Nach dem Goldrausch Die geraubten Schätze aus dem Bullenheimer Berg
Der Bullenheimer Berg in Unterfranken gilt als Troja des Nordens. Hier wurden jede Menge Fundstücke aus dem Altertum ans Licht geholt - die meisten allerdings von Raubgräbern. Die Geschichte einer beispiellosen Plünderung.
Eine Ausstellung in Iphofen vereint jetzt erstmals die wichtigsten, zum Teil spektakulären Fundstücke. Zum Beispiel Goldhelme, die vermutlich einmal Priester getragen haben, oder ein Goldornat - wahrscheinlich Teil kultischer Kleidung. Auch jede Menge Bronzefunde kamen hier aus dem Boden: Schmuck, Werkzeuge, Gefäße. In der Bronzezeit, etwa 800 bis 900 Jahre vor Christus, war der Bullenheimer Berg besiedelt und vielleicht auch ein heiliger Ort.
Man weiß sehr wenig über die damalige Siedlungskultur, und eine Rekonstruktion ist vor allem auch deshalb sehr schwierig, weil schätzungsweise 95 Prozent der Fundstücke verloren gingen - also in alle Welt zerstreut wurden, von den Raubgräbern verkauft. Auch die Museumsstücke aus München, Würzburg, Nürnberg und Berlin, die man jetzt in Iphofen bestaunen kann, wurden von den Museen oft teuer angekauft, wenn sie im Kunsthandel auftauchten.
Als in den 70er-Jahren ein Aussichtsturm gebaut wurde, fand man bei den Bauarbeiten erste Schätze und Reste einer Befestigungsanlage. Dass aus dem Bullenheimer Berg eine Menge zu holen ist, hat sich anschließend in der Goldgräber-Szene schnell herumgesprochen. Trotz offizieller Grabungen ab den 80er-Jahren hatten die Sondengänger leichtes Spiel, das Areal auf eigene Faust weitgehend leerzuräumen ... Auch die Rechtsprechung kam dabei den Raubgräbern zupass: Fast überall in Europa gehören alle Fundstücke erst mal grundsätzlich dem Staat, nicht aber in Bayern. Dort gehören sie zur Hälfte dem Finder und zur Hälfte dem Bodenbesitzer. Der Staat müsste dann, wenn ein Stück auftaucht, erst mal nachweisen, dass es illegal ausgegraben wurde ...
Info
Die Ausstellung "Mythos Bullenheimer Berg" ist noch bis zum 4. November 2012 im Knauf Museum Iphofen zu sehen.
Autor Fernsehbeitrag: Joachim Gaertner

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