1. Februar 2012 Haidmühle/Neureichenau
Die Themen der Bayerntour "Rund um den Dreisessel"
Winterparadies am Dreisessel: Huskys, Langlauf, Hüttenzauber
Morgens, wenn er im Winter flott mit seinen Langlaufskiern durch das ewige Weiß des Bayerwaldes gleitet, da ist er ganz eins mit sich und seiner Welt. Als wäre er schon immer hier gewesen. So fühlt sich Helmut Vitt, der ehemalige Bahn-Mitarbeiter aus dem fernen Siegerland. Haidmühle mit den bekannten Schlittenhunderennen, die Grenzlage zu Böhmen und Österreich und besonders Neureichenau mit dem sagenumwobenen Dreisessel-Berg und den vielen Loipen hatten es ihm angetan. Und er ist inzwischen etabliert bei den Einheimischen und hat hier eine neue Heimat gefunden: als Sportler, als engagierter Reiseführer ins benachbarte Tschechien und als Musiker.
Vergängliches Gotteshaus: Bürger bauen Schneekirche
Wochenlang mussten die Leute aus Mitterfirmiansreut mühsam jede Schneeflocke zusammenkratzen, um ihren Traum aus Schnee zu verwirklichen. Sogar mit Lastwagen karrten sie den kostbaren Stoff zur Baustelle. Am 28. Dezember war es dann endlich soweit: das geschwungene Bauwerk steht - ein futuristisches Gewölbe, überragt von einem 18 Meter hohen Turm. Die Mitterdörfler wollten damit eine Attraktion schaffen und an die erste Schneekirche im Ort erinnern. Vor rund 100 Jahren gab es in dem Bergdorf kein Gotteshaus, und die Menschen mussten zur Messe ins zwei Stunden entfernte Mauth laufen. Damals waren die Winter im Bayerwald noch so hart, dass dieser Weg manchmal wochenlang nicht passierbar war. Nachdem die Mitterdörfler es einmal witterungsbedingt nicht zur Christmette geschafft hatten, bauten sie aus Protest 1911 ihre eigene Kirche - aus dem Material, das es damals noch im Überfluss gab: Schnee. Die Kirchenbauer von heute plagen neben den schwierigen Witterungsbedingungen noch andere Sorgen: Sie hatten auf EU-Fördergelder gehofft, aber die fließen nicht. Eine Mammutaufgabe für die Bürger.
1001 Nacht: Bayerwald-Betten für Dubai
Sobald es Nacht wird, sind sich der Bayerische Wald und Dubai ganz nahe. Denn wer sich im Siebensternehotel Burj Al Arab schlafen legt, der deckt sich mit einem Produkt aus Haidmühle zu. Genauer: Mit einer Mühldorfer-Decke. Seit 1920, seit Sidonie Mühldorfer den Betrieb gründete, werden dort Betten mit Daunen gefüllt. Die Großnichten Elisabeth Hintermann und Maximiliana Pangerl sind die vierte Generation in dem Traditionsbetrieb und haben die enge Verbindung in den Mittleren Osten geknüpft. Ende der 1980er Jahre suchten sie neue Vertriebswege und überzeugten bei Messeauftritten in dem Emirat. Andere ferne Länder folgten. Seitdem geht es Schlag auf Schlag, beziehungsweise Feder auf Feder. Das weiche Bettenzubehör kommt mitunter auch von der isländischen Eiderente, die auf ihrer Brust die teuerste Daune der Welt trägt. Doch bei aller Globalisierung – in einem sind die Chefinnen ganz traditionell: Der Firmenstandort bleibt im Bayerischen Wald. Schon allein wegen des besonders reinen Wassers, das die Daunen so unvergleichlich weich macht.
Dorf-Theater: Leopoldsreut erwacht aus Dornröschen-Schlaf
Ein schiefes Ortsschild zwischen hohen Bäumen. Sonst deutet kaum noch etwas hin auf das tote Dorf Leopoldsreut. Seit vor 50 Jahren der letzte Bewohner sein Haus verlassen musste, ist nur noch ein Mythos geblieben. Diesem spürt der Theaterautor Michael Sellner nach. Im Sommer 2010 baute er auf 1100 Metern Höhe, wo einst das Dorf stand, eine Bühne auf. Mit über hundert Schauspielern erzählte er dort das Schicksal des Ortes nach: Die Gründung im Jahr 1618 durch den Fürstbischof Leopold I., das Dasein der Bewohner als Säumer am "Goldenen Steig", die bittere Armut in unwirtlicher Höhe. Und den Schmerz, als die Forstverwaltung im Jahr 1962 den Abriss der 21 Häuser anordnete. Über 3.000 Zuschauer ließen sich von dem Historienspiel fesseln – ein Riesenerfolg. Heuer jährt sich zum 50. Mal das Ende von Leopoldsreut. Grund genug für Michael Sellner, im Juni 2012 die Bühne noch einmal aufzubauen. Gemeinsam mit seinen Schauspielern, Musikern und Helfern erweckt er ein Stück fast vergessene Heimat.
Familien-Bande: Brauer, Bauer und Briefmarken
Vater Wilhelm Sitter kann stolz auf seine Familie sein: Aus seinen drei Söhnen ist allesamt etwas geworden! Der eine – Markus Sitter - hat den Briefmarken-Handel des Vaters übernommen, Sohn Bernhard ist ein echter Feinschmecker und der erste Biersommelier-Wirt Deutschlands. Und Sohn Wilhelm junior setzt auf die Landwirtschaft. Nach der BSE-Krise sattelte er von Galloways auf Hereford-Rinder um. Er züchtet die Exil-Schotten nicht nur auf seinem Hof, sondern auch im benachbarten Tschechien. Alles Öko bei den Sitters - zumindest streng nach dem Reinheitsgebot.
Hagel, Blitz und Donner: Unterwegs mit einem "Sturmjäger"
Rau ist das Wetter im Bayerischen Wald, und deshalb ist hier der perfekte Ort für das Hobby von Martin Zoidl. Er ist Sturm-Jäger. Was das ist? Einfach ausgedrückt: ein Wetter-Verrückter. Wenn es irgendwo blitz, donnert, stürmt und hagelt, dann geht Martin Zoidl das Herz auf. Sobald sich eine Schlechtwetterfront nähert, sitzt er stundenlang am Computer und beobachtet das Wetterradar, wartet ab, um dann im richtigen Moment los zu düsen. Mit seiner Kamera mitten hinein in die schönsten Unwetter, um sie zu filmen und zu fotografieren. So wie Anfang Januar, als das Sturm-Tief Andrea mit Orkanböen über die Hänge des Bayerwaldes peitschte. Auf der Internet-Plattform hat der 20-jährige schon eine Fan-Gemeinde, die darauf wartet, dass Martin Zoidl seine neuesten Jagd-Trophäen in Film-Form präsentiert. Und wenn es mal nicht klappt, dann hat der Sturmjäger zumindest ein Wetter-Phänomen als Trost immer vor der Haustüre: Haidmühle ist dank seiner besonderen kleinklimatischen Lage der kälteste Ort Deutschlands außerhalb der Alpen.
Eisiges Vergnügen: Eine Nacht im Iglu
Wohnen wie ein Eskimo – mitten im Bayerischen Wald? Ja, das geht, und möglich macht das Daniel Eller. Mit einem Freund hatte er die Idee, denn hier in der Region sind die Voraussetzungen ideal, Iglus zu bauen. So errichten die beiden Bayerwaldler an den Hängen des Dreisessels seit drei Jahren mehrere Schnee-Häuschen. Das machen die beiden natürlich nicht nur zum Vergnügen: Sie wollen damit ihre Heimat als Tourismusregion noch attraktiver machen. Denn abenteuerlustige Touristen können in den kleinen Schnee-Behausungen auch übernachten. Und wer möchte, kann sich sein ganz eigenes Iglu selbst errichten, was dann aber gut vier bis acht Stunden dauert.

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