Skicross, Slopestyle & Co. Zwischen Reiz und Risiko
Jung, attraktiv, aber gefährlich - das sind die neuen Trendsportarten Skicross, Slopestyle & Co. Sie leben vom Spektakel, bergen aber großes Risiko. Skicrosserin Heidi Zacher und DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier über die Disziplinen auf der Überholspur.
Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Das direkte Duell. Wer zu erst im Ziel ist, hat gewonnen. Das ist Skicross. Schnell erklärt, leicht verständlich und attraktiv. Aber auch riskant. Stürze gehören dazu, Spektakel sowieso und doch fährt die Gefahr immer mit. Die Frage ist: Ist Skicross zu sensationsgeil? Oder findet die Disziplin eine vernünftige Balance zwischen Spektakel und Sport?
Olympia 2010: Seit Vancouver ist Skicross vielen ein Begriff. Der Newcomer des olympischen Programms wird medial, erzielt prächtige Einschaltquoten und schickt sich seitdem an professionell zu werden. Kapital zu schlagen. Doch die Frage ist für welchen Preis? Spektakel, Stürze, Skiakrobatik mit Nervenkitzel das zieht. Aber zu viele Stürze, auch zu gefährliche, sind in letzter Zeit passiert. Die Sportart ist am Limit, vielleicht auch schon darüber.
Je niveauvoller, desto gefährlicher
Heidi Zacher, Deutschlands Beste, hat es nun auch erwischt. Spiralbruch des Unterschenkels, Operation, die Saison ist für die 23-Jährige beendet. "Die Weltspitze ist zusammengewachsen, da wird es enger und auch gefährlicher", sagt die Lenggrieserin und fügt hinzu: "Früher hat sich das Rennen meist schon am Start entschieden. Aber heute kommen vier Fahrer gleichzeitig zum ersten Sprung. Und zu viert verhakelt man sich halt leichter."
Heiße Duelle
Skicross ist eine harte Sportart. Nahkampf! Aber genau das wollen die Zuschauer sehen, vor allem die jungen Zuseher. Und deshalb steht Skicross auch im medialen Interesse. "Natürlich soll der Kurs nicht leichter werde, es soll technisch anspruchsvoll bleiben", meint Zacher. Und dennoch könnte man den Kurs weniger riskant gestalten. "An manchen Stellen kann man das Tempo drosseln. Von Tempo 80 auf 60. Das merkt der Zuschauer gar nicht", meint die Gesamtweltcup-Zweite der vergangenen Saison. "Im Gegenteil", das würde zu mehr Überholmanövern führen und das sei doch auch interessant für die Zuschauer.
"Die Athleten muss man schützen"
Wolfgang Maier, Sportdirektor des Deutschen Skiverbands DSV, ist auch der Meinung, dass man die Athleten schützen sollte. "Die junge Sportart muss mitwachsen, was die Themen Reglement und Pistenbau betrifft. Gerade wenn sie sich Richtung Profisport entwickeln will", sagt Maier. In der Tat, wurde nach Olympia alles anders. Nach dem Erfolg, gab es auch mehr Förderung. Heute übernimmt der Verband alle Kosten, zum Team gehören nicht mehr nur Trainer, sondern auch ein Physiotherapeut, ein Arzt und ein Servicemann. Und dennoch muss sich die Sportart neu orientieren, um nicht Gefahr zu laufen, alles zu sehr auf Spektakel zu bürsten. "Wir brauchen einen Umbau des Reglements und eine Sanktionierung. Absichtliche Fouls müssen geahndet werden durch einen Richter oder einen Maßnahmenkatalog", sagt DSV-Mann Maier. Fair soll gewonnen werden. Schließlich wolle man doch auch Werte vermitteln, meint Maier. Und dazu muss sich eine neue, interessante Sportart auch in ein Reglement einbetten.

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