ARD-alpha - Schulfernsehen


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Tiergesellschaften (1) Sozialverhalten bei Tieren

Die Sendung gibt Einblicke in natürliche Verhaltensweisen von Tieren und macht deutlich, wie der Mensch versucht, sich über die Natur zu erheben - indem er seine Mitgeschöpfe unterwirft und dressiert.

Von: Dr. Horst Wisniewski, Ein Film von Wolfgang Voelker

Stand: 04.01.2013

Bienen auf einer Wabe | Bild: BR

Tierdressur und ihre Folgen

Dressuren widersprechen normalerweise dem natürlichen Verhalten von Tieren. Elefanten, die Wasserski fahren oder Fußball spielen, Schimpansen, die rauchen oder eine Fernsehsendung "moderieren", wurden nur durch Zwang oder Belohnung dazu gebracht, sich so untypisch für ihre Art zu verhalten. Welche gefährlichen Folgen das Aneignen menschlicher Verhaltensmuster haben kann, zeigt sich bei Tieren, die lange in Gemeinschaft mit dem Menschen lebten. So müssen etwa Orang-Utans bei ihrer Auswilderung Verhaltensweisen wie Futter suchen oder Hangeln erst mühsam erlernen. Nur so haben sie in der Wildnis eine Überlebenschance.

Erforschung des tierischen Verhaltens

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Zu den Begründern der vergleichenden Verhaltensforschung zählen Konrad Lorenz (1903-1989) mit seinen Versuchen zur Prägung von Tieren und Karl von Frisch (1886-1982), der unter anderem die Sprache der Bienen erforschte. Auch Wolfgang Köhler (1887-1967) hatte mit seinen Experimenten zum einsichtigen Lernen bei Schimpansen Anteil bei der Entwicklung der Verhaltensforschung. In den letzten Jahren sind die Ursachen und die unterschiedlichen Aspekte tierischen Sozialverhaltens in den Blickpunkt der empirischen Forschung gelangt. Die Wissenschaftler beschäftigen sich dabei mit den unterschiedlichsten Tierarten. Von den staatenbildenden Insekten wie Bienen und Ameisen, über Zugvögel und Fische bis hin zu den Säugetieren werden Verhaltensmuster der Paarbeziehung, der Gruppenbildung oder der Feindabwehr untersucht. Die verschiedenen Formen dieses Sozialverhaltens dienen dabei sowohl dem Leben als auch dem Überleben des einzelnen Individuums.

Natürliches Sozialverhalten

Nicht nur bei in der freien Wildbahn lebenden Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas regeln bestimmte Verhaltensweisen die Beziehungen der Tiere untereinander. Bei den Menschenaffen äußert sich dieses Sozialverhalten unter anderem in Streit und Aggression, in Zuneigung und Sex, in der Pflege und Aufzucht der Jungen, in der Nahrungsbeschaffung, dem Werkzeuggebrauch und der Selbstmedikation in Krankheitsfällen. Allerdings zeigen sie, je nach Art, dabei deutlich unterschiedliche Verhaltensmuster. Während Orang-Utans Einzelgänger sind, lebt ein Gorillamännchen in einer haremsähnlichen Gruppe mit mehreren Weibchen zusammen. Schimpansen bilden streng hierarchisch aufgebaute Großfamilien. Das Sozialverhalten vieler Tiere ist genetisch bestimmt. Aber je höher entwickelt ein Lebewesen ist, umso größer werden die Verhaltensanteile, die erlernt und innerhalb der Gruppe modifiziert, verbessert und weitergegeben werden können.

Auswirkungen der Verhaltensforschung

Die Ergebnisse der tierischen Verhaltensforschung führen immer mehr dazu, diese auch bei Haus- oder Zootieren anzuwenden. Hühner werden heute vielfach nicht mehr in engen Legebatterien, sondern artgerecht gehalten. Dies trifft auch auf andere Nutztiere wie etwa Schweine zu. Auch bei der Haltung von Wildtieren im Zoo und der Gestaltung von Tierhäusern in zoologischen Gärten berücksichtigt man die Erkenntnisse über die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere. Und erfolgreiche Tiertrainer arbeiten inzwischen längst nicht mehr nur nach dem Belohnung-Strafe-Prinzip. Auch sie nutzen bestimmte Verhaltensweisen, zum Beispiel den Spieltrieb oder Unterwerfungsrituale, für ihre Dressuren.

Kommunikation im Tierreich

Eine grundlegende Voraussetzung für jedes soziale Zusammenleben ist die Fähigkeit zur Kommunikation. Die einzelnen Mitglieder einer Gruppe müssen sich verständigen können. Dazu verfügen auch Tiere über Sprachen. Allerdings darf man diese nicht im Sinne einer menschlichen Sprache verstehen. Viele dieser Tiersprachen bleiben der Wahrnehmung unserer Sinne verborgen. Selbst Vögel - wie etwa die Kolkraben - die gut verständliche menschliche Laute hervorbringen, können dennoch nicht mit dem Menschen kommunizieren. Allerdings gibt es schon seit einiger Zeit beispielsweise bei Schimpansen oder Orang-Utans Versuche, eine Zeichensprache zu entwickeln, die eine Verständigung zwischen Mensch und Tier ermöglicht.


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