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Das Rennen um die Spiele Womit punkten Olympia-Bewerber?

"Moin" Welt! Hamburg soll für die Olympischen Spiele 2024 kandidieren. Die Bürgerbefragung im Herbst ist nur die erste Hürde. Wer beim IOC die Nase vorn haben will, braucht nicht nur langen Atem.

Von: Silke Schmidt-Thrö

Stand: 17.03.2015

Zieleinlauf beim Bahnradrennen 2012 bei den Olympischen Spielen | Bild: picture-alliance/dpa; Christian Charisius

"Und die Spiele gehen an..." - am Ende steht's auf einem kleinen Kärtchen, das der IOC-Präsident vorliest. Für Hamburg wird es bis dorthin ein weiter Weg. Zwar sagen die Hamburger wohl eher "Ja" bei einer Befragung als die Münchner. Aber wenn alles klappt, ist Hamburg im September erst einmal nur Olympia-Bewerber. Bis zur endgültigen Jubelparty muss man aber lang zittern: bis zum Sommer 2017.

Qualifikation und Halbfinale

Allein die Startgebühr beim Rennen um die Olympischen Spiele liegt bei 150.000 Dollar. Wer nach einem halben Jahr zum "Kandidat" ernannt wird, darf gleich wieder zahlen: 500.000 Dollar Gebühren.

Reformen

Wenn Hamburg für 2024 antritt, gibt es ein paar Neuheiten für Gastgeber. Zum Beispiel darf man dann in Ausnahmefällen ganze Wettbewerbe in einem anderen Land veranstalten. Zudem soll mehr auf die Nachhaltigkeit der Sportstätten geachtet werden. Im Gastgebervertrag wird Wert auf Umwelt- und Arbeitsbedingungen gelegt. So will es die "Agenda 2020". Klingt gut, aber auch schwammig.

Dann bekommen die Kandidaten Besuch. Beobachter einer IOC-Bewertungskommission nehmen die Städte unter die Lupe. Kommen die Besucher überhaupt zur Segel-Location? Müssten die meisten Olympia-Touristen zelten, weil zu wenig Unterkünfte da sind? Wie sieht's mit der Umwelt aus? Steht alles im Bericht, den die IOC-Mitglieder bis einen Monat vor der Abstimmung kriegen. Neu für die 2024-Entscheidung: das Kriterium "Erfahrung der Athleten". Der Streber mit lauter Einsern gewinnt aber noch nicht automatisch.

Her mit den Spielen - nur wie?

Bitte hinten anstellen...

Auf allen Kontinente sind die olympischen Spiele bisher nicht gelandet - neben der Antarktis wartet Afrika immer noch. Aber das IOC achtet auf Abwechslung. Bevor also Bewerber tief ins Portemonnaie greifen, sollten sie schauen, welche Erdteile vor ihrem Wunschtermin dran sind. Zwei Sommer- oder zwei Winter-Spiele hintereinander auf dem gleichen Kontinent? Extrem unwahrscheinlich. Sommer- und Winterspiele aus der gleichen Erdregion, das schon eher. Immerhin sind die letzten Winter- und Sommerspiele nach Südkorea und Japan gegangen.

Ausdauer-Bonus? Fehlanzeige!

Bewerbungen in Serie, davon muss der Olympia-Profi abraten. Eine Ehrenrunde ist zwar nicht ungewöhnlich, Stehvermögen zahlt sich aber nicht unbedingt aus, siehe Istanbul: Das stand nach vier Bewerbungen hintereinander 2005 ohne Spiele da. Der bessere Plan: Nach einem oder zwei Fehlversuchen Gras über die Sache wachsen lassen. Wenn der Kandidat es dann wieder versucht, kann er Verbesserungsvorschläge einbauen. Allerdings gibt's Ausnahmen: Pyeongchang hat sich dreimal hintereinander beworben und die Spiele 2018 bekommen.

Demokratie schadet nicht

Wer demokratisch regiert wird, hat auf alle Fälle keine schlechten Karten. Schließlich sollen sich alle Bewerber auch an die olympische Charta und den Ethik-Kodex des IOC halten. Darin geht es um Menschenwürde und darum, dass niemand diskriminiert werden darf. Aber auch wer beim Thema Menschenrechte nicht gut aussieht, muss noch nicht leer ausgehen. Beste Beispiele: China und Russland. Letzteres gewann bei Amnesty International "kein Gold für Menschenrechte". Ein absurdes "Anti-Homosexuellen-Propaganda"-Gesetz, Verhaftungen, Umweltzerstörung und Arbeiterausbeutung trüben die Bilanz der Spiele 2014.

Guter Markt schlägt schlechtes Image

Inoffizieller Mitentscheider ist heute auch der Markt, der Fernsehmarkt vor allem. Asien gilt natürlich als vielversprechender Wachstumsmarkt für Olympia - ein dicker Trumpf für das konsumhungrige China. In den europäischen Ländern ist da deutlich weniger zu holen, der Markt ist vergleichsweise gesättigt. Das Gute daran: Immerhin bekommen auf diese Weise auch mal solche Länder eine Chance, die noch nie Olympische Spiele hatten.

Ein nettes Motto finden

Jeder Bewerber braucht auch einen Slogan. Der muss eigentlich nur irgendwie nett klingen, Völkerverständigung ausdrücken und am besten irgendetwas Neues oder Aufregendes. Gewinner-Slogans sind zum Beispiel "Neue Horizonte" oder "Lebt eure Leidenschaft". Und damit die Präsentation klappt, sollte die Bewerberstadt am besten noch ein paar Promis als Botschafter engagieren. Manchmal hilft aber selbst ein "Yes we can"-Obama nicht. 2009 setzte er sich für Chicago 2016 ein, am Ende ging der Sieg an Rio.

Die Spiele einfach kaufen?

Wer das Ringe-Casting gewinnen will, muss kräftig investieren - nicht nur in Stadien, Straßen, olympische Dörfer und Werbung. Korruption? Stimmenkauf ist jedenfalls möglich - und von Journalisten als machbar erprobt. Größter Skandal: Die Bestechung bei der Olympia-Vergabe an Salt Lake City 2002. Sechs IOC-Mitglieder ausgeschlossen, vier zurückgetreten. Seitdem darf in der bewerbungszeit kein Mitglied mehr in die Kandidatenstädte reisen. Bestechungsvorwürfe gehören trotzdem fast dazu. "Fair play"? Unter Bewerbern nicht unbedingt üblich.

Das Finale

Showdown ist wirklich erst am Tag der Abstimmung. Jede Stadt darf dann vor den circa 100 IOC-Mitgliedern in der Vollversammlung ihre total einzigartige Vision abliefern. Bekannte Sportstars und wichtige Politiker sollten sie natürlich auch mitbringen. Wer bei der Wahl danach die absolute Mehrheit bekommt, kann sofort abfeiern. Ansonsten wird wie in der Casting Show Runde für Runde ein Looser rausgewählt. Bis es endlich einer aufs Kärtchen des IOC-Präsidenten geschafft hat. Partytime!


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