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Hadzabe heißt: wir Menschen Die letzten Jäger und Sammler in Tansania

Allen Versuchen, sie sesshaft zu machen, haben sich die Hadzabe bislang widersetzt. Als Nomaden wandern sie durch die Dornbuschsavanne südwestlich des NgoroNgoro-Kraters. Sie kennen keine Hierarchien, leben aus und mit der Natur.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Annette Wagner

Stand: 22.03.2013

Ein Hadzabe-Kind spannt den Bogen | Bild: SWR

Wildbeuter in Ostafrika

Die Hadzabe leben verstreut in kleinen Verwandtschaftsverbänden in der tansanischen Dornbuschsavanne nahe des Eyasi-Salzsees. Ihre Zahl wird auf 500 bis 1.000 geschätzt. Mit Pfeil und Bogen jagen die Männer Antilopen, Warzenschweine, Affen und Vögel. Früher zählten Zebras, Giraffen, Nashörner und Flusspferde zu ihrer Beute. Heute ist das Großwild im Lebensraum der Hadzabe entweder verschwunden oder unterliegt einem strengen Jagdverbot.

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Die Fertigung der Pfeile ist sehr aufwendig: Stundenlang sitzen die Männer im Schatten der Bäume und schnitzen. Dann härten sie die Pfeile im Feuer, das sie nach alter Tradition mit Stöcken entfachen. Schließlich bringen sie Federn an den Pfeilen an und hämmern die scharfen Spitzen ihrer Geschosse. Für jede Wildart verwenden die Hadzabe einen speziellen Pfeil. Aus dem Pflanzensaft der Wüstenrose gewinnen sie das tödliche Gift Kada und schmieren es sorgsam auf die Pfeilspitzen. Das Jagen wird bei den Hadzabe schon früh trainiert. In der Sendung sind Jungen bei Schießübungen mit der "Waffe des Mannes" zu sehen. Die Beute wird geteilt; Kopf, Magen und Fell eines erlegten Tieres erhält die Familie des erfolgreichen Schützen.

Frauen und Kinder sammeln, was die karge Wildnis hergibt: Beeren, Honig und die Früchte des Affenbrotbaums. Außerdem graben sie im staubigen Boden nach Wurzeln und verwenden dazu einen zugespitzten Grabstock aus Holz, genannt die "Waffe der Frau".

Rangordnungen sind unbekannt

Anführer oder Häuptlinge gibt es nicht. Reputation erreichen Hadzabe-Männer, wenn sie sich durch Mut, Kraft und Ausdauer als tüchtige Jäger hervortun. Die Jagd dient dem Gemeinwohl, dem Einzelnen bringt sie keine materiellen Vorteile - wohl aber sexuellen Nutzen. Top-Jäger gelten bei den Frauen als begehrenswerte Partner; sie zeugen mehr Kinder und ihr Nachwuchs hat bessere Überlebenschancen. Das bedeutet: Auch in einer egalitären Gesellschaft lohnen sich Anstrengung und Engagement, "Faulenzer" gibt es bei den Hadzabe nicht. Alle Männer beteiligen sich an den oft gefährlichen Jagdzügen. Auf dem Markt der Partnerwahl könnten sie, wie der renommierte Soziobiologe Eckart Voland betont, sonst nicht bestehen.

Umweltzerstörung kommt für sie nicht in Frage

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Die Hadzabe passen sich dank eines reichhaltigen Erfahrungsschatzes (u. a. im Spurensuchen und im Auffinden essbarer Wurzeln) perfekt an ihren Lebensraum an. Sie leben aus und mit der Natur. Im Krankheitsfall verwenden die Hadzabe natürliche Heilmittel. Die Medizinmänner verfügen über ein breites Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Die Hadzabe wandern in Gruppen von 20 bis 50 Personen durch den Busch. An den Lagerplätzen errichten sie kleine Hütten aus Zweigen und Gras. Einziger Einrichtungsgegenstand ist oft ein einfaches Gestell zur Aufbewahrung von Pfeilen und Bogen. Hadzabe häufen keinen Besitz an, er wäre beim Wandern wohl nur hinderlich. Nur während der Regenzeit halten sich die Hadzabe länger an einem Ort auf.


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