Bayerisches Fernsehen

Gekaufte Wahrheit - Gentechnik im Magnetfeld des Geldes

Andrew Kimbrell, Leiter des "Center for Foodsafety" in Washington. Weitere Bilder finden Sie unter www.br-foto.de. | Bild: © BR/DENKmal-Film GmbH

Mittwoch, 02.05.2012
23:00 bis 00:30 Uhr

Bayerisches Fernsehen

Im Frühjahr 2001 kam es in der Geschichte des renommierten Wissenschaftsmagazins "Nature" zu einem bislang einmaligen Akt: Als Reaktion auf eine Flut von Beschwerden entschied sich die Redaktion der Fachzeitschrift, sich von einem publizierten Artikel zu distanzieren. Die in "Nature" veröffentlichte und nachträglich inkriminierte Studie stammte von dem Biologen Ignacio Chapela und einem seiner Studenten, die sich mit der Vermischung einheimischer und gentechnisch veränderter Maissorten beschäftigt hatten. Der Großteil der Beschwerden wurde vermutlich von dem Großkonzern Monsanto initiiert, um die für das Unternehmen unliebsamen Erkenntnisse zu desavouieren. Denn der umstrittene Artikel der Forscher kam zu dem Ergebnis, dass das genetische Reservoir der Urmais-Sorten der ganzen Welt von der Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen bedroht ist. Ein ähnlicher Fall ereignete sich im August 1998, als der Molekularbiologe Árpád Pusztai im britischen Fernsehen ein Interview gab, in dem er sich für Langzeittests für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel aussprach und Verbraucher vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln warnte. Innerhalb kürzester Zeit sah sich Pusztai einem politischen Kreuzfeuer ausgesetzt, sein Arbeitsvertrag wurde nicht verlängert und er wurde von der Royal Society, dem nationalen Wissenschaftsgremium, ausgeschlossen. Auch hier scheint es so, als ob die Sanktionen das Resultat einer gezielten Kampagne gewesen sind, die als Reaktion auf Pusztais kritische Anmerkungen initiiert wurden. Beide Fälle sind Beispiele für die zunehmende Bedrohung der Freiheit der Forschung, die nicht nur die Wissenschaftsgemeinde etwas angeht. Denn wenn multinationale Konzerne kritische Veröffentlichungen von Forschern unterdrücken können, dann ist nicht nur die Demokratie in Gefahr, sondern auf lange Sicht unser aller Gesundheit bedroht.

Bertram Verhaags preisgekrönter Dokumentarfilm entstand als BR-Koproduktion und erzählt am Beispiel dieser beiden Wissenschaftler vom Einfluss der Gentechnikunternehmen auf die Forschung - engagiert, parteiisch und streitbar, oder in den Worten des Regisseurs: als "dokumentarischer Thriller zum Thema Gentechnik". Der Dokumentarfilm, der im Bayerischen Fernsehen als deutsche Erstausstrahlung zu sehen ist, wurde beim "Indie Fest" 2010 als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Regie: Bertram Verhaag
Redaktion: Sonja Scheider

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