ARD-alpha - Stil-Epochen


18

Stil-Epochen Kathedralenbau auf Gotisch

Hoch aufstrebende Kirchenbauten prägen das Bild der Gotik: Kathedralen mit Spitzbögen, figurengeschmückten Portalen und bunten Fenstern, die biblische Geschichten erzählen. Dass das Wort gotico einmal barbarisch und fremdartig bedeutete, weiß heute fast keiner mehr.

Stand: 02.02.2016

Den Begriff der Gotik prägt der italienische Künstler und Biograf Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert. Damit will er seine Geringschätzung der mittelalterlichen Kunst nördlich der Alpen gegenüber zum Ausdruck bringen. Als Goethe Bauwerke in seinem Aufsatz "Von deutscher Baukunst" rehabilitiert, ist "Gotik" kein Schimpfwort mehr.

Kirchenbau-Boom und Platznot

Reliquienschrein

Die ersten gotischen Kirchen entstehen in der Ile de France in und um Paris. Seit 987 herrschen die Kapetinger in Frankreich, die mit König Philipp II. effiziente und billige Baumethoden entwickeln und einen Kirchenbau-Boom auslösen. Die Kathedralen von Reims, Amiens und Chartres repräsentieren den klassischen gotischen Kathedralenbau in seiner Höchstform. Den Bischofssitz, die cathedra, führen die Kirchen bereits im Namen. Dass die gotischen Kathedralen größer sind und mehr Platz bieten, hat allerdings andere Gründe.

Mehr Platz für Pilger

Die Baumeister erweitern die Apsis um einen Chorumgang. Denn immer mehr Pilger gehen auf Wallfahrt, nehmen lange Fußmärsche auf sich, um an religiösen Kultstätten Reliquien zu verehren und zu beten. Persönliche Besitztümer und Körperteile von Heiligen werden in Schreinen aufbewahrt und in den Kathedralen ausgestellt. Um der wachsenden Zahl von Pilgern beizukommen, leitet man sie durch das eine Seitenschiff zum Chorumgang, vorbei am Altar mit der Reliquie, und zum anderen Seitenschiff wieder hinaus. Mehr Raum also, um die vielen Pilger durch die Kirche zu schleusen - doch das ist nur ein Grund für den gestiegenen Platzbedarf.

Mehr Platz zum Feiern

Kathedrale von Reims

Die Kirchen sind Orte öffentlichen Lebens. Hier finden Märkte, Gerichtsverhandlungen, Versammlungen, Theaterstücke und Konzerte statt. Und an den Feiertagen wird richtig gefeiert. Dafür durchbrechen die Baumeister die massiven Wände und erfinden die Skelettbauweise, bei der die Druckkräfte von oben auf eine Art Wandskelett verlagert werden. Ein wesentliches Element dieses Stützensystems ist der Spitzbogen, der steiler verläuft als der romanische Rundbogen und dementsprechend die Druckkräfte steiler ableitet und somit die seitlichen Schubkräfte vermindert. Der Spitzbogen ist Teil des Kreuzrippengewölbes, dessen Diagonalen, die Rippen, das Gewölbe tragen. Ein Schlussstein stabilisiert die Rippen im Kreuzungspunkt. Doch die Gotik bringt auch neue schmückende Stilelemente hervor: Ziergiebel, Fensterrosetten, und Gewändefiguren, die die Portale der Kirche verzieren.

Während die Gotik in Mitteleuropa noch bis ins 16. Jahrhundert andauert, läutet Italien schon um 1420 die Renaissance ein - allen voran der in Florenz lebende Maler Giotto

Kurzgefasst: Die Stil-Merkmale der Gotik

  • Skelettbauweise mit Kreuzrippengewölbe prägt die Innenräume der Kirchen.
  • Die Apsis ist um einen Chorumgang erweitert.
  • Gewändefiguren an den Portalen sowie Ziergiebel und mit Tabernakeln verzierte Strebepfeiler schmücken die Fassade.
  • Spitzbögen kommen auf.
  • Fensterrosetten und bunte Fenster mit erzählenden Motiven aus der Bibel sind typisch für die Gotik.

18