Bayerisches Fernsehen - Capriccio

"Schwoabmers obi!" Das letzte Konzert der Biermösl Blosn

"Jetzt sind es noch die Biermösl Blosn! - In vier Stunden waren sie die Biermösl Blosn, und dann fange ich an, mich zu erinnern, dass es die gegeben hat. Und in der Gegenwart muss ich sagen, das sind drei Well-Brüder - ein Riesenunterschied!" Gerhard Polt kurz vor dem historischen Ereignis, am 18. Januar im Stadttheater Fürth. Das Abschiedskonzert der Biermösl Blosn! Kurz vor Beginn haben wir noch mit ihnen gesprochen. Das letzte gemeinsame Interview.

Stand: 25.01.2012
Die Biermösl Blosn bei ihrem Abschiedskonzert | Bild: BR

Hans, Christoph (Stofferl) und Michael Well: Drei Brüder aus der 15-köpfigen Geschwisterschar der Well-Familie aus Günzlhofen. "Wir waren die 'Welly-Family‘ sagt Hans. Schon als Kinder fuhren sie mit dem Vater zu den Vereinsfesten und Weihnachtsfeiern im Umland und spielten Volksmusik. 1976 gründeten die drei die "Biermösl Blosn". Ihre Texte wurden immer kritischer und die Volksmusik wurde vom harmonischen Dreiklang und ihrer angestaubten Biederkeit befreit. In den 80er-Jahren wurden sie zu einem wichtigen Teil der Protestbewegung. Gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage von Wackersdorf haben sie angesungen, gegen den Autobahnbau durchs Isental und gegen den Transrapid. Mit ihrem legendären "BayWa-Lied" haben sie schon 1982 gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft und den Ausverkauf der Heimat protestiert.

Gerhard Polt und Christoph, Hans und Michael Well von der Biermösl Blosn

Auf circa 3.500 Auftritte haben sie es gebracht - und der in Fürth, gleich nach unserem Interview war nun also der letzte davon. "Mir waren es auf jeden Fall nicht genug Auftritte" sagt Hans Well im Interview, "ich hätte gerne mehr gemacht - ich habe halt lange darauf gedrängt, dass wir ein neues Programm machen ..." Warum jetzt das Ende der Biermösl? "Ein Hauptgrund ist, dass ich für mich einfach noch etwas anderes ausprobieren will", sagt Stofferl, "jetzt kann ich dass alles machen, wofür ich vorher keine Zeit hatte." Auch Michael will einfach mehr Zeit haben für andere Projekte und weist auf die Besonderheit der Band hin: "Wir sind drei Brüder! Dass wir überhaupt 35 Jahre lang zusammen gespielt haben, das muss man sich mal vorstellen, ist doch schon etwas besonderes." Dazu Hans: "Und wir sind alle noch unverletzt". - Doch was macht Gerhard Polt, der so oft mit ihnen gemeinsam aufgetreten ist, jetzt ohne Biermösl Blosn? "Ich sitze vollkommen alleine und vereinsamt vor einen Wurstbrot", sagt er, "und da tue ich mir noch eine Essiggurke drauf und muss dann warten, was kommt." Die Biermösl Blosn ist Geschichte - und was für eine! Die schönsten Momente ihres Abschiedskonzerts und die wichtigsten Stationen ihrer 35-jährigen Bandkarriere in Capriccio.

Autoren Fernsehbeitrag: Norbert Haberger / Joana Ortmann