Bayerisches Fernsehen

Die großen Kriminalfälle Lebenslänglich für Vera Brühne

"Ich bin doch unschuldig!": Vera Brühne im Gespräch mit dem WDR-Autor Michael Gramberg. | Bild: © WDR/WDR, honorarfrei Ð Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/WDR" (S2). WDR-Pressestelle/Fotoredaktion 0221 220 -2408 oder -4405 Fax -8471 mail fotoredaktion@wdr.de

Mittwoch, 23.01.2013
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Vera Brühne hat sich all die Zeit, die sie als "Lebenslängliche" im Frauengefängnis Aichach inhaftiert war, nach dem Warum gefragt. 1979, nach 18 Jahren Haft, wurde sie begnadigt. Vera Brühne konnte nicht begreifen, warum sie verurteilt wurde.

Gemeinsam mit ihrem Bekannten Johann Ferbach soll sie im April 1960 den Münchner Arzt Dr. Otto Praun und seine Geliebte Elfriede Kloo ermordet haben. "Lebenslänglich" lautete das Urteil des Schwurgerichts im Juni 1962. Es war der aufsehenerregendste Prozess der Bundesrepublik.

Täglich drängelten sich Tausende von Schaulustigen vor dem Münchner Gerichtsgebäude. Das Urteil über sie war in der Öffentlichkeit längst gesprochen, noch bevor der Schwurgerichtsprozess richtig begonnen hatte. Nichts davon sei wahr, hat Vera Brühne stets gesagt. Verbittert über all die Lügen, die über sie damals verbreitet wurden, zog sie sich zurück, verweigerte seit damals jede Stellungnahme.

Im Jahr 2000 hat sie ihr Schweigen gebrochen und in einem ausführlichen Interview ihre Geschichte erzählt - zum ersten Mal seit ihrer Begnadigung 1979. Ungebeugt beteuert Vera Brühne ihre Unschuld. Die Ermittlungen wurden seinerzeit schlampig geführt, der Prozess enthielt zahllose Ungereimtheiten.
Der Film von Michael Gramberg deckt Widersprüche und platte Lügen im Urteilsspruch von 1962 auf.

Offensichtlich hat Vera Brühne 18 Jahre lang unschuldig hinter Gittern verbracht, wurde Opfer eines politischen Komplotts, bei dem die wahren Mörder im Verborgenen blieben. Dr. Otto Praun, den Vera Brühne gemeinsam mit ihrem Bekannten Johann Ferbach im April 1960 ermordet haben soll, hatte sein erhebliches Vermögen keineswegs als Arzt erwirtschaftet, sondern als Waffenhändler im Dienst des Bundesnachrichtendienstes.

Hinweise, dass die Mörder im Auftrag des BND handelten, sind bis heute nicht schlüssig widerlegt worden. Recherchen von Journalisten und Bundestagsabgeordneten wurden behindert, ein Wiederaufnahmeverfahren abgelehnt. Vera Brühne starb am 17. April 2001.

Redaktion: Astrid Harms-Limmer

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