ARD-alpha - Schulfernsehen


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Die Geburt Jesu Kirchenfenster erzählen Geschichten - Weihnachten

Die Weihnachtsgeschichte erzählt von der Hoffnung des Menschen, dass der Tod nicht endgültig ist, sondern ein Schritt vom Dunkel ins Licht. Auf Kirchenfenstern wird diese Verheißung lebendig: als Erlösungsversprechen durch die Menschwerdung Gottes.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer

Stand: 11.12.2012

Weihnachtsszene auf einem Kirchenfenster in der Leipziger Tomaskirche | Bild: picture-alliance/dpa

Das Jesuskind in der Krippe, Ochs und Esel im Stall, die Hirten auf dem Felde, die drei Weisen aus dem Morgenland oder die Flucht nach Ägypten sind tragende Elemente der Weihnachtsgeschichte. Ihre klar konturierten Erzählkerne, zu denen ebenso die Verkündigung, Mariae Heimsuchung und der bethlehemitische Kindermord gehören, drangen tief ins kollektive Gedächtnis ein und haben sich im Lauf der Zeit zu Bildern verdichtet, die jeder Angehörige des abendländisch-christlichen Kulturkreises sofort erkennt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Betrachter gläubig ist oder nicht.

"Von Jesse kam die Art"

Ein häufig gestaltetes Motiv des Weihnachtskreises ist der "Jessebaum". Er zeigt den erwachsenen Jesus in der Krone eines Baumes, an dessen Wurzel Jesse (Isai), der Vater König Davids, schläft. Der Jessebaum symbolisiert die königliche Abstammung Jesu aus dem Hause David und Inthronisiert den verkündeten Messias als Weltenherrscher, der die Geschichte des Gottesvolks vollendet.

Eine Brücke zwischen Himmel und Erde

Kirchenfenster haben über ihre architektonische Funktion als Lichteinlass hinaus stets eine starke symbolische Bedeutung. Sie verweisen zum einen auf Christus, der als geistiges Licht die Gemeinschaft der Gläubigen erhellt. Zum anderen gibt die Pracht farbiger Glasfenster einen Vorgeschmack auf die funkelnde himmlische Herrlichkeit und den Edelsteinglanz des Neuen Jerusalem. Und schließlich stehen Kirchenfenster immer auch für den Übergang zwischen der irdischen und der jenseitigen Welt. Sie verbinden die Erde mit dem Himmel und öffnen so den Blick für die eigentliche Bestimmung des Menschen, für sein eigentliches Ziel, für seine eigentliche Heimat, die nicht hier auf der Erde, sondern bei Gott im Himmel ist.

Ein Stern geht aus Jakob auf

Die auf Glas gemalten Szenen der Weihnachtsgeschichte berichten, wie der Mensch dieses versprochene Ziel erreicht: durch die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Die Auslegung der einzelnen Episoden führt tief hinein in zentrale Aspekte des Heilsgeschehens und der Messiasverheißung: Im 4. Buch Mose verkündet der Prophet Bileam, dass "ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen" wird. Das Christentum bezieht diese Weissagung auf das Kommen des Erlösers. Die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland, die aus dem Osten kommend einem Leitstern folgen, knüpft unmittelbar an diese Prophezeiung an. Sie sind ausgezogen um dem künftigen König Israels, dem erschienenen Messias, zu huldigen.


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