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Der Mühldorfer Todeszug Begegnungen gegen das Vergessen

Im April 1945 stoppt ein Zug, vollgepfercht mit Häftlingen des KZ Mühldorf, in Poing. Gefangene fliehen, SS und Einheimische machen Jagd auf sie. Ein 14-Jähriger überlebt das Massaker. Nun erzählt Leslie Schwartz seine Geschichte und besucht mit Schülern den Ort des Verbrechens.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Beatrice Sonnhüter

Stand: 02.11.2012

Leslie Schwartz, einer der Überlebenden des Mühldorfer Todeszug auf Spurensuche in Tutzing  | Bild: BR

Todesmärsche und Häftlingstransporte – das letzte große Verbrechen der Nazis

Das Vorrücken der alliierten Truppen wird im Frühjahr 1945 für die KZ-Insassen in dem Gebiet, das dem NS-Regime noch verblieben ist, zum Wettlauf mit der Zeit. Als sich Amerikaner, Briten und Russen nähern, werden Häftlinge, die das Morden bislang überlebt haben, von SS-Männern kreuz und quer durchs Land getrieben. Die halb verhungerten Menschen müssen sich von Lager zu Lager, von Ort zu Ort schleppen. Wer nicht mehr laufen kann, wird erschossen. Zuweilen werden die Häftlinge - ohne Essen und Trinken - in Zügen transportiert.

Das Außenlager Mühldorf wird geräumt

Nahe der oberbayerischen Stadt Mühldorf befindet sich ein Außenlager des KZ Dachau, das die SS in den letzten Apriltagen auflöst. Auch hier werden die Häftlinge auf einen Marsch geschickt und schließlich in Viehwaggons gepfercht. Der Zug macht in Poing Halt und als das Gerücht aufkommt, der Krieg sei zu Ende, versuchen mehrere Gefangene zu entkommen. Sie laufen zu den umliegenden Bauernhöfen. Wehrmachtssoldaten, SS-Leute und Zivilisten machen Jagd auf die Flüchtlinge, mehr als 50 werden erschossen, die übrigen zum Zug zurückgebracht. Einer der Überlebenden ist Lászlo Schwartz, ein 14-jähiger ungarischer Jude. Verwundet wird er später von den Amerikanern befreit und wandert in die USA aus.

Leslie Schwartz kehrt nach Deutschland zurück

Schwartz, der sich nun Leslie nennt, schreibt ein Buch über seine Erlebnisse. Der Mühldorfer Todeszug und das Massaker von Poing lassen ihn zeitlebens nicht mehr los. Durch ein Geschichtsprojekt des Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben kommt Schwartz in Kontakt mit Schülern, die über die Ereignisse im April 1945 in ihrer Heimat recherchieren. Nun beginnt er zu erzählen und erlebt einen "wunderbaren Heilungsprozess". Mit den Jugendlichen besucht er die Schauplätze des Verbrechens. Gemeinsam wollen sie dazu beitragen, dass die Schrecken der NS-Zeit nicht vergessen werden.


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