ARD-alpha - Schulfernsehen


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Der entfesselte Drache Shanghais Jugend im Aufbruch

Sie sind jung, ehrgeizig, leistungsbereit und unpolitisch: junge, aufstiegswillige Mittelstandschinesen in der boomenden Metropole Shanghai. Konsum und Karriere sind für die Angehörigen der "Generation Cash" geradezu ein Muss.

Stand: 14.09.2011

Videokunst, mehrmals geklonter junger Mann mit Sonnenbrille | Bild: BR

"Generation Cash" nennen Soziologen jene Jugendlichen in Shanghai , die jetzt durchstarten wollen, die von Aufstieg, Reichtum und Ruhm träumen - in einer Stadt, in der alles machbar scheint.

Die Sendung stellt junge Chinesen vor – Mitglieder einer Rockband, angehende Models, einen Videokünstler, Angestellte in einem riesigen Kaufhaus, einen dynamischen Jungmanager und Besucher einer Arbeitsmarktbörse - lässt sie ihre Träume erzählen, dokumentiert ihren Alltag und begleitet sie beim Zug über den so genannten Boulevard der Illusionen, Shanghais die berühmte Uferpromenade, den "Bund".

Party statt Partei

Shanghais neue, junge Bourgeoisie tobt sich aus in Nachtclubs, tanzt, nimmt Drogen, pfeift auf die Partei und die Politik. Während viele ihrer Eltern noch Mao Tse-tung verehrten, politische Ideale und Träume hatten, lassen sich die jungen Partygänger von Luxus, High-Tech und Geld betören.

So mancher Mittdreißiger denkt an den bevorstehenden Ruhestand - nachdem er in wenigen Jahren zum Multimillionär wurde. Shanghai, so heißt es, nähre die Illusion, dass alle Träume wahr würden. Die Revolution frisst längst nicht mehr ihre Kinder, in Shanghai haben die Kinder die Revolution bereits verdaut.

Verlierer des Wirtschaftswunders

Die Hälfte der 1,3 Milliarden Chinesen sind heute jünger als 30 Jahre. Dieses Millionenheer ist die Basis des chinesischen Wirtschaftswunders. Die großen Städte, allen voran Peking und Shanghai, sind die Wegbereiter der Modernisierung. Ihre jungen, erfolgsorientierten, gebildeten und flexiblen Einwohner aus Mittelstandsfamilien zählen zu den Gewinnern des Aufschwungs in China.

Verlierer sind die mittellosen Wanderarbeiter, Menschen, die aus ländlichen Regionen in die Städte strömen und als moderne Kulis auf Baustellen und in Restaurants arbeiten. Allein in Shanghai wird ihre Zahl auf drei Millionen geschätzt. Sie hausen in Massenunterkünften und sind nicht bei den Behörden gemeldet. Ihre Kinder müssen sich als Bettler oder Blumenverkäufer durchschlagen. Sie dürfen keine städtischen Schulen besuchen und Ärzte behandeln sie nur gegen Barzahlung. Von den Chancen der Jugendlichen im Film, die sich auf dem so genannten Boulevard der Illusionen, Shanghais berühmten "Bund" vergnügen, können sie nur träumen.


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