Baku, Aserbaidschan Wenige Monate vor dem Eurovision Song Contest
Wie Menschenrechtsvertreter und oppositionelle Medien das internationale Großereignis nutzen, um auf Willkürherrschaft und gravierende politische Missstände in Aserbaidschan aufmerksam zu machen.
Am 26. Mai ist es soweit: Das Finale des Eurovision Song Contest 2012 in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, ein Riesenspektakel. Baku hat in den letzten Jahren einen rasanten Bauboom erlebt, finanziert durch Ölmilliarden. Hunderte neuer Hochhäuser und Immobilienpreise auf dem Niveau von London oder New York. Auch der "Crystal Hall" für den Song-Contest mussten blockweise Wohnhäuser weichen. Oppositionelle sagen, dass im letzten Jahr in Baku 20.000 Menschen ihre Wohnungen verloren haben. "Das sind mafiöse Strukturen hier", klagt die Menschenrechtskämpferin Leyla Yunus. "Kein Mensch kann sich sicher sein, dass nicht einfach sein Haus abgerissen wird. Es gibt keinen Plan, nur Willkür. Da kann einfach irgend jemand kommen und sagen: 'Ich will ein Hotel bauen, ein Bürogebäude. Genau hier.'" Auch ihr Haus im Zentrum der Stadt wurde abgerissen. Eine Entschädigung hat sie nicht bekommen. "Ich möchte, dass Sie wissen, dass der 'Eurovision Song Contest‘ nichts ist, was den Menschen in Aserbaidschan Freude bringt", sagt Yunus. "Er hat neue Tragödien gebracht. Was soll das für ein Eurovisions-Konzert werden - in einem Land, wo es Folter gibt, politische Gefangene? Keine freien Wahlen, keine Versammlungsfreiheit, keine Meinungsfreiheit, nichts!"
Das Land wird autoritär vom Aliyev-Clan regiert. Heydar Aliyev war zehn Jahre lang Präsident, dann kam sein Sohn Ilham an die Macht. 2011 haben Bürger in Baku gegen Korruption und Willkürherrschaft protestiert, doch der Obrigkeitsstaat hat mit Polizeigewalt reagiert. Auch Radio und Fernsehen werden in Aserbaidschan vom Staat kontrolliert. Junge Journalisten, die einen Internet-Fernsehsender betreiben, versuchen dennoch, die Aufmerksamkeit für den Eurovision Song Contest zu nutzen. "Wir planen gerade ein eigenes Festival: 'Sing for Democracy'", sagt Emin Huseynov vom "Institute For Reporters' Freedom and Safety". "In Aserbaidschan gibt es zwar keine Versammlungsfreiheit, aber wir wollen es trotzdem versuchen. Wir wollen kurz vor dem Eurovision Song Contest ein großes Open Air veranstalten. Dazu laden wir Künstler aus allen Nachbarländern ein. Sie sollen Lieder über die Demokratie singen - Lieder über Menschenrechte."
Autor Fernsehbeitrag: Klaus Uhrig

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