BR Fernsehen

Meine Tante aus Fukushima

Filmemacherin Kyoko Miyake mit ihrer Tante Kuniko. | Bild: © WDR/WDR/Inselfilm/Shai Levy, honorarfrei Ð Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/WDR/Inselfilm/Shai Levy" (S2). WDR-Pressestelle/Fotoredaktion 0221 220 -2408 oder -4405 Fax -8471 mail fotoredaktion@wdr.de

Nacht auf Mittwoch, 12.03.2014
00:15 bis 01:35 Uhr

BR Fernsehen
Deutschland/Japan 2013

Vor drei Jahren, am 11. März 2011, erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 große Teile Japans. Der anschließende Tsunami führte im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zu einer Reihe katastrophaler Unfälle und schwerer Störfälle, die dazu führten, dass es in Block 1 bis 3 zu Kernschmelzen kam.

Große Mengen an radioaktivem Material traten ins Freie und verseuchten weite Landstriche. Tausende Menschen der nahe gelegenen Stadt Namie mussten zwangsevakuiert werden. Unter ihnen auch die Geschäftsfrau Kuniko, die zu dieser Zeit in Namie einen Hochzeitssalon, ein Bestattungsunternehmen und eine Bäckerei unterhielt.

Fünf Monate nach der Katastrophe macht sich ihre in London lebende Nichte Kyoko Miyake auf den Weg nach Japan. Die junge Regisseurin möchte einen Dokumentarfilm über ihre Tante und deren Umgang mit den Ereignissen drehen.

Kuniko, eine quirlige, ältere Frau, scheint trotz der schrecklichen Ereignisse ihren Lebensmut nicht verloren zu haben. Inmitten der verwüsteten und verlassenen Stadt sucht sie im Strahlenanzug ihre zerstörten Geschäfte auf und hofft darauf, bald gemeinsam mit ihrem Mann zurückkehren zu können. Doch dann erklärt die Regierung die Stadt aufgrund der hohen Strahlungswerte endgültig zur Sperrzone.

Mit "Meine Tante aus Fukushima" inszenierte Kyoko Miyake einen spannenden Dokumentarfilm, der einen intimen Einblick in eine zutiefst traumatisierte Gesellschaft bietet. Die persönliche Krise der von ihrer Nichte mit der Kamera begleiteten Geschäftsfrau erscheint dabei zunehmend als Sinnbild der nationalen Krise der japanischen Gesellschaft, die durch die Nuklearkatastrophe ausgelöst wurde.

Miyakes Dokumentarfilm liefert zudem viele Informationen über die Vergangenheit Fukushimas: über die Zeit vor dem Bau des Kraftwerks, über den Druck, den die Behörden und der Atom-Betreiber TEPCO auf widerwillige Bürger ausübten und über die hohen Erwartungen, die mit der Fertigstellung des AKWs verbunden waren.

Archivaufnahmen ergänzen die persönlichen Kommentare der Protagonisten. So werden beispielsweise Privatvideos aus der Zeit gezeigt, in der die Stadt Namie noch ein idyllischer Küstenort war, aber auch Werbefilme der Atomenergie-Industrie, die anschaulich die Lüge von der vermeintlichen Sicherheit atomarer Energiegewinnung verdeutlichen.

Regie: Kyoko Miyake
Redaktion: Natalie Lambsdorff

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