ist längst ein kosmopolitisches Instrument und ihr der Volksmusik verhaftetes Image greift viel zu kurz. Rainer Gruber von der Band "Gruber+Gruber" sagt, sie ist wie ein Chamäleon, wandlungsfähig, vergleichbar mit der Stimme, durch den Balg ganz leise und zart, dann wieder ganz laut und aggressiv, wie wenn du flüsterst oder schreist ... "Gruber+Gruber" spielen Volksmusik, Funk, Tango - und die Quetschn passt immer! Hans-Peter Falkner von der Band "Attwenger" führt eine Liebes- und Hassbeziehung mit der Quetschn. Mit Musiklehrern war sie furchtbar, er könne das nicht, es mache keinen Sinn ... Aber sein Großvater hat es ihm beigebracht: Du spielst halt, wie du spielst, hat er gesagt. Und wie er spielt! Schon als Kind ist er mit seinen Gstanzl singenden Eltern in Wirtshäusern aufgetreten. Und heute stöpselt er das Instrument an den Verstärker wie eine E-Gitarre, arbeitet mit Verzerrung und Rückkopplungen. Er sagt, das Tolle an der Quetschn ist, dass man die Melodieseite und die Bassseite hat, den Mund dabei frei zum Singen, und auch die Füße noch frei - mit ihr ist man wie eine One-Man-Show, beweglich!
Christoph Wagner: "Das Akkordeon oder die Erfindung der populären Musik", Verlag Schott Music
Autorin Fernsehbeitrag: Gabriele Pfaffenberger

Wetter


