ARD-alpha - Stil-Epochen


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Stil-Epochen Wiedergeburt der Antike in der Renaissance

Renaissance heißt Wiedergeburt. Gemeint ist die Antike. Das beschränkt sich nicht auf die Kunst: Die hoch entwickelten Wissenschaften, das antike Rechts- und Staatswesen, all das wird in der Renaissance wiederentdeckt und studiert.

Stand: 04.03.2016

Florenz, die Tuchhändlermetropole Italiens, steht im Zentrum dieser Entwicklungen. Hier regieren die Medicis, eine zu Geld gekommene Tuchhändler- und Bankiersfamilie. Die Medicis fördern die Künste und beauftragen namhafte Baumeister, Bildhauer und Maler mit Bauwerken, Skulpturen und Gemälden.

Die räumliche Revolution in der Malerei

Das Wahrzeichen von Florenz

Einer von ihnen ist Filippo Brunelleschi. Der Architekt baut nicht nur die Kuppel des Florentiner Doms, er entwickelt außerdem die Zentralperspektive - und revolutioniert damit die Malerei. Er zerlegt das Modell, das er abzeichnen will, mit Hilfe von Gitternetzlinien in gleichgroße Quadrate. Kästchenweise überträgt er dann seine Vorlage in das entsprechende Raster seiner Zeichnung. Das hat den Vorteil, dass sich die räumliche Perspektive gleich mit aufs Papier überträgt. Diese Erfindung zeigt Brunelleschi 1425 seinem Freund, dem Maler Masaccio. Der Architekt hilft ihm, das räumlich angelegte Dreifaltigkeitsfresko zu entwickeln - das erste Gemälde, das nach den Gesetzen der Zentralperspektive entsteht.

Der Mensch im Mittelpunkt der Kunst

Wie Brunelleschi beschäftigen sich auch andere florentiner Baumeister mit dem Architekturtraktat des Vitruv, der in der römischen Antike wirkte. Vor allem die Säulenordnung übernehmen sie, um beispielsweise die Fassaden der Paläste zu gliedern. Auch Leonardo da Vinci nutzt Vitruvs Traktat für seine Proportionsstudie. Da Vinci erkennt, dass alle Teile des menschlichen Körpers in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen und in ein geometrisches System eingebunden sind. Er betreibt anatomische Studien und lässt dieses Wissen in sein Werk einfließen. Sein berühmtestes Bild, die Mona Lisa, beeinflusst viele Künstler heute noch. Doch nicht nur dieses Porträt zeigt, wie sehr der Mensch, wie Gott ihn geschaffen hat, im Mittelpunkt der Kunst steht. Die beiden David-Statuen von Donatello und Michelangelo rücken den Menschen wie in der Antike nackt in den freien Raum - im Mittelalter undenkbar.

Der Künstler im Mittelpunkt der Kunst

In der Spätrenaissance, auch Manierismus genannt, tritt die naturgetreue Abbildung des Menschen in den Hintergrund. Vielmehr lässt sich in den manieristischen Werken der Wunsch des Künstlers erkennen, sich selbst zu verewigen - durch eigenwilligen Stil. Der äußert sich in fratzenhaften Gesichtern, überstreckten Gliedmaßen, unnatürlichen Körperhaltungen. Dieser Hang zur Übertreibung kündigt bereits das Zeitalter des Barocks an.

Kurz gefasst Die Stil-Merkmale der Renaissance

  • Der Mensch rückt wieder in den Mittelpunkt der Kunst, wie in der Antike.
  • Die räumliche Perspektive revolutioniert die Malerei.
  • Skulpturen stehen frei im Raum, sind nicht mehr Teil von Bauwerken.

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