TV-Slowenien Die Internetplattform Supervisor
In Slowenien und in vielen anderen EU-Staaten sorgte in den letzten Monaten eine einfache Web-Applikation mit Namen Supervisor für Aufsehen.
Sie ermöglicht es den Staatsbürgern zu überprüfen, mit wem ein bestimmtes staatliches Organ Geschäfte macht.
Die Webapplikation, die von der slowenischen Antikorruptionskommission konzipiert wurde, rief in den ersten Tagen nach ihrer offiziellen Präsentation bei den Slowenen unglaubliche Reaktionen hervor. Schon am ersten Tag wurden nämlich 1,2 Millionen Klicks gezählt. Das ist auch nicht verwunderlich, da die Medien in den letzten Monaten beinahe regelmäßig über verdächtige Geschäfte zwischen staatlichen Institutionen und Privatunternehmen berichten, die gute Verbindungen zu politischen Parteien haben.
Großes Echo auf die Datenbank
"Dieses große Echo hat uns sehr überrascht. Wir haben erwartet, dass der Supervisor drei Phasen durchlaufen wird: In der ersten Phase herrschen Faszination und Neugier vor, was auch gestimmt hat; in der zweiten Phase werden die Daten skandalisiert und es werden Verschwörungen und Skandale gesucht, die vielleicht keine reale Grundlage haben; in dieser Phase wird auch versucht Supervisor abzuschaffen. Ich denke, dass wir uns jetzt schon auf dem Weg in die dritte Phase befinden, in der Supervisor ein normales, alltägliches Tool wird."
Rok Praprotnik, Antikorruptions-Kommission
Kreuzrecherche vom Computer daheim
Was ermöglicht eigentlich Supervisor? Sein Hauptvorteil ist die einfache Handhabung. Jeder, der Zugang zum Internet hat, kann es benützen. In das Suchfeld wird ein bestimmtes staatliches Organ oder ein Empfänger einer staatlichen Subvention eingetragen und die Anwendung präsentiert die Resultate in Form von Angaben darüber, wie viel Geld eine Person oder ein Unternehmen von staatlichen Institutionen erhalten hat. Interessant ist auch die Angabe, wann die Geschäfte getätigt wurden.
"Wenn Sie sich erinnern, gab es am ersten Tag beinahe einen Skandal, weil das Gericht in Maribor einem Geschäft mit Erotikartikeln einen Betrag bezahlte. Das war eine Neuigkeit und ein Skandal. Später stellte sich heraus, dass eine Gebühr rückerstattet worden war. Die Daten im Supervisor ermöglichen es uns, bessere Fragen zu stellen. Davor war es gar nicht möglich, bestimmte Fragen zu stellen, weil man nicht wusste, dass überhaupt etwas geschehen war."
Rok Praprotnik, Antikorruptions-Kommission
Transparenz per Mausklick
Interessant ist auch, dass manche Unternehmen und Personen in Schwierigkeiten kamen. So musste sogar die Innenministerin zurücktreten, die das Gebäude des nationalen Nachrichtendienstes nach einer vorher angepassten Ausschreibung von einem Freund mietete. Diese Ereignisse waren nicht einmal besonders Aufsehen erregend.
"Interessant waren zwei Dinge: Zum einen die großen Summen, um die es bei Lieferanten im Gesundheitswesen geht. Wir sprechen hier von Milliarden, die einen Einblick bieten, welche Dimensionen das Geschäft mit Medikamenten und medizinischen Ausstattungen hat. Das vergessen wir manchmal, wenn wir über Einsparungsmaßnahmen der Krankenkasse sprechen. Das zweite, was mich überrascht hat, ist die Geldmenge, die an kirchliche Institutionen ging. Hier bewegen sich die Summen bei etlichen Millionen."
Primoz Cirman
Die Antikorruptionskommission hat nach dem Erfolg mit Supervisor ihre Arbeit noch nicht beendet. Es wurde ein Ausbau des Systems angekündigt. Slowenien soll eine führende Rolle bei der Vernetzung der Erfahrungen mit Antikorruptionsmaßnahmen in Europa übernehmen.

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