Bayerisches Fernsehen - Bayerischer Kabarettpreis

Bayerischer Kabarettpreis Preisverleihung 2011

Im Jahr 2011 hießen die Preisträger Mark-Uwe Kling, Carmela de Feo, Josef Hader und Ottfried Fischer.

Stand: 24.01.2012
Fotos Bayerischer Kabarettpreis 2011 | Bild: BR/Wilschewski

Es war ein internationaler Abend: Polen, Griechen, eine Italienerin, ein Franzose und zwei Berlin-Kreuzberger brachten die große Welt ins Münchner Lustspielhaus. Am Ende wurde es doch noch echt bayerisch: Der Ehrenpreis ging an Ottfried Fischer, den die Laudatio seines Freundes Christian "Fonsi" Springer zu mindestens einem "Tränchen" rührte.

Durch den Abend führte ein entfesselter und souveräner Michi Altinger, der gemeinsam mit "Der Familie Popolski" dem Abend nicht nur einen angemessenen Rahmen sondern viele eigene Höhepunkte lieferte. Sei es mit einem polnischen Trinkritual, der heißen Cousine, genannt "Lady of Polka" - oder der Legende von Dieter Bohlen und den gestohlenen polnischen Popsongs. Letztendlich, so Altinger, eint die Bayern und die "Polen" doch mehr als sie trennt: Berauschende Getränke und die Liebe zum Papst.

Die Preisträger 2011

Senkrechtstarter

Fotos Bayerischer Kabarettpreis 2011 | Bild: BR/Wilschewski

Die beiden bringen Hauptstadtflair nach München: Senkrechtstarter Preisträger Marc-Uwe Kling und Laudator Bodo Wartke sind Nachbarn in Berlin- Kreuzberg. Aus Berlin und von den gemeinsamen Poetry Slams erzählt Bodo Wartke in seiner Laudatio, in der er eindrucksvoll die Bratapfel-Römertopf-Analogie heraufbeschwört. So oft Marc-Uwe Kling in Poetry-Slams den Hauptpreis - einen Bratapfelrömertopf - mit nachhause nehmen durfte, so sehr freut sich Wartke nun für ihn, dass die Preise endlich nicht mehr "aus Terrakotta" sind. Poetry-Slam Superstar Kling, der anschließend - genau wie Wartke beschrieb " völlig lässig und unprätentiös", aus seinem Buch vorliest, bringt das Publikum zum Toben.

Musikpreis

Fotos Bayerischer Kabarettpreis 2011 | Bild: BR/Wilschewski

Alfons, Laudator des Musikpreises und charmanter Blödelfranzose - diesmal ohne Puschelmikrofon unterwegs - ist sich sicher: Die Bayern haben ihn auf die Bühne geholt, damit er französische Erotik ins Programm bringt. An Selbstbewusstsein mangelt es auch der Preisträgerin des Musikpreises nicht. "Mein Körper ist eine sexuelle Erlebniswelt" skandiert sie - und die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihr sicher. Carmela de Feo zeigt, wie es ihr trotz der fast schon legendären Unerotik ihres Akkordeons möglich war, zur preisgekrönten, sexiest-Kabarettistin-alive zu avancieren.

Hauptpreis

Fotos Bayerischer Kabarettpreis 2011 | Bild: BR/Wilschewski

"Nein, er ist nicht perfekt", räumt Dieter Nuhr mit dem vermuteten Irrglauben auf: Josef Hader, Träger des Hauptpreises 2011, hat laut Nuhr mindestens drei Defekte: "Er ist 49, leicht sehbehindert und Österreicher." Trotzdem und eindeutig: Ein Virtuose seines Faches: "So lustig, dass es ans Bekloppte grenzt", "der Größte" und - ganz wichtig: "Er sucht den Abgrund". Hader zieht in seinem Auftritt vom Leder und packt ein Menschheitsklischee nach dem anderen aus. Ob Haustierbesitzer, Frauen, Rentner oder Bulgaren - jeder im Publikum findet sich - oder besser gesagt viele Bekannte in seiner scharfen Darstellung wieder. "Vorurteile, das ist gelebte Erfahrung. Von anderen.", so provoziert Hader - und das Publikum folgt seinen beißenden Darstellungen und lacht Tränen.

Ehrenpreis

Fotos Bayerischer Kabarettpreis 2011 | Bild: BR/Wilschewski

Zum Höhepunkt des Abends bringt es der bayerische Obergrantler vom Dienst, Christian "Der Fonsi" Springer auf den Punkt: "Gwoant hat no koaner". Das will er dann auch schleunigst nachholen und hält eine Laudatio auf seinen Freund Ottfried Fischer, an der nichts fehlt: Schonungslose Wahrheiten, ehrlicher Dank, ein Quäntchen Rührseligkeit und ein großer Aufreger. Und dann ist es soweit. Ehre, die dem Ehrenpreisträger des Abends gebührt: Bei Standing Ovations im Lustspielhaus verdrückt sogar Ottfried Fischer "ein Tränchen" - bevor er in gewohnter Schlachthof-Manier die Menge bändigt. Beklatscht und umjubelt nimmt er die Zuschauer anschließend mit auf eine Reise zu seinen kabarettistischen Wurzeln. Ob als Franz Josef Strauss oder Grzimek, ob von Hildebrandt oder Tschiersch - der Abend endet mit bewegenden Anekdoten über die ganz persönlichen Stationen seines künstlerischen Wirkens.

Info

Die Aufzeichnung des Bayerischen Kabarettpreises fand am Dienstag, 27. September 2011, im Münchner Lustspielhaus statt.