Bayerisches Fernsehen - Capriccio

Klimawandel Ewiges Eis?

Wie relativ die Ewigkeit ist, kann man auch ganz wunderbar an den Gletschern sehen - von wegen ewiges Eis. In 20 Jahren wird es keinen Schnee mehr geben in den bayerischen Skigebieten, in 15 Jahren werden alle Gletscher in Bayern geschmolzen sein. Ein Projekt in München dokumentiert ihr Verschwinden.

Stand: 18.01.2012
Lift bei Garmisch-Partenkirchen | Bild: BR

Auch an der Zugspitze befand sich einmal ein Gletscher ... Das werden Schüler der kommenden Generationen vielleicht sehr bald so lernen. Denn der Schneeferner, jener Gletscher auf dem Zugspitzblatt löst sich auf, er ist in den letzten Jahren noch viel schneller geschmolzen als befürchtet, und auch die riesigen Abdeckplanen, die man mittlerweile im Sommer auflegt, um ihn vor Sonne und Regen zu schützen, werden ihn nicht davor retten, bald schon Geschichte zu sein. Die Gletscherlandschaft verändert sich dramatisch, ob am Schneeferner, der Pasterze am Großglockner, oder dem Aletschgletscher in der Schweiz - dem größten der Alpen. Das Gletscherarchiv in München stellt eine Vielzahl alter Aufnahmen von Alpengletschern aktuellen Fotos gegenüber, die jeweils vom gleichen Ort aus aufgenommen wurden. Keine schwierigen Bilderrätsel - die Unterschiede sind frappierend und auf den ersten Blick zu sehen.

Der Schneeferner im Vergleich: um 1910 ...

Nicht nur in Bayern, sondern in den ganzen Alpen wird es bald keine Gletscher mehr geben - ihr ewiges Eis wird das nächste Jahrhundert wahrscheinlich nicht mehr erleben. Die Welt schmilzt dahin - ob im Himalaya, den Anden, am Kilimandscharo, der Arktis oder Antarktis. Klimaforscher verlieren mit dem Ende der Gletscher ein wichtiges Archiv, denn das Eis bewahrt die Klimainformationen der zurückliegenden Jahrtausende. Aber es gibt auch handfeste Folgen des Gletschersterbens: Schutt und lockeres Gestein kann in Muren oder Erdrutschen abgehen, gefährliche, sich schnell bildende Gletscherseen können Fluten in die Täler entladen. Sowohl Überschwemmungen als auch zunehmende Trockenheit in den Ebenen werden häufiger. Und weil auch die Permafrostareale auftauen, kommt es zu großen Bergstürzen. Der Klimawandel wirkt im Großen und im Kleinen: Wir waren Anfang Januar in Garmisch-Partenkirchen, wollten sehen, wie sich die Erwärmung auf den Wintersport auswirkt. In Bayern könnte es bald damit vorbei sein, zumindest mit den Ski-Talfahrten. Wir haben mit Axel Doering vom Bund Naturschutz, mit Peter Huber von der Bayerischen Zugspitzbahn und mit Wolfgang Zängl vom Gletscherarchiv gesprochen. Ein verregneter Wintertag im Skigebiet. Inzwischen hat es wieder geschneit - aber zählen kann man darauf nicht mehr ... Der Klimawandel ist keine abstrakte Größe und wir werden ihn weiter zu spüren bekommen.

Autor Fernsehbeitrag: Andreas Krieger