ARD-alpha - Stil-Epochen


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Stil-Epochen Moderne, Postmoderne und Gegenwart

Wie hat sich der Kunstbegriff nach dem 2. Weltkrieg auf weitere Sinne als nur das Sehen ausgeweitet? Was bedeutet Fluxus? Was ist dran an der Legende eines Joseph Beuys? Antworten darauf gibt die letzte Folge unserer Sendereihe.

Stand: 16.08.2017

Einfach da weitermachen, wo man vor dem Krieg aufgehört hatte in der Kunst - das ging nicht. In Deutschland standen die bildenden Künstler vor der Herausforderung, sich neu erfinden zu müssen, ihrer Kunst eine neue Richtung zu geben. Das Ergebnis war ein Stilpluralismus, der sich schwer zusammenfassen lässt. Einer der wichtigsten Impulse kam in den späten 40ern aus den USA. Jackson Pollocks sogenannte Action Paintings und Robert Rauschenbergs weiße Leinwände eröffneten den deutschen Künstlern ein breites Feld an Möglichkeiten.

In Europa erregte Yves Klein mit seinen monochrom blauen Leinwänden Aufsehen. Die leuchtende Farbe mischte er selbst und ließ sie patentieren. Er bemalte die Körper von Aktmodellen in seinem Blau und ließ sie sich auf Papier abdrücken - als Abbilder der nackten Wirklichkeit. Die Handschrift, die persönliche Note des Künstlers, die vor dem Krieg immer wichtiger wurde, war in den Werken der Nachkriegskünstler eliminiert. Zufall und Fremdeinwirkung bestimmten jetzt das Motiv entscheidend mit.

Wo Kunst und Leben ineinander fließen

Joseph Beuys: Stuhl mit Fett, 1963

In Deutschland fanden Anfang der 60er-Jahre die ersten Fluxus-Veranstaltungen statt. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen, fluere bedeutet fließen. Die Bewegung geht auf den US-amerikanischen Künstler George Maciunas zurück, der ihr auch ihren Namen gab. In Deutschland war es Wolf Vostell, der die Kunstrichtung begründete und sagte, Kunst sei Leben und Leben Kunst. Im Ineinanderfließen von Leben und Kunst wandten sich die Künstler von der Malerei ab und dem Happening zu. Die Fluxisten waren darauf aus, die Konventionen zu verflüssigen. Teilweise sogar im wahrsten Sinne des Wortes. 1967 schuf Joseph Beuys während der Veranstaltung "Fluxus" in Darmstadt einen mit atonaler Musik beschallten "Fettraum" aus 375 Päckchen Margarine. Nam June Paik füllte einen Nachttopf mit Farbe, tauchte seinen Kopf ein und zog ihn über einen Papierstreifen.

Die subversive Kraft der Kunst

Während im deutschen Westen Fluxus-Ereignisse gefeiert wurden, war in der Sowjetunion und den Satellitenstaaten nach wie vor der "sozialistische Realismus" die einzig anerkannte Kunstrichtung. Nikita Chruschtschow beschimpfte 1960 die Expressionisten öffentlich als Päderasten. Noch 1974 wurde eine nicht genehmigte Ausstellung regimekritischer Künstler mit Bulldozern und Wasserwerfern unterbunden. Die Empörung im Ausland schlug allerdings Wellen und die sowjetische Regierung musste eine Wiederholung der Ausstellung genehmigen - sie wurde ein Riesenerfolg. Dass Kunst subversive Kräfte entfalten kann, war auch in DDR bekannt. Offiziell allerdings wurde sie entsprechend reguliert.

Der Trend zur uniformierten Großstadt

Das Sony Center am Potsdamer Platz in Berlin

Nach der Wende 1989 standen nicht zuletzt die Architekten vor großen Herausforderungen. Der Berliner Reichstag, der Potsdamer Platz - viel öffentlicher Raum lag brach. Im Zuge der Postmoderne und der Globalisierung traten auch hier beim Wiederaufbau die Eigenheiten der Stadt in den Hintergrund und wichen dem Einheitslook der modernen Metropolen. Doch wer genau hinsieht, erkennt das ganz eigene Gesicht der jeweiligen Stadt, das sich trotz vereinheitlichender Tendenzen zeigt.


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