ARD-alpha - Schulfernsehen


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Ich mach's! Zupfinstrumentenmacher/-in

Wer Zupfinstrumentenmacher werden möchte, muss unterschiedlichste Voraussetzungen in einen harmonischen Dreiklang bringen: Es braucht musikalisches Gehör, handwerkliches Können und fundiertes Fachwissen, um aus ein paar Brettern, Leim, Lack und Stahlsaiten lebendige Klangkunstkörper zu schaffen.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Hans Peter Kernstock

Stand: 10.11.2011

Bau einer Gitarre | Bild: BR

Anreißen, zeichnen, sägen, schneiden, hobeln, feilen, schnitzen, drehen, fräsen, biegen, leimen, lackieren, polieren - mehr als 220 Arbeitsschritte braucht es, um aus ein paar Brettern und etwas Draht ein Zupfinstrument zu bauen. Zu dieser Instrumentengruppe, die der Zupfinstrumentenmacher anfertigt, gehören außer der Gitarre beispielsweise auch Mandolinen, Hackbretter, Lauten, Harfen oder Banjos. Doch ganz egal, was da tönt, am Anfang steht immer ein Stück Holz. Und damit beginnen die zahlreichen Schwierigkeiten, die der Zupfinstrumentbauer auf dem langen Weg zum fertigen Produkt überwinden muss. Denn wie sein Werkstück am Ende klingt, wie es sich spielen lässt, hängt ganz entscheidend von der Wahl des richtigen Holzes für die einzelnen Bestandteile ab. So genannte Ton- bzw. Resonanzhölzer wie etwa Fichte oder Bergahorn, Ebenholz und Palisander sind dafür bestens geeignet.

Ist das Holz ausgesucht, wird es zunächst in dünne Bretter gespaltet, aus denen der Instrumentenbauer die Resonanzplatten für Decke und Boden ausschneidet. Sie werden anschließend gewölbt, gerundet, geglättet und immer feiner geschliffen. Ein besonders schwieriger Arbeitsschritt ist das Anfertigen der Seitenwände einer Gitarre. Die so genannte Zarge wird vorsichtig um ein eigens angefertigtes Formbrett gebogen und anschließend mit der Decke und dem Boden verleimt. Das Holz für den Hals muss zunächst grob mit der Bandsäge zugeschnitten werden, bevor es dann mit Stechbeitel, Schnitzmesser, Feile und Sandpapier die gewünschte Form erhält. Schließlich werden die Bünde eingelegt und die Saiten aufgezogen. Ganz zuletzt wird das fast fertige Instrument noch lackiert. Das ist ein kitzliger Schritt, weil auch der Lack die Tonqualität entscheidend beeinflusst.

Bis hierher hätte dem Instrumentenmacher gereicht, was er sich in der dreijährigen Lehrzeit an handwerklichem Können und Fachwissen erworben hat. Für den wirklich letzten Arbeitsgang aber braucht er mehr als Geschick, Sorgfalt und eine ruhige Hand. Denn ohne musikalisches Gehör und zumindest grundlegende Kenntnissen der Spieltechnik kann der Zupfinstrumentenbauer das Instrument weder stimmen noch seine Qualität beurteilen.

Ganz besonderes Fingerspitzengefühl erfordert auch die Reparatur und Restaurierung alter, oftmals ausgesprochen kostbarer Instrumente. Hier gilt es in der Regel Risse zu schließen und ausgeleierte Wirbel, fehlende Bünde, lockere Hälse oder Stege zu reparieren.

Die Arbeitsmöglichkeiten sind breit gefächert. Zupfinstrumentenmacher sind in Klein- und Mittelbetrieben des Musikinstrumentenbaus, in Museen mit Restaurationsabteilungen für Musikinstrumente oder im Musikalien-Fachhandel mit angeschlossener Reparaturwerkstatt sowie im eigenen Betrieb tätig.


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