ARD-alpha - Kunstraum


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Kunstraum Werner Mally: Restlicht

Wie soll man heute mit dem Holocaust umgehen, ohne in gängige Klischees und Rituale zu verfallen? Werner Mally versucht es mit Licht. Restlicht, das ist Licht, das aus der Vergangenheit in die Gegenwart leuchtet.

Stand: 08.02.2016

Auslöser für seine Skulptur "Restlicht" waren Aufzeichnungen von Friedrich Kral, dem Großvater von Werner Mallys Frau. Als Jude wurde er in die Konzentrationslager Theresienstadt und Schwarzheide deportiert. Nach seiner "Befreiung" hat er minutiös die Erlebnisse seiner Inhaftierung und den "Hungermarsch" beschrieben, dessen Ziel es war, möglichst viele Häftlinge an den Strapazen sterben zu lassen.

Das Objekt "Restlicht" hat die Form eines Baldachins, also einer provisorischen Unterkunft. Eine 4 x 4 Meter große Stahlplatte, aufgestützt auf dünnen Pfeilern. In die Stahlplatte sind die Jahreszahlen 1938 bis 1945 eintätowiert, zweifellos die dunkelsten Jahre für die Juden in Europa. Stahl als Symbol für Haut, die Zahlenpunkte als Symbol für Tätowierung. Und durch die Zahlen scheint mal gleißend, mal ganz verschwommen das Sonnenlicht von heute, ein Wechsel von Licht und Schatten stellt sich ein. Das Objekt steht symbolträchtig am Rande eines Bahnhofes, an einem abgestellten Bahngleis. So kann sich jeder Gedanken machen, über seinen eigenen emotionalen Bezug zu Geschichte und Gegenwart.

Lebenslauf des Künstlers

  • 1955 Geburt in Karlovy Yary (Karlsbad) CZ
  • 1966 Umsiedlung nach Deutschland
  • 1980-84 Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Eduardo Paolozzi
  • 1984-85 Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Bruno Gironcoli
  • Werner Mally lebt und arbeitet in München.

Preise

  • Füger-Preis, Akademie der Bildenden Künste Wien
  • Preis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
  • Kunstpreis der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern
  • Stipendium Artist In Residence, Krems

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