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Der römische Limes Grenzwall gegen die Germanenflut

Am Limes, dem mit rund 500 Kilometern längsten Bauwerk Europas, endete das Römische Reich. Der Limes war Befestigung und Wirtschaftsgrenze, Römer und Germanen pflegten hier enge Kontakte.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Elli G. Kriesch

Stand: 04.06.2013

Nachbau eines Wachturms entlang des Limes | Bild: BR

Die römisch-germanische Grenze wird gesichert

Im Jahre 16 n. Chr. brach Kaiser Tiberius (14–37 n. Chr.) den verlustreichen Feldzug seines Neffen Germanicus gegen den Cherusker Arminius ab. Dieser hatte 9 n. Chr. den Statthalter Varus in einen Hinterhalt gelockt und drei römische Legionen samt Tross und Reiterei vernichtet. Rhein und Donau bildeten fortan die Grenze zwischen Römern und Germanen. Zum Schutz der Bewohner des römischen Machtbereichs wurden acht Legionen (ca. 45.000 – 50.000 Mann) stationiert. Die Germanen blieben aber weiterhin Störenfriede, immer wieder kam es zu Kampfhandlungen. So mussten beispielsweise in den Jahren 39, 50 und 69 die Chatten zurückgeschlagen werden.

Ein Grenzwall entsteht

Im Jahre 83 unternahm Kaiser Domitian (81–96) zwei Feldzüge nach Germanien und okkupierte das Territorium zwischen dem mittleren Rhein und der oberen Donau. Domitian, ein brutaler Gewaltherrscher, schob die Nordgrenze zwischen Rhein und Donau nach oben; sie verlief nun vom Rhein über den Westerwald, den Taunusrücken und den Odenwald bis zur Donau. Hier ließ der Kaiser ein Grenzüberwachungssystem installieren. Zunächst bauten die Römer Wachtürme, rodeten Schneisen und legten Patrouillenwege an. Unter den Kaisern Trajan (98–117) und Hadrian (117-138) kamen Gräben, Palisaden und Wälle hinzu. Im Hinterland wurden befestigte Kastelle zur Unterbringung beweglicher Eingreiftruppen angelegt; anfangs handelte es sich um Holz-, später um Steinbauten.

So entstand eine 548 Kilometer lange Anlage, der obergermanisch-rätische Limes. Hadrian, dessen Grabmal die jetzige Engelsburg in Rom ist, ließ auch den 120 Kilometer langen Hadrianswall in Nordbritannien sowie Grenzbefestigungen in Dakien (Walachei/Siebenbürgen), Syrien und Nordafrika errichten.

Wachturm reiht sich an Wachturm

Der rätische Limes zog sich von Eining bei Kelheim altmühlaufwärts nach Westen bis Lorch (166 Kilometer). Der obergermanische Limes lief nordwärts über den Taunus, weiter in Richtung Rhein bis Rheinbrohl nördlich Koblenz (382 Kilometer). In Abständen von etwa 500 Metern standen an der Grenze Wachtürme, die jeweils von einem kleinen Trupp Soldaten (drei bis acht Mann) besetzt waren. Im Hinterland befanden sich 10 bis 20 Kilometer von einander entfernt Kastelle mit Besatzungen zwischen einigen Dutzend und 1.000 Mann.

Auf der ganzen Strecke reihten sich 900 Wachtürme und etwa 100 Kastelle aneinander. Bei Gefahr gaben die Wachturmbesatzungen Signale (Lichtzeichen, Rauchzeichen, Einsatz von Blasinstrumenten) und verständigten die Kastelle. Auf gut ausgebauten Militärstraßen eilten Kavallerie (alae) und Infanterie (cohortes) herbei und stellten die Eindringlinge.

Von der Konzeption her war der Limes kein antibarbarisches Bollwerk von militärischer Bedeutung. Er wurde nicht gebaut, um gefährliche Feinde zu stoppen, die mit einem Heer anrückten. Dies war auch nicht nötig, denn während der Regierungszeit der Kaiser Domitian, Trajan und Hadrian waren die Römer in einer derart starken Position, dass sie keinen Großangriff zu befürchten brauchten. Vielmehr war es erforderlich, marodierende Banden und Räubertrupps vom römischen Territorium fernzuhalten.

Der Limes wird aufgegeben

Ein Jahrhundert lang blieb die Grenze sicher, doch seit der Mitte des 2. Jahrhunderts nahm die Wander- und Raublust der Germanen, die sich zu größeren Verbänden zusammenschlossen, spürbar zu. Eine Ausbreitung im Süden und Westen behinderte zwar die römische Grenze, aber von Osten drängten andere Völker nach. Zudem zwang Überbevölkerung viele Menschen, ihre Siedlungsgebiete mit Vieh und Hausrat zu verlassen.

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Beim Großangriff der Alemannen brachen alle Dämme: Der Limes wurde im Jahr 259/260 überrannt. Die römischen Soldaten setzten sich ab. Zahlreiche Landbewohner flüchteten und vergruben Teile ihres Hab und Guts vor den herannahenden Germanen. Spuren von Brand in Kastellen und Gutshöfen sowie Funde eingeschlagener Schädel von Männern, Frauen und Kindern zeugen davon, dass mit den Alemannen Zerstörung und Tod über das Land zwischen Rhein, Main und Neckar kamen. Als klar war, dass sich der Limes nicht mehr verteidigen ließ, wurde er mitsamt der rechtsrheinischen Territorien aufgegeben. Das Römische Reich verschanzte sich wieder hinter Rhein und Donau.

Alltag in den Grenzkastellen

Die Sendung beleuchtet nicht nur Fragen der Grenzsicherung und der germanisch-römischen Wirtschaftsbeziehungen, sondern zeigt auch wie die Truppen in ihren Stützpunkten lebten, wie sie sich zu religiösen Zeremonien versammelten, wie sie trainierten und exerzierten, was sie aßen und wie sie in Theatern Zerstreuung suchten.


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