Paolo Pellegrin Kriegsfotograf und hochsensibler Chronist unserer Zeit
All die anonymen Katastrophen, die aus unserem Fernseher rauschen - der Fotojournalist Pellegrin gibt ihnen ein Gesicht, ein menschliches Antlitz.
Die Leiche eines Jungen, getötet durch einen Luftangriff im Libanon. Ein Flüchtlingskind in Darfur. Ein israelischer Scharfschütze, kurz vor seinem Einsatz. "Durch meine Arbeit habe ich oft erlebt, wie Kontrollsysteme, die ein ziviles Miteinander regeln sollen, einfach zusammenbrechen - und das macht mir Angst. Aber ich weiß auch, dass wir zu außerordentlichen Dingen fähig sind", sagt er. Der 1964 in Rom geborene Pellegrin fährt dorthin, wo Naturkatastrophen und Kriege zu existentieller Not führen, um Zeuge zu sein.
Anfang der Neunziger Jahre hat er zum ersten Mal aus dem Kosovo berichtet. Mittlerweile hat er acht "World Press Awards" gewonnen. Seit 2005 ist er Mitglied bei Magnum, arbeitet für die "New York Times", für "Newsweek", für "Die Zeit". 300 Tage im Jahr ist er unterwegs. Unter Lebensgefahr im Gaza-Streifen, im Wahlkampf mit Obama, im Interview mit Gaddafi - dann schnell nach Hollywood. Ist das nicht viel zu viel für ein Leben? "Nein, auf keinen Fall. Ich denke immer, ich mache nie genug. Es gäbe noch so viel mehr, das ich tun könnte." Nach dem Tsunami in Japan im März 2011 ist er sofort nach Tokio geflogen, um anschließend die Ostküste zu fotografieren. "Je länger ich das mache, desto mehr stelle ich alles in Frage", sagt er. "Ich reagiere immer empfindlicher auf den Tod und Situationen wie diese. Um ehrlich zu sein - ich weiß nicht, wie lange ich mich all dem noch aussetzen kann." Das Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern zeigt jetzt eine Retrospektive seiner Fotoreportagen.
Info
Die Ausstellung "Paolo Pellegrin. Retrospektive" ist noch bis zum 20. Februar 2012 im Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern in München zu sehen.
- Stern Portfolio: "Paolo Pellegrin" ist im teNeues Verlag erschienen.
- Paolo Pellegrin: "Dies Irae" ist im Contrasto Verlag erschienen.
- Paolo Pellegrin: "As I Was Dying", ist in der Edition Braus erschienen.
Autorin Fernsehbeitrag: Lydia von Freyberg

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